Drensteinfurter Teamschüler mit grünem Daumen

Drensteinfurt – Seit zwei Jahren bietet der Deutsch-Ausländische Freundeskreis Drensteinfurt (DAF) auf der Wiese neben dem Parkplatz an der Dreingauhalle mit dem interkulturellen Garten Menschen mit Freude am Gärtnern die Möglichkeit, ein Stück Land zu bewirtschaften. Mit dabei ist die Teamschule, denn für zwei der 16 Beete ist die Garten-AG von Lehrer Karl Kampelmann verantwortlich.

„Der Garten ist ein Aushängeschild und ein Leuchtturm der Schule“, schwärmt Karl Kampelmann. Der Lehrer für Naturwissenschaften und Gesellschaftslehre ist von dem schulischen Gartenprojekt regelrecht begeistert.

Zu gern erinnert er sich an die Anfänge: „Da war hier nur eine grüne Wiese.“ Es war für Schüler und Lehrer ein glücklicher Zufall, dass „Garten-Karl“, wie die Kollegen den engagierten Lehrer nennen, vor zwei Jahren auf Rudi Naerger traf, der die Idee für den interkulturellen Garten hatte. Seine Idee: Ein Stück Land, aufgeteilt in kleine Parzellen und bewirtschaftet von Drensteinfurter Mitbürgern mit Spaß am Gemüsegarten. „Ich war sofort dabei“, sagt er. Zwei Parzellen sicherte sich Kampelmann für seine Schüler, die sich nur zu gerne einbrachten.


Seitdem erlebe er glückliche, ausgepowerte Kinder. Seinen Gartenkurs besuchen 20 Schüler, die die Arbeit in der Natur lieben und von den erfahrenen Gärtnern Olaf Tillmann, Fritz Krähenbühl und Rudi Naerger profitieren. Ganz nebenbei kommt es während der Zeit im Jahresablauf, die mit der Vorbereitung für die Saat in den Beeten beginnt, sich über Pflege und Ernte erstreckt und bei der Winterarbeit endet, zu zahllosen Gesprächen mit dem Lehrer.

Dabei werden Themen wie ökologische Zusammenhänge im Jahreskreislauf, Artenvielfalt, Wissen über Tiere und Pflanzen, Nährstoffe, Insektenschutz, Wildblumenwiese und Bestäubung angesprochen. Die Schüler bringen sich aber auch bei handwerklichen Arbeiten ein und dürfen selbstüberlegt und selbstständig arbeiten.

„Dabei ist handwerkliches Geschick ebenso gefragt wie mathematisches Wissen, Kreativität und Teamarbeit“, erklärt Kampelmann. Mittlerweile sei das Gartenprojekt an der Schule so beliebt und auch anerkannt, dass einmal im Monat an einem Vormittag eine Gartenaktion stattfindet, zu der sich klassenübergreifend Schüler melden können. Mittags gibt es ein offenes Angebot, an dem Schüler einfach vorbeikommen. „Der Garten ist eine Begegnungsstätte geworden“, freut sich der Lehrer. Kampelmann sieht den Garten als Gegenpol und Ergänzung zur zunehmenden Digitalisierung.


16 Gartenbeete, jedes zweieinhalb mal fünfeinhalb Meter groß, werden mit unterschiedlichen Gemüsesorten bepflanzt. 60 Prozent der Gärtner sind Flüchtlinge. Neben den beiden Beeten der Garten-AG wird eine weitere Parzelle von einer Teamschullehrerin und ihrer Klasse bewirtschaftet. Genau wie jeder andere musste sie sich für den Platz bewerben und stand auf der Warteliste. „Wird eine Parzelle abgegeben, rückt jemand von der Warteliste nach“, erklärt Rudi Naerger das Prinzip der Vergabe.

Mittlerweile ist der Garten richtig schön und gut ausgestattet. Es gibt ein Gartenhaus mit überdachter Terrasse, eine Photovoltaikanlage mit Akkus für die Pumpen, Kühlung im Sommer und Licht im Bauwagen. Letzterer ist das nächste Projekt der Schüler. „Er soll neu angestrichen und verschönert werden“, verrät Kampelmann. Gerade haben einige Flüchtlinge den alten Bauwagen, mit Platz für Gartengeräte und Werkzeug, von innen mit Holz verkleidet. Neue Fenster wurden ebenfalls eingebaut.

„Viele Leute unterstützen unser Projekt, man muss sie nur ansprechen“, sagt Naerger. Dazu gehöre auch die Stadt, die das Land kostenlos an den DAF zur Nutzung als Garten verpachtet hat. Darum kostet es für die „Pächter“ auch nichts, ein Stück Land zu bewirtschaften.

Zum Säen und Arbeiten gehört auch das Ernten. Einiges wird an die Schüler verteilt, es gebe aber auch im Lehrerkollegium Abnehmer, berichtet Kampelmann. Gegen eine kleine Spende freuen sich diese über Bio-Gemüse und die Schüler über Geld für neues Saatgut. Von dem Kräuterbeet im Garten profitiert übrigens auch die Hauswirtschaftslehrerin, wenn sie Kräuter für ihren Kochunterricht benötigt. Im Gegenzug wandern die Bioabfälle auf den Komposthaufen des Gartens.

Für Karl Kampelmann hat das Gartenprojekt im interkulturellen Garten nur Vorteile. Es vermittle fächerübergreifend theoretisches und praktisches Wissen, und dann fügt er lächelnd hinzu: „Wann sieht man heute Schüler mit so viel Tatendrang, die dabei auch noch Spaß haben?“

Rubriklistenbild: © Wiesrecker

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