Künftig heißt sie Fleischerei Lackhoff

Fleischerei wird weitergeführt: Marita Zimmermeier und Geselle übernehmen Kottenstedde in Drensteinfurt

Neues Team für alteingessene Fleischerei: Marita Zimmermeier und Ioan Floroian (Mitte) führen sie als gleichberechtigte Partner weiter. Werner Kottenstedde, bisheriger Inhaber der Fleischerei in Drensteinfurt, wird vorläufig als Fleischermeister dort weiter arbeiten.
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Neues Team für Fleischerei: Zimmermeier und Floroian (Mitte) führen sie weiter. Kottenstedde, bisheriger Inhaber, wird vorläufig als Fleischermeister dort weiter arbeiten.

Seit 150 Jahren ist die Fleischerei an der Hammer Straße 15 in Drensteinfurt eine gute Adresse für hochwertige Fleisch- und Wurstwaren. Jetzt beunruhigte die Nachricht von der Schließung des Fleischerfachgeschäftes Kottenstedde die Drensteinfurter.

Drensteinfurt – Die Sorge, dass die einzige Metzgerei im Ort schließen wird, ist jedoch unbegründet. Die Metzgerei wird unter dem traditionsreichen Namen Lackhoff in gewohnter Qualität, aber unter neuer Geschäftsleitung weitergeführt.

Im Mai äußerte Werner Kottenstedde, seit 25 Jahren Inhaber des Fleischerfachgeschäftes, zum ersten Mal, dass er sich aus dem Geschäft zurückziehen wolle. Daraufhin suchte sein Geselle Ioan Floroian, der seit elf Jahren bei Kottenstedde arbeitet, nach einer Lösung, um den Betrieb zu erhalten. Alleine sah er keine Möglichkeit, so bat er Marita Zimmermeier um Hilfe. Deren Tante Gertrud Zimmermeier hatte in den Fünfzigerjahren in die Familie Lackhoff eingeheiratet. Nach dem Tod ihres Mannes 1986 führte sie den Betrieb bis 1995 alleine weiter.

Aufgabe des Familiengeschäfts keine Option

1995 verkaufte Gertrud Zimmermeier die Fleischerei an Werner Kottenstedde. Das Gebäude vererbte sie nach ihrem Tod ihrem Neffen Bernd Zimmermeier, dem Bruder von Marita Zimmermeier.

„Ich konnte das Geschäft unserer Familie nicht einfach aufgeben“, erklärte Marita Zimmermeier. Doch zuerst musste sie sich darüber klar werden, ob sie sich die Verwaltung, den Einkauf, die Organisation und den Verkauf zutraute. Als gelernte Lebensmittelverkäuferin und Bankkauffrau bringt sie die nötigen Voraussetzungen mit. „Lebensmittel waren immer meine Passion“, gibt sie zu.

Ein besonderes Schlachtrecht

So besprach sie sich mit ihrem Bruder Bernd, der ihr die Räumlichkeiten vermieten würde und mit Ioan Floroian, ob er mit ihr als gleichberechtigter Partner das Geschäft führen wollte. Als sie die Zusage des 44-Jährigen hatte, nahm sie Kontakt zur Handwerkskammer auf, die den Prozess sehr positiv begleitet habe.

„Die Handwerkskammer hat Interesse daran, solche Betriebe zu erhalten“, erklärte sie. Immerhin verfügt die Fleischerei Lackhoff seit 1885 bis heute über das Schlachtrecht.

„Das Schlachtrecht für unsere Betriebsgröße ist etwas Besonderes, das haben nur ganz wenige Betriebe“, informiert Marita Zimmermeier.

Geselle Ioan Floroian kann auch schlachten

Mit Floroian hat sie einen gleichberechtigten Partner im Geschäft, der sein Handwerk auch versteht. Das versichert auch Werner Kottenstedde. „Viele können nicht schlachten, aber Ioan kann es“, sagt er anerkennend.

Marita Zimmermeier und Ioan Floroian möchten in ihrem Laden weiterhin auf Regionalität und Qualität achten. Sie werden die guten Adressen ihres Vorgängers übernehmen und erweitern. „Ich habe schon eine Anfrage von einem örtlichen Landwirt“, berichtet Zimmermeier.

Die Fleischerei bleibt, der Name wird ausgetauscht. Künftig wird sie unter dem Namen Lackhoff fortgeführt.

Altbewährtes und Inovationen

An der Theke werden weiterhin alt bewährte Produkte nach den Lackhoffschen Rezepten verkauft. Beide möchten dem Geschäft aber auch einen modernen Anstrich geben. So soll es Roastbeef und das besonders hochwertige Rindfleisch „Dry Aged“ geben. „Wir haben viele Ideen, die wir nach und nach umsetzen werden“, versichert die Drensteinfurterin. Sie denken da zum Beispiel an Fertiggerichte in Gläsern, eine Roulade im Weckglas und andere Spezialitäten.

Das komplette sechsköpfige Verkaufsteam wird sie übernehmen. Auch Werner Kottenstedde wird vorläufig als Fleischermeister bei ihr arbeiten. „Das war mir wichtig, dass die Fleischerei als Arbeitsstätte erhalten bleibt“, macht sie deutlich.

Zuversichtlicher Blick in die Zukunft

Noch arbeitet die Drensteinfurterin als Buchhalterin, doch ihren Job hat sie gekündigt, sodass sie sich ab Oktober ganz dem Laden widmen kann. Marita Zimmermeier und Ioan Floroian sind zuversichtlich, dass das Geschäft gut laufen wird, denn beide sind sich sicher: „Die Stewwerter wissen gute Qualität zu schätzen.“

Obwohl seit 25 Jahren Kottenstedde über dem Ladenlokal steht, sprechen Alteingesessene noch immer von der Fleischerei Lackhoff. Mit der Neueröffnung Anfang November soll der Laden unter dem altbekannten Namen und mit der neuen Führung an den Start gehen. „Wir werden dann eine kleine Corona-angepasste Eröffnungsfeier ausrichten“, informiert Marita Zimmermeier. „Danach steigen wir sofort in die verkaufsintensivsten Monate ein“, sagt die 57-Jährige.

Weil es schon jetzt wegen Corona oft Schlangen vor dem Laden gibt, sei ihr die Idee gekommen, zum Weihnachtsgeschäft einen Lieferservice anzubieten, von dem besonders ältere Menschen profitieren sollen.

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