Kein Kreisverkehr

Für mehr Sicherheit: Einspurigkeit an der Kreuzung K 21/L 671

Einspurig bis zur Haltelinie: An der unfallträchtigen Stoppkreuzung K 21/L 671 bei Mersch wurden Warnbaken und Leitschwellen aufgestellt.
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Einspurig bis zur Haltelinie: An der unfallträchtigen Stoppkreuzung K 21/L 671 bei Mersch wurden Warnbaken und Leitschwellen aufgestellt.

Es sieht aus wie eine geplante Baustelle, doch die rot-weißen Warnbaken auf der K 21 vor der unfallträchtigen Stoppkreuzung mit der Landesstraße 671 Richtung Mersch und Herbern sollen gar keine weiteren baulichen Veränderungen nach sich ziehen.

Drensteinfurt – Vielmehr hat der Landesbetrieb Straßen NRW auf der Kreisstraße mit den Warnbaken zusammen gelbe Fahrbahnbegrenzungen aufgestellt, sogenannte Leitschwellen, die die Straße so verengen – damit abbiegende und geradeaus fahrende Autofahrer nicht mehr nebeneinander in den Kreuzungsbereich einfahren können.

Nun heißt es, nacheinander am Stoppschild anzuhalten. Mit dieser Maßnahme hat sich der Kreis Warendorf zunächst mal für das mildeste Mittel entschieden, um den Kreuzungsbereich zu entschärfen, wie Kreissprecherin Kerstin Butz erklärt.

Fünf leichte Unfälle im Jahr 2020

Dass hier entschärft werden soll, entschied die Unfallkommission des Kreises, die sich im März ein Bild von den Gegebenheiten an der Kreuzung gemacht hatte. Nicht ohne Grund, denn im Jahr 2020 hatte es dort fünf Mal gekracht. Das Ordnungsamt der Stadt Drensteinfurt ist bei der Begehung dabei gewesen. Schnell wurde dabei deutlich, dass es eine Ampel oder einen Kreisverkehr, wie schon oft für diese Stelle gewünscht und gefordert, nicht geben wird.

„Dazu sind die Unfälle nicht schwer genug gewesen“, führt Bürgermeister Carsten Grawunder aus. „Glücklicherweise nicht“, schiebt er direkt hinterher und hofft, dass dort auch in Zukunft nichts Schlimmes passiert. Zur Erklärung: Die Unfallkommission bewertet in fünf Kategorien, die von Blech- und Bagatellschäden bis hin zu sehr schweren Unfällen reichen. Leichte Unfälle zählen dabei als Teil des Lebensrisikos, so heißt es in der Fachsprache, und sind nicht geeignet, die Leichtigkeit des Verkehrs einzuschränken.

Prävention von Unfällen auf Kreisstraße

Kerstin Butz erläutert, welche Unfälle sich 2020 an der Kreuzung ereignet haben: „Es gab zwei Auffahrunfälle und drei Zusammenstöße, weil Fahrer die Stoppschilder nicht beachtet haben. In der Folge wurden bei zwei Unfällen Menschen leicht verletzt, bei den drei anderen Unfällen ist es bei Sachschäden geblieben.“ Im Jahr davor habe es keinen Unfall gegeben, 2018 einen Auffahrunfall mit geringem Sachschaden.

Nun würde ein Kreisverkehr zwar den Verkehrsfluss nicht einschränken, räumt die Kreissprecherin ein. „Aber es ist eine wahnsinnig kostenintensive Maßnahme.“ Deshalb wolle man angesichts der Qualität der Unfälle erst mal mit milderen Mitteln versuchen, an der Kreuzung mehr Sicherheit zu schaffen.

Ein solches Mittel ist die Fahrbahnverengung der K 21 von Drensteinfurt kommend, glaubt Hubertus Ebbeskotte vom Landesbetrieb Straßen NRW, der für den Aufbau der Schwellen verantwortlich ist. „Wir haben an vergleichbaren Stellen gute Erfahrungen damit gemacht, Fahrzeuge einspurig in den Kreuzungsbereich zu führen, sodass sie sich nicht mehr nebeneinander aufstellen und gegenseitig die Sicht nehmen können“, erklärt er. Einen Erfolg kann er natürlich nicht garantieren, „aber es ist einen Versuch wert und steht zudem im Verhältnis“, fügt Hubertus Ebbeskotte hinzu, denn mit 2000 bis 3000 Fahrzeugen am Tag sei die Kreuzung nicht sehr belastet.

Kreisverkehr ist erstmal vom Tisch

Nötig ist diese Einspurigkeit auch nur auf der Seite von Drensteinfurt kommend, weil dort die Sicht eingeschränkt ist, wie der Experte von Straßen NRW erklärt. Er räumt ein, dass die Leitschwellen nebst Warnbaken etwas provisorisch aussehen, „aber letztendlich sind sie ja auch ein Provisorium“. Allerdings eines, das eine ganze Weile stehen bleiben soll, um Erfahrungen zu sammeln: „Wir reden da sicherlich von einem Jahr und länger.“

Drensteinfurts Bürgermeister bedauert, dass damit die Idee Kreisverkehr wieder vom Tisch ist. „Ein solcher wäre auch mit Blick auf den geplanten Radweg perfekt, der Drensteinfurt und Herbern mal verbinden soll“, sagt Carsten Grawunder. Mit dem Bau haben die Herberner bereits begonnen, in Drensteinfurt sei man in der Planung. „Einen Kreisverkehr könnten wir sinnvoll in die Überlegungen einbinden, bei dieser Lösung sehe ich keine Vorteile für Radfahrer.“

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