Kalt erwischt von Corona-Auflagen

Öffnungsverbot für Friseursalons: Schließung ist für Inhaber ein Dilemma

Andrea Bumann hat die Schließung ihres Friseursalons genauso unvorbereitet getroffen wie ihre Kollegen.
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Andrea Bumann hat die Schließung ihres Friseursalons genauso unvorbereitet getroffen wie ihre Kollegen.

Für die Friseure im Stadtgebiet gilt seit dem 20.März Öffnungsverbot. Damit gehören sie zu einer Berufsgruppe, die vom Coronavirus am meisten betroffen ist. Die Schließung kam für die Friseure im Stadtgebiet nicht unerwartet, aber vergleichsweise plötzlich.

Walstedde – „Am 19. März hat das Ordnungsamt angerufen und gesagt, dass ich ab morgen keine Kunden mehr bedienen darf“, erinnert sich Christoph Breer. Der Jungfriseur mit einem vollen Terminkalender versuchte zu retten, was zu retten war. Telefonierte mit Kunden, sagte Termine ab und schnitt bis nachts um 24 Uhr den Kunden die Haare, die eigentlich am Freitag kommen sollten und die es sich terminlich einrichten konnten.

„Für mich war das Dilemma, dass in anderen Städten wie Hamm und Düsseldorf am Freitag und Samstag noch gearbeitet werden durfte“, erklärte der Jungfriseur. Das sei für die Kunden schwer zu verstehen gewesen. Doch mit der Entscheidung hatte der Kreis Warendorf dem Bund vorgegriffen.

Nach Renovierung musste Salon geschlossen werden

Für den Friseurmeister, der seinen neuen Salon erst Mitte Januar nach umfangreicher Renovierung neu eröffnet hatte, kam die zwangsweise Schließung denkbar ungünstig. „Ich war gerade gutdurchgestartet, die viereinhalb Wochen ohne Arbeit und Einkommen fühlen sich nicht gut an“, gibt er zu.

Ostergeschäft blieb aus

Und gerade zu Ostern hätten viele Leute Zeit gehabt, zum Friseur zu gehen. Seine Hauptaufgabebestand zu Anfang darin, täglich Termine abzusagen, irgendwann sei das nicht mehr nötig gewesen, da wusste jeder Bescheid.

Für seine Angestellten habe er sofort Kurzarbeit beantragt und für seinen Betrieb die Soforthilfe des Bundes. „Das ging sensationell schnell“, lobt er. Am Freitag beantragt, habe er am Samstag die Zusage bekommen und am folgenden Donnerstag das Geld auf dem Kontogehabt.

Christoph Breer kann in seinem frisch renovierten Salon zurzeit niemanden frisieren.

Für ihn, der ein Unternehmen aufgebaut hat und viel Geld in die Hand nehmen musste, sei das eine große Hilfe gewesen, denn die Kredite und Zinsen müssen ja bezahlt werden. Das sei bei null Einnahmen fast unmöglich. „Wenn ich in dieser Situation etwas nicht gebrauchen kann, dann ist es ein weiterer Kredit“, sagt Breer deutlich.

Keine Aussichten auf frühere Öffnung

Zwischenzeitlich habe er versucht eine Sondergenehmigung für kleine Betriebe zu bekommen – was ihm aber, trotzt des Angebots erhöhter Hygienebedingungen, nicht gewährt wurde. „Mir war es wichtig, auf meine Situation aufmerksam zu machen“, gibt er zu.

Noch vor den Gesprächen zwischen Bund und Ländern am Mittwoch hatte er gehofft, dass Friseurgeschäfte wieder ab Montag öffnen dürften – und er sei so optimistisch gewesen, bereits den einen oder anderen Termin wieder anzunehmen. Daraus wird nun erst einmal bis zum 4. Mai nichts.

Trotz Corona positiv bleiben

Christoph Breer kann der Situation aber auch etwas Positives abgewinnen: „Ich verbringe viel mehr Zeit mit meinem 18 Monate alten Sohn.“ Gerade durch die arbeitsintensive Zeit der Renovierung und der Eröffnung sei dieser zu kurz gekommen.

Bumann ergriff vor Schließung Vorsichtsmaßnahmen

Friseurmeisterin Andrea Bumann traf die Schließung ihres Salons genauso unvorbereitet. Sie hatte zwar nicht verstanden, warum Kneipen und Restaurants schließen mussten, während Friseure weiterarbeiten durften und daraus eigene Schlüsse gezogen. „Ich habe anders als sonst nicht zwei, sondern immer nur einen Kunden im Laden bedient“, sagt sie. Auch sie habe am Donnerstag vor dem Öffnungsverbot noch einige Kunden vom Freitag bedient. „Es hat mich wie ein Blitz getroffen“, erinnert sie sich.

Ihren Kunden hat sie abgesagt, lediglich der Verkauf der Haarpflegeprodukte ist möglich. Den Antrag auf Coronahilfe habe sie gestellt, er sei aber noch nicht genehmigt worden.

Weniger Kunden, dafür geöffnete Salons

Natürlich laufen auch bei ihr die Kosten weiter, ihr Salon ist relativ neu, Handwerkskammer, Versicherung, Kredit müssen bezahlt werden. Sie profitiere jetzt davon, dass sie ihr wohl überlegtes monatliches Kostengerüst minimal gehalten habe. Sollte sie den Zuschuss bekommen, glaubt sie, noch einige Zeit über die Runden zukommen. Die radikale Schließung sei ihrer Meinung nach nicht nötig, man müsse aber die Kundenzahl reduzieren. „Die Leute wollen auch zum Friseur gehen“, resümiert Bumann.

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Weitere hilfreiche Informationen erhalten Sie unter www.kreis-warendorf.de. - WA

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