Verabschiedung an Pfingstsonntag

Abschied nach 35 Jahren: Küsterin Gabriele Dobratz geht in den Ruhestand

+
Zu Gabriele Dobratz’ Aufgaben als Küsterin in Walstedde gehörte weit mehr als die Pflege des kompletten Paul-Gerhardt-Hauses und der Außenanlagen. Sie half auch bei der Gottesdienstvorbereitung mit und hat so über drei Jahrzehnte über die Auswahl der Osterkerze mitentschieden:

35 Jahre hat Gabriele Dobratz das Amt der Küsterin im Paul-Gerhardt-Haus ausgeübt, am Sonntag tritt sie in den wohlverdienten Ruhestand.

Drensteinfurt - Als sie 1985 die Stelle antrat, hatte sie zunächst zehn Jahre ins Auge gefasst. 25 weitere sind es schließlich geworden. In den langen Berufsjahren hat sich die gebürtige Saarländerin von einer gelernten Landwirtin und Hauswirtschafterin zu einer Küsterin entwickelt, von deren Wissen unerfahrene Kollegen seit langem profitieren. „Der Küsterdienst ist umfangreicher als man mit zwei Sätzen erzählen kann“, sagt sie. 

Als sie zum ersten Mal hörte, dass in Walstedde eine Stelle als Küsterin eingerichtet werden sollte, wohnte Dobratz mit ihrer Familie noch in Bockum-Hövel. Dort waren sie und ihr Mann in der evangelischen Kirche heimisch geworden. Der Walstedder Posaunenchorleiter Walter Gollan überbrachte seinerzeit die Nachricht von dem geplanten Gemeindezentrum. 

Nur wenige Tage später, am 16. Dezember 1984, habe sie sich auf die Stelle, die noch gar nicht ausgeschrieben war, beworben. Das Presbyterium habe sich dann im April 1985 für sie entschieden. „Gesucht wurde ja eine Küsterin mit Familie, die bereit war, in das neue Haus neben dem Gemeindezentrum zu ziehen“, erklärt sie. Diese Anforderungen habe sie erfüllt, überhaupt sei es nicht so leicht, Küster zu finden. So habe es neben ihr nur eine weitere Bewerbung gegeben. 

„Ich bin eigentlich ins kalte Wasser gesprungen“

Im Mai 1985 erfolgte die Grundsteinlegung, im August unterschrieb sie den Vertrag, Ende September bezog die Familie ihr neues Heim und half tatkräftig bei den Restarbeiten mit. Am 20. Oktober wurde das Paul-Gerhardt-Haus unter großer Beteiligung des Dorfes feierlich eingeweiht, erinnert sie sich. „Ich bin eigentlich ins kalte Wasser gesprungen“, stellt sie nachträglich fest. Eine große Einweisung habe es nicht gegeben, wohl eine Dienstanweisung. Zum Glück hatte sie bereits im Sommer 1985 eine Fortbildung (Rüstzeit) für evangelische Küster besucht. 

Ihre Ansprechpartner damals waren die Presbyter Walter Gollan und Werner Schulz und natürlich der damals zuständige Pfarrer Dietrich Böning, der allerdings nicht in Walstedde wohnte, sondern in Herbern. Denn die Gemeinde Walstedde gehörte damals zu Herbern, das wiederum der fünfte Bezirk von Bockum-Hövel war. 

Ihre Aufgaben umfassten die Pflege des kompletten Hauses, der Außenanlagen sowie die Vorbereitung der Gottesdienste, Feste, Veranstaltungen und Treffen der Gemeindegruppen. „Mir hat gefallen, dass ich selbstständig handeln konnte und mir die Arbeitszeit selber einteilen durfte, was sehr familienfreundlich war“, macht die zweifache Mutter deutlich. „Ein Küster muss flexibel und zuverlässig sein, planerisch denken und vorausschauend handeln“, zählt sie auf. 

Gabriele Dobratz ist in ihre Aufgabe hinein gewachsen.

Sie sei für die Gemeinde da gewesen und habe das sehr gerne gemacht. „Wenn man neben dem Gemeindezentrum wohnt, ist man zudem erster Ansprechpartner“, ergänzt sie. Mit den Jahren habe sie mehr und mehr dazugelernt. Sie nahm 1989 an einem weiteren Lehrgang teil, besucht Küstertreffen auf Kreisebene und wurde 1997 sogar Vertrauensküsterin des Kirchenkreises Hamm. 

Ein Amt, das sie bis heute ausübt. 1996 wurde sie zudem als Mitglied in die Synode, das Kirchenparlament des Kreises, berufen. Ihre Aufgabe bestand darin, Küstertreffen zu organisieren, Themen anzubieten und die Gemeinschaft zu fördern, denn Küster seien damals noch Einzelkämpfer gewesen, so Dobratz.

Küster ist kein Lehrberuf

Durch den Kontakt zur Küstervereinigung habe sie viel Hintergrundwissen erhalten. So kam es, dass sie 2009 als Beisitzerin in den Vorstand der Küstervereinigung Westfalen-Lippe gewählt wurde. 2015 übernahm sie die Redaktion des Küsterheftes, für dessen Versand sie vorher zuständig war. Eine Aufgabe, die sie bis heute und auch in Zukunft mit großem Engagement betreibt. Neben eingesandten Texten veröffentlicht sie darin auch eigene Schriften und Impulse für ihre Kollegen. In jeder Ausgabe erscheint zusätzlich ein Gedicht von ihr.

Für sie ist es selbstverständlich, dass sie ihr Wissen an neue Kollegen weitergibt. „Küster ist ja kein Lehrberuf, sondern eine Anlerntätigkeit“, erklärt sie. In den Jahren hat sie viele Pastoren begleitet und auch die Stellung gehalten als die Pfarrstelle vakant war. 16 Jahre war Pfarrer Wilfried Voss aus Herbern zuständiger Pfarrer. Seit 2007, als die evangelische Gemeinde Walstedde Teil der Kirchengemeinde Ahlen wurde, kamen die Pfarrer aus Ahlen dazu. Rund 1.400 Gottesdienste hat sie vorbereitet, hinzu kamen Trauerfeiern und Taufen.

Zukunft des Hauses ist unklar

In den letzten Jahren war Dobratz mit sieben Stunden ihrer halben Stelle zusätzlich in der Christuskirche in Ahlen eingesetzt, später dann mit weitaus mehr Stunden in der Pauluskirche. Seit 2015, mit Schließung der Dolberger Kirche, war sie wieder ausschließlich in Walstedde, wobei sie öfter Vertretungsdienst in Ahlen übernahm. Viele Jahre sang sie mit großer Freude im evangelischen Kirchenchor mit. Ebenso begeistert bereitete sie Basare des Bastelkreises Herbern vor. 

Die Gemeindearbeit wird ihr fehlen, sagt sie, aber dennoch sei jetzt der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören. „Ich bin 65 Jahre, das ist eine runde Sache und es ist gut, dass ich das Amt jetzt aufgebe.“ Die Zukunft des Hauses und der Gemeinde ist derzeit unklar. Im Moment sei das Gemeindeleben durch die Corona-Pandemie zurückgefahren; wie es einmal wird, könne sie nicht sagen. Die Verhandlungen über die Zukunft von Haus und Gemeinde seien im vollen Gange. 

Pläne für die Zukunft

Sie müsse jetzt lernen, sich vom Bereich der Verpflichtungen zu lösen. Natürlich werde sie den Kontakt zur Gemeinde halten und sich irgendwann auch dort engagieren. Bis dahin hat sie sich vorgenommen, mehr Sport zu treiben, zu reisen, Veranstaltungen zu besuchen, sobald es möglich sein wird. Und dann hat sie noch einen weiteren Wunsch: „Ich möchte noch ein Instrument lernen“, verrät sie. Sie denke da an Klavier oder Altblockflöte.

Gabriele Dobratz wird am Pfingstsonntag, 31. Mai, um 9.30 Uhr im Gottesdienst in der Pauluskirche in Ahlen verabschiedet. Wer an der Messfeier teilnehmen möchte, muss sich zuvor im Gemeindebüro unter Telefon 02382/81350 anmelden, da aufgrund der Corona-Pandemie nur eine begrenzte Personenzahl in der Kirche Platz findet

Lesen Sie auch:

30.000 Euro für abgesagtes Dreingaufest

Betrunkener 19-Jähriger rastet in Biergarten aus - neue Details bekannt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare