Fahrlehrer Nordt erläutert sein Vorgehen im Streit mit dem Schlossbistro

Kneipengäste direkt neben dem Bett

Arbeitet in unmittelbarer Nähe des Schlossbistros: Fahrlehrer Wolfgang Nordt am Schreibtisch vor dem Schulungsraum. Direkt hinter der Eingangstür zur Fahrschule stehen die ersten Tische des Schlossbistros.
+
Arbeitet in unmittelbarer Nähe des Schlossbistros: Fahrlehrer Wolfgang Nordt am Schreibtisch vor dem Schulungsraum. Direkt hinter der Eingangstür zur Fahrschule stehen die ersten Tische des Schlossbistros.

Wolfgang Nordt, Besitzer der gleichnamigen Fahrschule, wohnt und arbeitet im Haus angrenzend an das Schlossbistro. Nur vier Meter entfernt von seinem Bett steht im Biergarten der erste Tisch. Ein Lärmschutz existiert nicht. Von seinem Schlaf- und Arbeitszimmer aus hört er sogar in normaler Lautstärke geführte Gespräche, trotz geschlossener Fenster. Sitzen dort 60 Leute, ist an Schlafen und Arbeiten nicht zu denken.

Drensteinfurt - Neun Jahre haben Wolfgang Nordt und Ulla Klimas, die Pächterin des Schlossbistros, einen Kompromiss gefunden. „Ich habe den Geräuschpegel bis 22 Uhr unter der Woche und bis 23 Uhr am Freitag und Samstagabend toleriert“, berichtet Wolfgang Nordt. Natürlich habe das, je nach Besucherzahl des Biergartens, gestört. Leider auch während des theoretischen Fahrunterrichtes. „Ich bin aber selbst gerne mal ins Schlossbistro gegangen, und die Location ist wichtig für Drensteinfurt“, erklärt er. Zudem sei er in Stewwert geboren, sein Großvater sei hier Lehrer gewesen, dazu Mitglied im Sparkassenvorstand und beim MGV. „Ich bin mit der Stadt verwurzelt“, fügt er an.

Als im Schlossbistro die Öffnungszeiten von 22 Uhr auf 24 Uhr ausgedehnt wurden, habe er die Pächterin mehrfach gebeten, sich an den vereinbarten Kompromiss bis 22 Uhr zu halten. Von ihr habe er dann die Information erhalten, sie dürfe jetzt bis 24 Uhr öffnen, sagt Nordt.

„Das konnte und wollte ich so nicht akzeptieren, zumal sich das Schlossbistro immer mehr zur Party-Location entwickelt hat“, erklärt er und führt aus: „Ich muss um 6 Uhr morgens aufstehen, da geht ein Betrieb bis 0 Uhr nicht.“ Es sei verständlich, dass es Ausnahmen geben könne – etwa beim Schützenfest oder bei einem EM-Spiel der deutschen Nationalelf.

Er habe, nachdem die Pächterin nicht reagierte habe, am 13. Juni ein Schreiben an die Stadt verfasst mit der Bitte, die Pächterin auf den Betrieb bis 22 Uhr hinzuweisen. Nach 14 Tagen ohne Reaktion seitens der Stadt habe er auf Nachfrage erfahren, dass man am Thema dran sei, teilt der Fahrschullehrer mit. Am 28. Juni wies er der Stadt darauf hin, einen Anwalt einzuschalten, sollte nichts unternommen werden.

Stadt reagierte erst auf Anwalt

Am 7. Juli setzte er seine Ankündigung in die Tat um. Erst nachdem der Anwalt ins Spiel kam, habe die Stadt reagiert. „Ein echtes Interesse an Klärung der Angelegenheit sieht anders aus“, findet Nordt.

Nachdem trotz des Schreibens des Anwalts der Betrieb bis 24 Uhr weiterging, habe sein Anwalt am 15. Juli am Verwaltungsgericht per Eilantrag Klage eingelegt. Die Prüfung des Bauantrags sei am Gericht obligatorisch. Dabei habe sich herausgestellt, dass das Bistro ausschließlich bis 22 Uhr betrieben werden dürfe – das betreffe sowohl die Außen- als auch Innengastronomie. Warum sogar die Innengastronomie betroffen sei, könne er nur erahnen. „Vermutlich wegen des fehlenden Lärmschutzes und der Nähe zum Wohnhaus“, spekuliert er.

Shitstorm und Hausverbot in drei Kneipen

Nachdem die Pächterin des Bistros in den sozialen Medien veröffentlicht hat, dass sie unter diesen Umständen das Bistro nicht mehr weiter betreiben könne, habe sich ein gewaltiger Shitstorm gegen ihn entwickelt, die drei übrigen Kneipen im Ort hätten ihm sogar Hausverbot erteilt.

Verstehen könne er das nicht. Schließlich habe der Kompromiss lange Zeit funktioniert. Ihn habe auch nicht der Betrieb im Inneren des Lokals nach 22 Uhr gestört. „Es war für mich auch in Ordnung, wenn Gäste draußen vor dem Bistro nach 22 Uhr bedient werden“, stellt er klar. Nur direkt vor seinem Schlafzimmer, da wollte er ab 22 Uhr Ruhe haben.

„Die Leute kommen hier hin, verbringen schöne Stunden, dann gehen sie nach Hause, um dort in Ruhe zu schlafen. Wenn dann ein Nachbar etwas länger Party macht und dabei laut ist, wird die Polizei gerufen“, sagt er.

Direkt nebeneinander: das Schlossbistro und Fahrschule Nordt. Hinter den Fenstern mit der Werbung der Fahrschule und den roten Rollos ist das Schlafzimmer des Fahrlehrers. Auch sein Arbeitsschreibtisch steht in dem Raum.

Die Fahrschule Nordt gibt es am Standort seit 1962. „Ich möchte meine Fahrschule auf keinen Fall aufgeben“, sagt er kategorisch. Ursprünglich stand an der Stelle des Schlossbistros das alte Wagenfeldhaus. Später wurde ein neues Gebäude gebaut und ein Blumenladen eröffnet, der dann zum Café umfunktioniert wurde. Das Bistro sei erst 2000 gekommen.

Lösungsvorschlag für Außengastronomie

Abschließend versichert Nordt: „Ich wollte nicht, dass das vor Gericht endet.“ Er habe eigentlich immer ein gutes Verhältnis mit der Pächterin gehabt, und natürlich soll der Ort dank guter Lokale attraktiv bleiben. Er sehe auch schon eine Lösung, die er bereits mit der Stadt kommuniziert habe: „Die Außengastronomie kann auf dem Platz vor der Alten Post verlegt werden, denn dort ist der Abstand zu den Wohngebäuden größer.“ Außerdem, so berichtet er, sei Außengastronomie dort zu Zeiten des „Amigos“ auch möglich gewesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare