Evangelen

Walstedder Gemeinde verkauft Paul-Gerhardt-Haus 

Die ehemalige Küsterin Gabriele Dobratz und Presbyterin Helga Hintzke-Hartwig stehen am alten Taufbecken
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Bekannte Gesichter: Die ehemalige Küsterin Gabriele Dobratz (links) und Presbyterin Helga Hintzke-Hartwig stehen am alten Taufbecken, das noch aus der ehemaligen Kreuzkirche in Bockum-Hövel stammt.

Walstedde – Die evangelische Kirchengemeinde etablierte sich in Walstedde erst nach 1945, als die Spätaussiedler dort Fuß fassten. Bis dahin war der Ort „deutlich katholisch“, wie am Donnerstagabend in der Gemeindeversammlung festgestellt wurde. Diese fand Corona-bedingt via Zoom statt und hatte nur ein Thema: die bevorstehende Entwidmung des Paul-Gerhardt-Hauses.

Die Diasporagemeinde hatte lange keinen festen Ort, Gottesdienste fanden beispielsweise in der katholischen Schule statt, Konfirmationen in Bockum-Hövel. Mit diesem Wissen lässt sich nachempfinden, wie die evangelischen Christen in Walstedde sich fühlten, als 1985 – nach zehnjähriger Planungs- und Bauzeit – das Paul-Gerhardt-Haus eröffnet wurde: Die Gemeinde bekam eine Heimat. Nach mehr als 35 Jahren hat das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Ahlen, der die Walstedder seit 2007 angehören, den Verkauf des Hauses an die Stadt Drensteinfurt beschlossen.

Unerwartet kommt die Nachricht nicht, vor zwei Jahren stand schon einmal im Raum, das Gebäude an die Stadt zu vermieten. Ein Mietverhältnis kam nicht zustande, aber das Presbyterium hatte anklingen lassen, dass über die Zukunft des Hauses entschieden werde, wenn Küsterin Gabriele Dobratz in Rente gehe. Das tat sie Mitte des vergangenen Jahres, im Oktober ist sie schließlich aus der Küsterwohnung ausgezogen, die Bestandteil des Gemeindehauses ist. Im Dezember fiel der Beschluss, das Paul-Gerhardt-Haus an die Stadt zu verkaufen.

Entscheidung auf virtueller Gemeindeversammlung

„Diese traurige Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht“, erklärte Markus Möhl zu Beginn der virtuellen Versammlung. Ausführlich hatte der Presbyteriumsvorsitzende die Walstedder Gemeindeglieder in einem Brief über die Entwicklungen und die Hintergründe des Verkaufs informiert. „Die Bewirtschaftung des Gebäudes und des Grundstücks rechnet sich überhaupt nicht mehr“, sagt Helga Hintzke-Hartwig nicht ohne Bedauern. Die Presbyterin im 13. Jahr hat gerade ihre vierte Amtszeit angetreten und viele Stunden in dem Haus verbracht. Sie räumt aber auch ein: „Das aktive Gemeindeleben hat stark nachgelassen.“ 20 bis 30 Gottesdienstbesucher kamen zuletzt zusammen, und zwei Senioren-Gruppen trafen sich noch dort, bis Corona kam.

„Dass nicht viele an der Gemeindeversammlung teilnahmen, sagt ja auch etwas darüber aus, wie klein die Kerngemeinde geworden ist“, stellt die Presbyterin fest. Keine 20 Gemeindeglieder schalteten sich in die Zoom-Konferenz. Alle waren gefasst und sachlich, wenn auch großes Bedauern herrschte.

Als Käufer steht die Stadt Drensteinfurt in den Startlöchern, die mit der Lambertus-Grundschule nach Alternativräumen für die Mensa sucht. Die politischen Beschlüsse für den Kauf seien gefasst, bestätigte Bürgermeister Carsten Grawunder. Da der evangelischen Gemeinde an einer Werterhaltung liegt, werde kein Geld fließen, die Stadt tauscht das Haus gegen Baugrundstücke am Kerkpatt. Wenn die Verträge geschlossen sind, soll ein Planer herausfinden, welche Nutzung möglich sein wird – und welcher Um- oder Anbaumaßnahmen es dazu bedarf. Der Bürgermeister will den Planungen nicht vorgreifen, aber persönlich sei ihm natürlich daran gelegen, den Walsteddern die Räume weiterhin zur Verfügung stellen zu können: „Am besten wäre eine Lösung, die viele Nutzungen ermöglicht.“

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