Alternative für Trichter

Erfindung aus Walstedde: Kleck-Leckschutz statt Trichter für Hunde

Klaudia und Manuel Hennenberg zeigen die neue Erfindung
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Zwei Stangen mit großer Wirkung: Der „Kleck-Leckschutz“ sorgt dafür, dass Hunde sich nicht nach hinten drehen können, um an Wunden zu lecken. Klaudia Hennenberg aus Walstedde hatte die Idee zur Alternative für den sonst vom Tierarzt verordneten Trichter, Sohn Manuel Hennenberg half bei der Vermarktung und Beantragung des Patents. Schäferhund Milo fühlt sich trotz des Geschirrs pudelwohl.

Walstedde – Fast jeder Hundebesitzer kennt das Problem: Muss der Hund nach einer Verletzung oder Entzündung einen Trichter um den Hals tragen, um am Lecken gehindert zu werden, wird es anstrengend. Jetzt gibt es eine neue Erfindung dazu aus Walstedde.

Der kranke Hund stößt überall an, er sieht und hört nicht richtig, ist nervös und unruhig. Es dauert nicht lange, und auch die Nerven seiner Besitzer liegen blank. So erging es Klaudia Hennenberg vor drei Jahren mit ihrem Schäferhund Diego. Aus der Not heraus kam ihr eine Idee – die schließlich in einem Patent für ein geniales Produkt endete: dem Kleck-Leckschutz, einer Trichter-Alternative für Hunde aller Rassen.

Mit zehn Jahren litt Familienhund Diego unter ständig wiederkehrenden Analdrüsenverstopfungen. Um Lecken und Beißen und die damit verbundene Entzündung zu verhindern, verordnete der Tierarzt den obligatorischen Trichter. Um den Hals gebunden erfüllt er seinen Zweck, bereitet aber Mensch und Tier großen Stress. Diego war davon so wenig begeistert, dass er den Trichter nach wenigen Minuten sogar kaputt biss.

„Ich musste mir etwas einfallen lassen“, erinnert sich Klaudia Hennenberg. Als Masseurin, medizinische Bademeisterin, ausgebildete Floristin und seit 30 Jahren in der Landwirtschaft tätig, war sie schon immer vielseitig unterwegs. Die Lösung sah sie in zwei seitlichen Stöcken, die den Hund daran hindern sollten, sich nach hinten zu drehen. Die praktische Umsetzung überließ sie ihrem Mann Ludger Hennenberg. Obwohl er nicht an den Erfolg glaubte, bastelte er aus zwei Zeltstangen und einem Rollladengurt ein provisorisches Geschirr. Doch schon diese einfache Konstruktion funktionierte – und beflügelte die Walstedderin, das Provisorium zu verbessern.

Der Rollladengurt im Kopf- und Rumpfbereich wich einem verstellbaren, reißfesten Band mit Klickverschluss, die Zeltstangen wurden durch Aluminiumschienen ersetzt, die mit Schrauben in der Länge verstellbar sind. „Ich habe mich für Aluminium entschieden, weil es haltbar ist und wenig wiegt“, erklärt Klaudia Hennenberg. Die Stangen sollten aber ummantelt werden, damit sie für den Hund angenehm zu tragen sind. Die Wahl des Stoffes erwies sich als Herausforderung. Er sollte abwaschbar, waschmaschinenfest, dehnbar und weich sein. Neopren erfüllte alle Voraussetzungen, die von ihr gewünschte Qualität war aber nur in Italien zu bekommen. Nach etlichen Telefongesprächen fand sie eine Näherei in Gescher, die bereit war, die Ummantelung zu nähen.

Weil Klaudia Hennenberg für ihren Hund das Optimum wollte, zog sie zusätzlich die Tierklinik in Gescher zurate. Gemeinsam mit den Tierärzten überlegte sie, wie das Geschirr aus tierärztlicher Sicht optimiert werden konnte. Der so fertiggestellte Leckschutz wurde einige Wochen in der Tierklinik erprobt und für gut befunden. „Ich habe damals sehr viel Zuspruch aus meinem Bekanntenkreis bekommen“, erzählt die 56-Jährige.

17 Seiten für den Patentantrag

Ein Freund brachte sie schließlich dazu, den Leckschutz als Patent anzumelden. Und ihre Familie half bei diesem Vorhaben: Sohn Manuel, der seine Mutter mittlerweile beim Projekt Leckschutz unterstützt, gab ihr den Rat, einen Anwalt zu beauftragen. Am Ende umfasste die Patentbeantragung 17 Seiten. „Und das für zwei Stangen und zwei Gurte“, stellt der 25-Jährige fest und ergänzt schmunzelnd: „Jetzt weiß ich auch, dass ein Loch ein Nichts mit einem Rand ist.“

Billig sei die Patentbeantragung nicht gewesen, gut 6000 Euro musste Familie Hennenberg investieren. Die Urkunde für den Gebrauchsmusterschutz haben die Neu-Unternehmer bereits erhalten, mit dem Patent rechnen sie im März. Gesichert ist auch der Name „Kleck-Leckschutz“.

Manuel Hennenberg, gelernter Kfz-Meister, wäre eigentlich gar nicht so involviert. Er hatte eine Weltreise geplant, die Visa für Australien, Neuseeland und Südamerika schon in der Tasche. Malaysia, die Philippinen, Borneo und Vietnam hatte er besucht, „dann kam Corona“. Er verschob den Rest der Weltreise und stieg stattdessen ins Projekt Kleck-Leckschutz ein.

Drei Jahre bis zum fertigen Produkt

„Manuel hat mir sehr geholfen und die Sache vorangebracht“, sagt Klaudia Hennenberg. So kümmerte sich der junge Mann um den Einkauf der Materialien, den Zusammenbau des Geschirrs und den Vertrieb. Er erstellte einen Online-Shop, inserierte die Trichter-Alternative bei Amazon und Ebay und kümmerte sich um Kontakte zu Tierzeitschriften, um das Produkt bekannt zu machen.

Gut drei Jahre sind von der Idee bis zum fertigen Produkt vergangen. Heute bietet Klaudia Hennenberg ihr Geschirr in drei Größen und für jeden Hund individuell anpassbar an. Um zu zeigen, wie schnell und unkompliziert das Geschirr angelegt werden kann, muss im Beispiel-Video Schäferhund Milo herhalten. Mit wenigen Handgriffen sitzt das Geschirr. Milo zeigt sich unbeeindruckt, springt herum, legt sich auf die Seite und fühlt sich offensichtlich pudelwohl.

Der Kleck-Leck-Schutz schützt bei Wunden und Entzündungen im Rumpfbereich, im Hüftbereich und am hinteren Rücken, unter anderem auch bei Kastrationen. Für Wunden an den Pfoten oder im Brustbereich bleibt der Trichter die einzige Möglichkeit. Vielleicht bekommt die clevere Hausfrau ja auch dafür noch eine gute Idee.

Internet
Mehr Information gibt es auf der Homepage www.kleck-leckschutz.de

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