Bewegte Musiker-Karriere

Einzelkämpfer mit bewegtem Leben: Rudi Marhold hört als Schlagzeuger der Götz-Alsmann-Band auf

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In diesen Händen steckt Musik. Rudi Marhold hat in Münster Klavier und Schlagzeug studiert, am Opernhaus in Dortmund im Musical „West Side Story“ getrommelt und war 27 Jahre Mitglied der Götz-Alsmann-Band. Auch nach seinem Abschied dort wird er weiter bei vielen Projekten hinterm Schlagzeug sitzen.

Walstedde/Hamm - 27 Jahre hat der Schlagzeuger Rudi Marhold mit der Götz-Alsmann-Band Musik gemacht. Jetzt sagt er: „Es ist genug und Zeit, etwas Neues zu beginnen.“ Viele schöne Erinnerungen an gemeinsame Konzerte, Fernsehshows und CD-Aufnahmen bleiben für ihn unvergessen. Bleiben wird ihm auch die Musik, denn ans Aufhören denkt der Musiker noch lange nicht.

Ginge es nach seinem Vater, dann hätte Rudi Marhold sein Berufsleben als gelernter Speditionskaufmann jetzt wohl beendet. Doch der aus Lünen stammende Künstler wählte einen anderen Weg. Einen Weg, der ihn nicht nur zu einem erfolgreichen Musiker, sondern auch zu einem rundum zufriedenen Menschen machte.

Nach seiner Ausbildung studierte er Schlagzeug und Klavier in Münster. Nach fünf Semestern hatte er das Gefühl: „Das bringt mich nicht weiter“. Er brach das Studium ab und verbrachte fortan viele Stunden im Übungsraum. Nebenbei unterrichtete er und verdiente sich sein Geld in der Münsteraner Musikerszene. Seine Kontakte ins Ruhrgebiet hatte er nicht abgebrochen. „Nirgendwo gibt es eine so große Ansammlung von Theatern wie im Ruhrgebiet“, darauf macht Marhold aufmerksam.

"West Side Story" als Sprungbrett

Damals hatte er Glück, denn er habe einen Fuß in die Tür bekommen. Seine erste große Produktion hatte er im Opernhaus in Dortmund beim Musical „West Side Story“. „Ich war der Schlagzeuger mit 70 Musikern im Orchester“, erinnert er sich. Das war 1988 und ging über vier Spielzeiten bis 1990. Die Aufführungen fanden in Dortmund und in Essen statt und Rudi Marhold war als Gastmusiker bei jeder Aufführung dabei. „Danach gingen für mich viele Türen auf“, berichtet er.

In den folgenden vier Jahren war er Mitglied bei den Bad Hersfelder Theaterfestspielen. Aus zehn Musikern entstand das Lippe-Saiten-Orchester, als dessen Gründungsmitglied der Walstedder noch bis 2018 aktiv war. „Wir haben in allen möglichen Theatern in Deutschland die Musik für Theaterproduktionen und Musicals gespielt“, erklärt der Schlagzeuger und Perkussionist.

120 Konzerte im Jahr mit Götz Alsmann

1993 wurde er schließlich Mitglied in der Götz-Alsmann-Band. Damals wollte er ebenfalls was Neues machen. „Ich hatte Spaß an der unterschiedlichen Musik und ich kannte die Musiker dort schon alle.“ Mit der Band erlebte er dann eines der Highlights seines Musikerlebens. Von 1994 bis 1997 war Götz Alsmann der Moderator der NDR-Spätshow und die Alsmann-Band war Teil der Show und begleitete live eine Menge von Musikern und Sängern. „Das war eine Riesensache, es war super anstrengend und ebenso schön“, sagt er und strahlt in Erinnerung an die vielen Show-Größen, die er persönlich kennengelernt hat.

Das Live-Spiel im Fernsehen habe ihm eine Menge Erfahrung eingebracht. Bis zu 120 Konzerte spielte er mit Götz Alsmann im Jahr, gemeinsam nahmen sie CDs unter anderem in Paris, Rom und New York auf. Dazu spielte er bei geschätzten 50 Theatershows und ganz nebenbei war er auch noch bis 1996 mit einer halben Stelle als Fachbereichsleiter für Popmusik bei der Musikschule Hamm angestellt.

Als "Einzelkämpfer" auf kleinen Gigs

40 Jahre ist Rudi Marhold nun schon als Berufsmusiker unterwegs. Nicht zuletzt die Corona-Krise brachte den 67-Jährigen dazu, seine Zukunft neu zu überdenken und zu planen. „Ich sehe mich auf kleinen Veranstaltungen spielen“, so seine Vision.

Als „Einzelkämpfer“ könne man viel flexibler agieren und bei unterschiedlichen Projekten mitgestalten, fügt er erklärend hinzu. Zur Zeit aktiviert er seine deutschlandweiten Kontakte aus seinem langen Musikerleben, denn er wolle ja nicht aufhören. Schließlich stellt er zufrieden fest: „Musik ist nicht nur mein Beruf, sondern auch mein Hobby.“ Dann sinniert er: „Ich höre erst auf, wenn man mich nur noch aus Mitleid spielen lässt.“

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