Die Invasion kommt von oben: Kaum eine Eiche bleibt von der Giftraupe verschont

Jonas Angelkort saugt Eichenprozessionsspinner von einer Eiche an der Konrad-Adenauer-Straße.
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Jonas Angelkort saugt Eichenprozessionsspinner von einer Eiche an der Konrad-Adenauer-Straße.

Die Schädlingsbekämpfungsfirma Angelkort aus Herbern kennt den Eichenprozessionsspinner seit fast 20 Jahren. Derzeit sind die Teams in Drensteinfurt unterwegs, um die gefährlichen Raupen und ihre Nester von den Bäumen zu saugen.

Drensteinfurt – Wochenenden bestehen für Lukas Billermann und Jonas Angelkort derzeit nur aus dem Sonntag. Sie sind im Auftrag der Firma Angelkort unterwegs, um in Drensteinfurt, Walstedde und Rinkerode dem Eichenprozessionsspinner den Kampf anzusagen – sechs Tage die Woche, bis zu zehn Stunden am Tag. Am Samstag fuhren sie mit dem Hubsteiger unter anderem die Konrad-Adenauer-Straße in Drensteinfurt ab, wo es kaum eine Eiche gab, auf der sich die Raupe nicht niedergelassen hat.

Mit Anzug, Brille und Mundschutz

Langsam fährt Lukas Billermann das Fahrzeug auf dem Radweg von Baum zu Baum. „Stop!“, ruft Kollege Jonas Angelkort von hinten. Natürlich: Wie an fast jeder Eiche hier hat er auch an dieser etwas entdeckt. Der Hubsteigerwagen wird gestützt, der Korb langsam nach oben gefahren. Ein kleiner Knubbel mit Raupen hat sich zwischen den Blättern an einem Ast gebildet, das ungeübte Auge hätte sie gar nicht entdeckt.

„Die meisten Menschen sehen die Raupen erst, wenn sie in Massen am Stamm entlang krabbeln oder ihre Nester bauen“, erklärt Lukas Billermann, während sein Kollege über ihm im Schutzanzug sowie mit Mundschutz und Schutzbrille routiniert den Sauger ansetzt und die Tiere vom Ast saugt.

Die beiden jungen Männer wissen, wo sie hinschauen und auf was sie achten müssen, und entdecken auch einzelne Exemplare der haarigen Raupen. Und sie teilen sich auf. Während Jonas die Baumkronen absucht, behält Lukas die Stämme im Auge. Ihre Kenntnis über die Raupe, deren Haare nicht selten zu Hautirritationen, Atembeschwerden oder Augenentzündungen führen, haben sie in speziellen Schulungen erworben. Und auch, wie sie sich richtig verhalten und schützen sowie natürlich alle Arten der Bekämpfung.

Giftraupe befällt Bäume auf besondere Art und Weise

Was viele nicht wissen: Der Eichenprozessionsspinner befällt die Bäume von oben. „Nachdem die Motte geschlüpft ist, fliegt sie bis zu 30 Kilometer weit und legt ihre Eier in den Baumkronen ab“, erklärt Monika Angelkort, Geschäftsführerin der Schädlingsbekämpfungsfirma in Herbern. „Die Invasion beginnt also von oben.“ Die Motte hat dafür übrigens nur zwei Tage Zeit, länger lebt sie gar nicht. Bei Angelkort kennt man sich seit fast 20 Jahren mit der Raupe aus: „In anderen Gegenden gab es das Problem schon früher.“

Es gibt mehrere Möglichkeiten, diesen Schädling zu bekämpfen, erklärt Monika Angelkort. Sehr früh könne man die Entwicklung der Raupen verhindern, indem lokal ein Bakterium eingesetzt wird. „Keine Chemie“, wie Geschäftsführerin Angelkort betont. Ist die Raupe erst mal da, gibt es das Absauge- und das Heißschaumverfahren – in Drensteinfurt hat die Stadtverwaltung sich vor allem fürs Absaugen entschieden.

Die Raupen befallen die Eichen von oben und wandern dann von der Krone bis zum Stamm.

Bekämpfung der Raupe durch Bakterien

Martin Brinkötter leitet den Fachbereich Sicherheit und Ordnung der Stadt Drensteinfurt und hat nun im dritten Jahr mit dem Eichenprozessionsspinner zu tun. Die Behandlung der Bäume mit dem Bakterium nennt er „chemische Keule“. Zwar würde nicht mehr mit richtiger Chemie gearbeitet, „doch der Einsatz von Bakterien tötet eben auch andere frei fressende Raupen und damit Schmetterlinge“. Allerdings schließt Brinkötter nicht aus, diese chemische Keule doch irgendwann einzusetzen, denn: „Gefühlt ist der Befall in diesem Jahr viel schlimmer als im vergangenen.“

Monika Angelkort bestätigt diesen Eindruck, geschuldet sei die starke Vermehrung den milden Wintern, sie bieten den Raupen optimale Bedingungen. Zwischen 2 000 und 2 500 Eichen stehen laut Schätzungen der Bauhof-Mitarbeiter auf Drensteinfurter Stadtgebiet, während in den ersten beiden Jahren vor allem die Nester ins Auge fielen, gibt es mittlerweile mancherorts ganze Raupen-Teppiche an den Stämmen.

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Entwicklung der Verbreitung wird aufgezeichnet 

Die Stadt hat in diesem Jahr begonnen, die betroffenen Bereiche zu archivieren, also zu erfassen, und die Entwicklung konkret zu verfolgen. Auch die Bürger können befallene Bäume bei der Stadt online melden, „davon wird bereits rege Gebrauch gemacht“, sagt Martin Brinkötter. Am Ende des Jahres wird Bilanz gezogen und beratschlagt, wie effektiv die Maßnahmen sind und wie diese gegebenenfalls im kommenden Jahr angepasst werden können und müssen.

Sechs zusätzliche Mitarbeiter beschäftigt die Firma Angelkort, um gegen den Eichenprozessionsspinner vorzugehen. In Zweierteams sind sie derzeit in Drensteinfurt und den Ortsteilen überall dort unterwegs, wo Eichen zu finden sind. Priorität haben natürlich sensible Stellen wie Kitas, Schulen und Spielplätze. In den vergangenen Jahren kamen die Mitarbeiter manchmal kaum hinterher, „mittlerweile liegen wir aber im Zeitplan“, sagt Monika Angelkort. „Schon deshalb, weil durch die Bakterienbehandlungen an anderen Orten frühzeitig Prophylaxe betrieben worden ist.“

Lukas Billermann kennzeichnet die Bäume, die zuvor von den Raupen befreit worden sind.

Ein Container voller Raupen

Die Coronakrise tangiert die eigentliche Dienstleistung der Firma Angelkort eigentlich nicht – Schädlinge lassen sich davon ja nicht aufhalten. Dennoch hat man die Pandemie dort zunächst ordentlich zu spüren bekommen. Denn just, als Monika Angelkort die für ihre Mitarbeiter notwendige Schutzkleidung in Vorbereitung auf den Sommer kaufen wollte, wurde es immer schwieriger, an Anzüge und Masken zu kommen. „Glücklicherweise wurde es nicht so eng, als dass unsere Teams nicht hätten rausfahren können.“ Der Eichenprozessionsspinner ist nur einer von vielen Schädlingen, denen die Spezialisten den Garaus machen. Weit über die Grenzen von Herbern hinaus.

Am Samstag haben Lukas Billermann und Jonas Angelkort in Drensteinfurt einmal mehr so manchen Sack vollgemacht mit abgesaugten Raupen. Diese speziellen Säcke werden von einem Sondermüllentsorger vernichtet. Und da kommt einiges zusammen, bilanziert Monika Angelkort: „Im vergangenen Jahr haben wir einen Container von rund sieben Kubikmetern voll gemacht.“

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