Coronavirus

Geschäftsleute sauer: Ruf nach Öffnungen von Kneipen und Fitnessstudios

Sie sind sauer auf die Politiker im Bund und Land: Ulla Klimas (von links), Sven Feseler, Shafiq Ibrahimi und Vera Igelbrink stehen vor der Wellness Oase und pochen auf Öffnungsschritte in der Corona-Pandemie.
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Sie sind sauer auf die Politiker im Bund und Land: Ulla Klimas (von links), Sven Feseler, Shafiq Ibrahimi und Vera Igelbrink stehen vor der Wellness Oase und pochen auf Öffnungsschritte in der Corona-Pandemie.

Seit mittlerweile fünf Monaten sind Kneipen und Fitnessstudios wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Was am Anfang des zweiten Lockdowns noch für jeden nachvollziehbar war, stößt einigen Betreibern und Pächtern in Stewwert mittlerweile sauer auf.

Drensteinfurt – „Es reicht“, sagt Ulla Klimas, Pächterin des Schlossbistros, und spricht dabei stellvertretend für Vera Igelbrink, Inhaberin der Wellness Oase, Shafiq Ibrahimi, Betreiber des Fitnesscenters und Sven Feseler, dem Wirt vom Hammer Poat.

Angesichts der konstanten Corona-Zahlen in Stewwert und eines extrem niedrigen Inzidenzwertes, der zwischenzeitlich sogar bei Null lag, sei eine Öffnung die einzig richtige Konsequenz. „Wir müssen jetzt Zeichen setzen“, betont Ulla Klimas kurz vor dem Corona-Gipfel von Kanzlerin und Ministerpräsidenten am Montag.

Unverständnis wird immer größer

Igelbrink ist nicht mehr bereit, einfach alle Anordnungen des Landes kommentarlos hinzunehmen. „Wie lange sollen wir denn noch unsere Kneipen und Fitnessstudios geschlossen haben?“, fragt sie. Warum entscheide das Land für alle Gemeinden, unabhängig der lokalen Gegebenheiten, fragt sich die Unternehmerin und ergänzt: „Müssen die Geschäfte geschlossen bleiben, nur weil in einigen wenigen Gemeinden die Zahlen nicht stimmen?“

„Corona ist für mich Politik“, macht auch Shafik Ibrahimi seinem Unmut Luft. Seine Forderung ist ganz klar: „Wir wollen leben, arbeiten, ein Bierchen trinken, Sport machen, kurz unsere Freiheit wieder haben“, sagt er. Dem Betreiber des Fitnessstudios an der Raiffeisenstraße geht es nicht um die Coronahilfe. „Ich schaffe das noch einige Zeit alleine, aber unzählige andere nicht“, macht er deutlich. Dabei zieht er derzeit keine Mitgliedsbeiträge ein und bezahlt trotzdem seine Angestellten. Für ihn bedeuten das monatliche Kosten von 22.000 Euro. Viele Unternehmer werden pleite gehen, prognostiziert er.

Urlaub auf Malle, hier die Kneipe geschlossen

„Es ist kein Ende in Sicht“, blickt Sven Feseler wenig optimistisch in die Zukunft. Der Wirt des Hammer Poat versteht die Welt nicht mehr. Während seine Kneipe für die Gäste geschlossen bleiben muss, flögen die Deutschen in Scharen nach Mallorca und gäben ihr Geld dort in der Gastronomie aus. „Das ist die Krönung, für uns ist das bitter“, sagt er frustriert.

Vera Igelbrink spricht von einem perfekten Hygienekonzept, Luftfilteranlagen und der Möglichkeit einer lückenlosen Verfolgung der Gäste – sowohl in den Gaststätten als auch in den Fitnessstudios. „Wir erfüllen sämtliche Hygienevorschriften“, versichert sie. Sport sieht sie als Medikament ohne Nebenwirkungen. Besonders Diabetiker, Herz-Kreislauf-Kranke, aber auch Gesunde profitierten von der sportlichen Aktivität. Ebenso wichtig sei es für eine gesunde Psyche, sich abends auf ein Bierchen treffen zu dürfen.

Polizei in der Wellness Oase

Die Inhaberin der Wellness Oase hat in diesen Tagen noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: Während die Fitnessstudios für den normalen Sport geschlossen bleiben, ist in ihrem Studio die Physiotherapie und Bewegung an Geräten auf ärztliche Anordnung erlaubt.

Das bedeute für sie gleich zwei Probleme. Da sie mit diesem Angebot zu 30 Prozent ausgelastet ist, stehen ihr keine staatlichen Hilfen zu. „Das Geld, das ich einnehme, reicht aber noch nicht einmal für die Kredite“, macht sie deutlich. Ebenso schlimm erlebe sie aber die Sorge mancher „wohlmeinender“ Mitmenschen.

Rechne man die Angestellten und die Fitnessberechtigten zusammen, dann stehen tatsächlich schon einige Autos auf dem Parkplatz, und natürlich gebe es auch junge Menschen, die nach Krankheit oder Verletzungen auf Therapie angewiesen sind. Das hätte dazu geführt, dass nach Hinweisen aus der Bevölkerung die Polizei in der Wellness Oase aufgelaufen sei.

Wunsch nach mehr Normailität

„Vier Polizisten, total bewaffnet, sind gekommen und haben alles kontrolliert“, berichtet sie. Das sei erschreckend gewesen, für sie und ihre Gäste. Gefunden hätten sie selbstverständlich nichts. Auch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die regelmäßig kontrollierten, hätten keine Beanstandungen.

Was wohl einige nicht wüssten, sei die Tatsache, dass der Bereich der medizinisch notwendigen Sportanwendungen sogar als systemrelevant gelte.

Mit einem Schreiben hat sich Ulla Klimas jetzt an die Medien gewandt und auch um ein Gespräch mit dem Bürgermeister gebeten. „Wenn einzelne Bürgermeister gegen den Willen des Landes die Schulen schließen möchten, dürfe man auch umgekehrt darüber nachdenken“, findet sie. „Es ist jetzt endlich wieder Zeit für Normalität“, sagt sie unverblümt.

Toleranz bei Corona-Maßnahmen sinkt

Mittlerweile seien die Maßnahmen nicht mehr logisch. In Bussen und Bahnen sitze man dicht an dicht, Kontaktverfolgung gebe es dort ebenso wenig wie in Lebensmittelgeschäften und Gartencentern. „Das ist unverständlich“, findet Klimas. Mittlerweile werde an vielen Stellen getestet: „Wird sehr viel getestet, steigen auch die Zahlen“, ist sie überzeugt.

„Warum sinkt der Inzidenzwert deutschlandweit denn nicht, sondern steigt sogar an, obwohl wir alles zugemacht haben?“, fragt Igelbrink. Die Maßnahmen müssten neu überdacht werden.

Wenn die Geschäfte, Kneipen und Fitnessstudios geöffnet würden, könnten sich die Drensteinfurter sicher fühlen. Dafür reiche ein gutes Hygienekonzept alleine aber nicht aus. „Die Bürger müssen sich auch daran halten, und das tun sie hier in Drensteinfurt vorbildlich“, versichert die Inhaberin der Wellness Oase.

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