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Zwei Jahre nach der Betriebsübernahme: Fleischerei Lackhoff geschlossen

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Von: Mechthild Wiesrecker

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Ist geschlossen: die Fleischerei Lackhoff in Drensteinfurt.
Ist geschlossen: die Fleischerei Lackhoff in Drensteinfurt. © Wiesrecker

Im November 2020 sollte die Fleischerei Kottenstedde geschlossen werden. Damals übernahm Marita Zimmermeier den Betrieb, um das Fleischerfachgeschäft mit Schlachtrecht für Drensteinfurt zu erhalten. Nun, keine zwei Jahre später, ist die Fleischerei insolvent – und bereits seit Samstag geschlossen.

Drensteinfurt – Marita Zimmermeier ist der Schritt nicht leichtgefallen. Als sie vor zwei Jahren ihren sicheren Job gekündigt hatte, um den Weg in die Selbstständigkeit zu wählen, war sie voller Optimismus. Dass es nicht leicht werden würde, war ihr klar, aber sie wollte das Geschäft ihrer Familie nicht einfach aufgeben. Wohl überlegt und mit guten Plänen, übernahm sie den Betrieb. Damals konnte sie nicht wissen, welche Veränderungen nur wenige Monate später ins Haus standen. Konkret spricht sie die enormen Preissteigerungen im Lebensmittelbereich an, die sie auch im Einkauf erlebte.

14 Tage nach Beginn des Ukraine-Krieges seien drastische Umsatzrückgänge dazugekommen. Im Mai hatte sich die Lage derart zugespitzt, dass Zimmermeier wusste: Es geht nicht mehr. „Ich habe ein junges Unternehmen, besitze kein riesiges Kapital und dann stehen noch Reparaturen und Investitionen an“, erklärt sie sachlich. Sie habe schlicht keinen anderen Ausweg gesehen als Insolvenz anzumelden.

Entscheidung nicht bereut

Um die Zukunft ihres Personals brauche sie sich keine Sorgen machen. „Es wird Personal gesucht“, versichert sie. Sie selbst habe für die Produktion einen neuen Gesellen einstellen wollen und nicht gefunden. Daher sei sie sicher, dass ihre Angestellten problemlos neue Arbeitsstellen finden werden. Der Fachkräftemangel mache sich auch in der Fleischbranche bemerkbar. Zimmermeier werde wieder arbeiten gehen, um die Schulden abzuarbeiten, da sie auch mit ihrem Privatvermögen hafte. Ihre damalige Entscheidung bereue sie aber nicht. „Ich habe es mit Herzblut gemacht und auch viele Erfahrungen gesammelt“, sagt sie. Dann fügt sie kritisch hinzu: „Vielleicht aber zu wenig umgestellt.“

Hätte ich es vor zwei Jahren nicht gemacht, wäre die Fleischerei schon damals geschlossen worden.

Marita Zimmermeier

Einen möglichen Nachfolger gibt es nicht. „Hätte ich es vor zwei Jahren nicht gemacht, wäre die Fleischerei schon damals geschlossen worden“, sagt sie. Man finde keinen, der die Verantwortung übernehmen möchte. Im Prinzip habe sie den Drensteinfurtern fast zwei Jahre die Fleischerei erhalten, tröstet sie sich. „Ich habe mich bis zum Schluss selbst hinter die Theke gestellt, aber es ist mir nicht leichtgefallen.“

Selbst hinter der Theke gestanden

Mit den Preisen der Discounter könne sie nicht mithalten, sie könne auch nicht die Preise der Industrie zahlen. Für das Schlachtvieh bezahle sie im Moment an der Börse 30 bis 40 Prozent mehr. Sie selbst habe sich besonders in den vergangenen Monaten über die Maßen eingebracht, auch immer selbst hinter der Theke gestanden. Wenn sie demnächst 40 Stunden arbeiten gehe, sei das die Hälfte dessen, was sie zuletzt gearbeitet habe.

„Mir war sehr wichtig, dass meine Angestellten immer bezahlt wurden“, erklärt sie. Froh sei sie, dass ihr Personal Insolvenzausfallgeld erhält. Bei ihrem Insolvenzverwalter sei sie auf viel Verständnis für ihre Situation gestoßen. „Er attestierte mir eine große Weitsichtigkeit“, sagt Zimmermeier. Sie sei zwar eine der Ersten gewesen, die diesen Schritt gegangen ist, aber, so habe der Insolvenzverwalter prognostiziert, die große Welle komme noch.

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