Geflügel Klein profitiert von Ausnahmeregelung zur Ökostromumlage

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Das Familienunternehmen profitiert von einer Ausnahmeregelung zur EEG-Umlage.

DRENSTEINFURT - Wir alle zahlen sie und jeder ärgert sich wahrscheinlich ein bisschen darüber, wenn er auf seine Stromrechnung schaut: die Ökostromumlage, die in diesem Jahr von 5,28 Cent auf 6,24 Cent erhöht wurde. Damit werden die Kosten zur Förderung erneuerbarer Energien auf alle Verbraucher verteilt. Doch es gibt auch Ausnahmen.

Firmen, die im produzierenden Gewerbe tätig sind, zahlen weniger EEG-Umlage. Offiziell heißt das: Besondere Ausgleichsregelung für stromintensive Unternehmen. Eines von ihnen ist das Drensteinfurter Unternehmen Klein, das vorgegarte Geflügelprodukte herstellt.

Geschäftsführer Thomas Klein erklärt, warum die verminderten Kosten für seinen Betrieb so wichtig sind. Die meisten Kunden des Drensteinfurter Unternehmens sind Produzenten von Tiefkühl-Pizza. Geflügel Klein beliefert diese mit Hähnchenstücken, die dann auf der Fertigpizza landen. Aber auch Großküchen und Hersteller von Fertigprodukten beziehen ihr Geflügel von dem Lieferanten aus der Wersestadt. Hauptsächlich liefert die Klein GmbH deutschlandweit, es gibt aber auch Aufträge aus dem benachbarten Ausland.

Verarbeitet werden Hähnchen und Puten im Industriegebiet Viehfeld I an der Schmiedestraße. Damit Hähnchenbrustspieße, Putenstreifen und Filetstücke direkt vom Kunden weiterverarbeitet werden können, muss das Fleisch im Drensteinfurter Firmensitz gegart, gebraten und gefrostet werden. Genau bei diesen Arbeitsschritten kommt die Ökostromumlage ins Spiel: Die Maschinen, die für diese Produktionsschritte benötigt werden, haben nämlich einen enorm hohen Stromverbrauch, berichtet Thomas Klein.

Zum Beispiel gibt es dort einen acht Meter langen Heißlufttunnel, auch „Bratstraße“ genannt, auf der das Geflügel durchgebraten wird. Anschließend wird das Fleisch in Maschinen gewürfelt und gefrostet, die ebenfalls viel Energie benötigen. Mit einem Verbrauch von etwa einer Gigawattstunde (GWh) Strom in einem halben Jahr würde die EEG-Umlage in vollem Maße ganz schön auf dem Firmenkonto zu Buche schlagen.

Von daher ist Geschäftsführer Thomas Klein, der den Familienbetrieb in zweiter Generation mit seinem Bruder Michael Klein führt, froh, dass es für produzierende Firmen eine Sonderregelung gibt. Diese beschert dem Betrieb Einsparungen im „mittleren fünfstelligen Bereich“, verrät der Firmeninhaber.

Zwar ist die Klein GmbH als Lieferant der Lebensmittelindustrie nicht gänzlich von der Umlage befreit. Bis zu einer GWh zahlt das Unternehmen die volle Abgabe. Erst der Stromanteil, der darüber hinaus verbraucht wird, ist auf zehn Prozent der EEG-Umlage beschränkt. Konkurrenz aus dem Ausland ist groß Das Zahlen der Ökostromumlage in vollem Maße würde nach Meinung von Thomas Klein einen „gravierenden Wettbewerbsnachteil gegenüber ausländischen Mitbewerbern“, zum Beispiel aus Rumänien, Thailand, China oder Brasilien, mit sich bringen. Denn diese Lieferanten könnten den Pizza-Produzenten die Fleischstücke dann mitunter günstiger anbieten.

Zwar sei dadurch nicht die Existenz der Firma gefährdet, so Klein, der eine oder andere Auftrag des Unternehmens wäre aber nach Einschätzung des Chefs sicherlich davon betroffen. In dem Familienbetrieb an der Schmiedestraße arbeiten derzeit 60 Menschen. Die „Sonderregelung“ zu beantragen, sei nicht einfach gewesen, bestätigt Klein. Um die vielen Formulare, Anträge und Bescheinigungen richtig zu bearbeiten, hat die Firma einen Wirtschaftsprüfer mit ins Boot geholt. Solch ein Verfahren sei aber durchaus gerechtfertigt, findet Klein. Schließlich solle die Vergünstigung ja auch nur den Firmen zugute kommen, die die Ansprüche tatsächlich erfüllen.

In diesen Tagen wird seitens der Politik wieder viel über die Ausnahmeregelungen für Firmen aus dem produzierenden Gewerbe diskutiert und gestritten. Dadurch, dass einige Firmen weniger EEG-Umlage zahlen, würde der Normalverbraucher mehr zur Kasse gebeten, heißt es von den Gegnern der Sonderregelungen. Wie die Debatte ausgehen wird und ob die Regelungen zur Ökostromumlage so bestehen bleiben, ist derzeit offen. Thomas Klein hofft jedenfalls für seinen Betrieb, dass er weiterhin von einem Teil der hohen Zusatzkosten für Strom befreit bleibt. -sho

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