Online-Unterricht scheitert oft an technischen Voraussetzungen

In Fahrschulen stehen die Räder still: Online-Unterricht als einzige Alternative in Zeiten von Corona

Carsten Nillies macht Zwangspause. Für den Online-Unterricht fehlen ihm die technischen Voraussetzungen.
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Carsten Nillies macht Zwangspause. Für den Online-Unterricht fehlen ihm die technischen Voraussetzungen.

Viele Branchen sind von der Corona-Pandemie betroffen. Die eine mehr, die andere weniger. Während etliche Restaurants und Imbissbuden jetzt auf Abhol- und Lieferservice setzen, haben Fahrschulen kaum Möglichkeiten, ihre Dienste anzubieten. Sie mussten mit Beginn der verschärften Anordnungen ihren Betrieb einstellen.

Walstedde/Drensteinfurt – Unterschiedlich gehen Carsten Nillies, der neben seiner Fahrschule in Walstedde noch zwei weitere Filialen in Hamm betreibt, und Raphael Morsmann, Inhaber der Fahrschule „Academy“ in Drensteinfurt, damit um.

Nillies bleiben im Moment bei null Einnahmen lediglich die immens hohen monatlich laufenden Kosten. In den Fahrschulräumen gibt es keinen theoretischen und praktischen Unterricht mehr, sämtliche Prüfungen wurden kurzfristig vom TÜV abgesagt.

Fahrschüler zeigen Verständnis

„Wir dürfen seit dem Erlass vom 17. März eigentlich gar nichts mehr machen“, sagt Nillies. Probleme mit den Fahrschülern habe er nicht gehabt: „Die hatten zum Glück alle ein Einsehen.“ Zwar kämen immer mal wieder Nachfragen, wann es endlich weitergeht, aber die muss Nillies bis nach dem 20. April vertrösten, denn erst dann will die Bundesregierung neu entscheiden.

Onlineangebote scheitern an mangelnder Technik

Mittlerweile habe der Kreis Warendorf die Erlaubnis erteilt, den Theorieunterricht auch online durchzuführen. „Die Auflagen dafür sind hoch“, macht er deutlich. Der Unterricht muss von der Fahrschule aus stattfinden, die Schüler müssen sich einwählen und der Fahrlehrer sicher nachhalten, dass die Fahrschüler auch wirklich dabei sind. Wenige Fahrschulen nutzten die Möglichkeit, denn ihnen fehle – wie Carsten Nillies – die dazu nötige technische Ausrüstung.

Acht Leasingfahrzeuge plus Motorräder stehen jetzt still. Seine sieben Angestellten hat er in Kurzarbeit geschickt. „Ich habe ein super Team, das viel Verständnis für die Situation hat“, erklärt er dankbar.

Finanzielle Unterstützung

40.000 Euro, inklusive Gehältern, betragen seine laufenden Kosten monatlich. Da erscheinen die bereits gewährten und auch ausgezahlten Fördermittel des Bundes in Höhe von 15.000 Euro wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Zwar würde ihm die BMW-Bank die Leasingkosten stunden, aber damit sei ihm ja nicht geholfen.

Auch die Vermieter akzeptierten eine spätere Zahlung; davon will Nillies aber keinen Gebrauch machen. „Das muss ich ja über Monate zurückzahlen“, macht er deutlich. Gleiches gilt für einen möglichen Bank-Kredit. Zwei bis drei Monate komme er über die Runden, aber er hoffe sehr, im Mai wieder durchstarten zu können.

Fahrschule als private Bildungsstätte

So ganz gerecht findet Nillies die Anordnung nicht, schließlich dürften Taxifahrer ja auch fahren. Rein rechtlich falle die Fahrschule aber unter „private Bildungsstätten“, und die seien nun mal zu schließen. „Gleichberechtigung und Gleichbehandlung ist das nicht“, findet er.

Wenn es dann wieder weitergeht, weiß er noch nicht, ob es vielleicht besondere Auflagen geben wird – zum Beispiel ein Mundschutz im Auto oder der vermehrte Einsatz von Desinfektionsmitteln.

Zeit sinnvoll nutzen

Carsten Nillies bleibt bis jetzt pragmatisch: „Wir müssen das wohl aussitzen.“ Jetzt nutze er die Zeit, mal runterzukommen. Die liegen gebliebenen Arbeiten habe er erledigt, er versuche seinen Rhythmus beizubehalten und beschäftige sich bei dem schönen Wetter mit Gartenarbeit. Die Ruhe nutze er auch, um Überlegungen anzustellen, wie er seine Fahrschulen künftig für seine Fahrschüler weiter optimieren kann.

Digitaler Unterricht bei Morsmann

Für Raphael Morsmann war besonders ärgerlich, dass elf seiner Schüler nur fünf Tage später Prüfung gehabt hätten. Natürlich sind auch er und seine Fahrlehrer vom Verbot des persönlichen Unterrichts betroffen. Der Drensteinfurter hat sich aber dazu entschlossen, seine Schüler online zu unterrichten. Seit dem 3.April hat der Kreis Warendorf die Erlaubnis für den Onlineunterricht erteilt. „Ich habe mich immer dagegen gewehrt, aber in der Krise hat sich der Online-Unterricht bewährt“, sagt er. 21 Fahrschüler nutzen das Angebot.

Raphael Morsmann gibt theoretischen Fahrschulunterricht per Internet in seiner Filiale in Münster.

Der digitale Unterricht für seine vier Filialen in Drensteinfurt, Rinkerode, Albersloh und Münster findet im Schulungsraum in Münster statt. Der Fahrlehrer könne jeden Schüler auf dem Bildschirm sehen. „Das funktioniert total gut“, begeistert er sich. Positives Feedback komme auch von den Eltern, die sich ausdrücklich dafür bedankt hätten. Natürlich könne so keine Prüfung stattfinden, aber die Schüler könnten die Zeit bis zur Normalität sinnvoll nutzen.

Hoffnungen auf baldiges Corona-Ende

Raphael Morsmann hofft, dass die Verbote bald gelockert werden. Bis Mai sieht er es noch gelassen, dann werde es immer schwieriger, ohne Einnahmen alle laufenden Kosten zu begleichen.

Branchenspezifische Exit-Strategien

Hoffnung macht der Bundesverband deutscher Fahrschulunternehmen (BDFU). Dieser hat sich bereits Gedanken über branchenspezifische Exit-Strategien gemacht. So soll gewährleistet werden, dass eine mögliche Ansteckung durch zu viel Kontakt verhindert wird, sollte es zu einer Lockerung der Verbote kommen. Dazu gehören verstärkte Desinfektion und das Ausschalten der Klimaanlage. Motorradfahrer sollten, so die Empfehlung des Bundesverbandes, einen eigenen Helm, Handschuhe und Schutzkleidung mitbringen.

Weniger Gefahr sieht der BDFU aufgrund der Größe der Fahrzeuge beider Ausbildung von Bus- und Lastkraftwagenfahrern.

Weitere hilfreiche Informationen erhalten Sie unter www.kreis-warendorf.de.

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