Üben auch mal unterm Pavillon

Einzeln und in Gruppen: Schüler bis 18 Jahre dürfen wieder zum Musikunterricht

Mit Abstand, Maske und Desinfektionsmittel – so sieht derzeit Geigenunterricht auch für Sophia Krebs aus.
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Mit Abstand, Maske und Desinfektionsmittel – so sieht derzeit Geigenunterricht auch für Sophia Krebs aus.

„Musik hat eine verbindende Wirkung“, sagt Holger Blüder. Während der Pandemie kann allerdings auch der Leiter der Schule für Musik im Kreis Warendorf die Menschen nicht zusammenbringen.

Drensteinfurt – Immer wieder landen Lehrer und Schüler Corona-bedingt vor Kamera und Mikrofon, um den Unterricht zumindest auf Distanz aufrecht zu erhalten – jetzt gerade freuen sich alle erneut über sinkende Inzidenzen im Kreis und damit verbundene Lockerungen.

Immerhin dürfen die Musiklehrerinnen und Lehrer nun – je nach räumlicher Gegebenheit – bis zu fünf Schüler um sich scharen, unter freiem Himmel bis zu 20. „Damit können zumindest die kleinen Gruppen und Ensembles wieder gemeinsam musizieren“, beschreibt Holger Blüder. „Endlich, denn nach so langer Zeit sehnt sich jeder nach dem Präsenzunterricht.“

Noch kein Unterricht für Erwachsene

Der Einzelunterricht ist ebenfalls sehr viel besser zu gestalten, wenn Lehrer und Schüler in einem Raum sitzen, erläutert Regionalleiter Andreas Klingel. Seine Erfahrungen als Geigenlehrer: „Digital zu unterrichten bedeutet zum Beispiel, dass ich auf Details erst reagieren kann, wenn der Schüler zu Ende gespielt hat. Das ist teilweise sehr anstrengend.“ Dennoch schätzt er sich noch glücklich, da die Einzelstunden für die Geiger meist nur kurze Zeit vom Lockdown betroffen waren, die Bläser und Sänger durften sehr viel länger nicht zum Unterricht in die Räume des Kulturbahnhofs kommen.

Nun sind sie alle wieder vor Ort – mit einer Ausnahme: „Der Erwachsenenunterricht darf nach wie vor nicht stattfinden.“ Für Musikschulleiter Blüder ist das schwer zu verstehen. „Wir hatten darauf gehofft, dass diese Einschränkung ebenfalls aufgehoben wird, doch nur die Schüler bis 18 Jahre dürfen zum Präsenzunterricht zurückkehren.“ Er hofft, dass auch dieser Passus bald aus der Coronaschutzverordnung gestrichen wird.

Digitaler statt persönlicher Musikunterricht

Im Oktober 2020 hat die Musikschule rund 300 Schüler weniger gezählt als im Jahr davor, berichtet Holger Blüder. „Das ist schmerzlich, aber auch verständlich, denn insbesondere für die jüngeren Schüler sowie für Anfänger ist digitaler Unterricht schwierig bis unmöglich.“ Er ist zuversichtlich, dass sich die Zahlen in ein bis zwei Jahren wieder auf dem gewohnten Niveau einpendeln. „Die Anmeldefrist für das neue Musikschuljahr endet am 31. Mai, danach wissen wir, wo wir momentan stehen.“

Der Schnuppertag, der sich vor allem an die Kinder in der musikalischen Früherziehung richtet, fand ebenfalls in digitaler Form statt. Hochengagiert haben die Lehrer eine Internetpräsenz gestaltet, die Kindern und Eltern verschiedene Instrumente näher bringen. „Der Tag wurde toll vorbereitet“, sagt Andreas Klingel, die Resonanz sei dennoch gering ausgefallen. „Die Lehrer haben ihre kleinen Schüler in der musikalischen Früherziehung wohl so gut vorbereitet, dass es nur noch wenig Informationsbedarf gibt“, vermutet er.

Präsenzunterricht hat immer Vorrang

Rund 5600 Schülerinnen und Schüler zählt die Schule für Musik im Kreis Warendorf, unterrichtet werden sie von 97 Lehrerinnen und Lehrern. Bis auf die 540 Erwachsenen haben nun alle wieder Unterricht von Angesicht zu Angesicht. Holger Blüder bleibt optimistisch: „Wir gehen hoffnungsvoll von einem vollen persönlichen Angebot nach den Sommerferien aus – haben aber gleichzeitig über das Programm SmartMusikschule die Möglichkeit, spontan auf digitalen Unterricht umzuschwenken, wenn es erneut nötig sein wird.“

Allerdings: „Nichts ersetzt den Präsenzunterricht, der hat immer Vorrang“, unterstreicht der Musikschulleiter. Maske, Abstand, Desinfektion – mit den gebotenen Maßnahmen versuchen alle gemeinsam, den Live-Unterricht aufrecht zu erhalten. Und wo es machbar ist, wird auch schon mal ein Pavillon aufgebaut, damit ein Chor im Freien üben kann. Beruhigend: „Von einer Infektionskette, die in einer Musikschule angefangen hat, habe ich bisher nicht gehört.“

Andreas Klingel stellt fest, dass mit den Lockerungen gerade eine hohe Motivation einhergeht. „Es ist ein ganz tolles Gefühl, sich leibhaftig wiederzusehen“, schwärmt der Geigenlehrer. Bei allen technischen Möglichkeiten lasse sich erkennen, wie schwer die Abstinenz fast jedem fällt. Holger Blüder stößt ins gleiche Horn: „Die Musik spendet so manchem im Lockdown zwar Trost – doch vor allem steht sie für ein Miteinander. Deshalb freuten sich alle, sie wieder teilen können.“

Veranstaltungspläne in der Schublade

Und das im besten Fall bald auch mit Publikum, denn neben dem Unterricht sind schließlich sämtliche Aufführungen und Vorspiele abgesagt worden. „Ohne Kunst wird’s still“, zitiert der Musikschulleiter den aktuellen Slogan der vielen arbeitslosen Kunst- und Kulturschaffenden – und spricht damit sicherlich Musizierenden wie leidenschaftlichen Konzertgängern aus der Seele.

Die Lehrerinnen und Lehrer der Schule für Musik im Kreis Warendorf bleiben optimistisch und hoffen, dass die Durststrecke zum Sommer hin endet und nach den Ferien ein Restart möglich ist. Für den Unterricht ebenso wie für Veranstaltungen. Untätig für die Zeit danach sind sie nicht, wie Andreas Klingel verrät. „Ob Schülerkonzert oder Aufführung – wir haben den ein oder anderen Plan in der Schublade liegen. Um loszulegen, sobald es wieder möglich ist.“

Wer ab Sommer dabei sein möchte, kann sich noch bis zum 31. Mai anmelden. Informationen gibt es hier auf der Homepage der Musikschule sowie unter Telefon 02581/53-4307.

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