Nach zwei Jahren in den USA

Ehepaar aus Walstedde verrät: „Unsere Freunde wählen Trump“

Udo und Melanie Gielen mit ihrem Hund Peanut Butter, den sie mit nach Walstedde gebracht haben.
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Vierbeiniges Mitbringsel: Udo und Melanie Gielen mit ihrem Hund Peanut Butter, den sie nach ihrem USA-Aufenthalt mit nach Walstedde gebracht haben.

Nach zwei Jahren Aufenthalt in den USA blicken Melanie und Udo Gielen aus Drensteinfurt besonders neugierig auf die USA-Wahl. „Unsere Nachbarn und Freunde werden Trump wählen“, sagen sie. Und erklären, warum.

Walstedde – Wenn die Amerikaner jetzt ihren neuen Präsidenten wählen, schaut die ganze Welt gespannt auf das Ergebnis der Wahl. Wird der Republikaner Donald Trump seiner Amtszeit vier weitere Jahre hinzufügen dürfen? Oder macht der Demokrat Joe Biden, der in den meisten Umfragen vorne liegt, das Rennen? In Walstedde wird das Ehepaar Melanie und Udo Gielen die Wahl mit besonders großem Interesse verfolgen. Beide verbrachten die letzten zwei Jahre im US-Bundesstaat North Carolina und sind erst im Juli nach Deutschland zurückgekehrt.

Melanie und Udo Gielen sind vor zwei Jahren aus beruflichen Gründen nach North Carolina in die kleine Stadt Hickory gezogen. Ursprünglich sollte Udo Gielen für die deutsche Firma, bei der er beschäftigt ist, noch ein weiteres Jahr in Amerika tätig sein, doch Corona verkürzte seinen Einsatz. Wegen Corona konnten sie auch nicht wie geplant von Charleston ausfliegen, sondern von New York, was den Flug zwar auf sieben Stunden verkürzte, aber zuvor eine zehnstündige Autofahrt erforderlich machte.

In North Carolina zufrieden mit Trump

Während in den deutschen Medien selten ein gutes Haar an Donald Trump und seiner Politik gelassen wird, haben die Gielens das im ländlichen Hickory völlig anders erlebt. „Unsere Nachbarn und Freunde werden Trump wählen“, glaubt Melanie Gielen.

Die Menschen in North Carolina seien glücklich und zufrieden mit Donald Trump. Eine Nachbarin habe mal erklärt, dass man seine offene Art schätze und dass er umsetze, was er verspreche.

In der Zeit, die sie dort verbracht hätten, sei alles friedlich gewesen. „Wir haben uns immer sicher gefühlt“, stellt sie klar. „Die Menschen sind nett und hilfsbereit“, schwärmt sie.

Anders als in Washington, wo viele Geschäftsleute ihre Ladenlokale bereits verbarrikadiert haben, seien Aufstände, egal wie die Wahl ausgeht, in North Carolina nicht zu befürchten, glaubt Melanie Gielen. Jedoch könne sie sich vorstellen, dass Donald Trump, sollte er die Wahl verlieren, das Ergebnis anzweifeln und die Briefwahl infrage stellen wird.

Beeindruckende Skyline: Udo und Melanie Gielen mit den Hochhäusern von New York City im Hintergrund.

In Deutschland kein realistisches Bild

Überhaupt rechne sie mit einem Sieg Donald Trumps. Im Zusammenhang mit dem Herausforderer Joe Biden hätten die Medien in Amerika auch schon von Alzheimer gesprochen und es sei die Frage aufgekommen, ob Biden wirklich eine gute Wahl sei.

Auch das Szenario, dass der 77-jährige Biden im Fall eines Sieges frühzeitig zurücktrete, um sein Amt an Kamala Harris, seiner Vizepräsidenten, zu übergeben, werde in Amerika thematisiert.

Was in den deutschen Medien gesendet werde, seien in der Regel Momentaufnahmen, die kein wirklich realistisches Bild zeichneten. Man dürfe auch nicht die unterschiedlichen Mentalitäten vergessen. „Wir Deutschen sind so korrekt und 1000-prozentig, in Amerika haben wir gelernt, dass 100 Prozent auch ausreichen“, sagt sie.

Nicht allen Leuten gefällt die Art und Weise wie der derzeitige Präsident spricht, weiß auch das Ehepaar Gielen. Aber oft werde ein Zitat herausgegriffen und nicht berichtet, was er anschließend weiter sagt. „Fragwürdig ist die Art und Weise, wie er es sagt, aber mit einigen Dingen hat er auch Recht“, sagt Melanie Gielen.

Corona: In USA strengere Maßnahmen

Im Großen und Ganzen hätten sie sich jedoch wenig mit Politik beschäftigt. „Wir wollten lieber Land und Leute kennenlernen“, erklärt die 44-Jährige. Zudem hätten sie als Deutsche ohnehin keinen Einfluss gehabt. „Wenn unsere Freunde und Bekannte zufrieden sind, sind wir es auch“, so ihre Einstellung.

Erstaunt war das Ehepaar auch über die deutsche Berichterstattung zur Corona- Pandemie in Amerika. Während in Deutschland erzählt worden sei, dass sich in Amerika niemand vor Corona in Acht nehme, haben Melanie und Udo das ganz anders erlebt.

Viel früher als in Deutschland hätten die Menschen einen Mund-Nasenschutz getragen. Desinfektionsmittel in Geschäften seien ohnehin dort Standard. Ab dem 25. März wurden sämtliche Einrichtungen geschlossen. Shoppen war nicht mehr möglich, einkaufen konnte man nur noch über den „Drive In“ oder online. „Unabhängig von dem, was hier berichtet wurde – wir haben erlebt, dass die Maßnahmen strenger waren als in Deutschland“, verdeutlicht die Erzieherin.

Wie wird gewählt?

Die US-Präsidentschaftswahl findet in 50 Bundesstaaten statt. Die Wähler geben aber nicht dem Kandidaten, der in Vorwahlen bestimmt wurde, direkt ihre Stimme, sondern Wahlmännern und Wahlfrauen, die für einen der Kandidaten stehen. Derzeit gibt es 538 Wahlleute, die je nach Einwohnerzahl auf die Staaten verteilt werden. Die Partei, die in einem Bundesstaat die Mehrheit hat, erhält alle Wahlleute. Sieger der Präsidentenwahl ist, wer mehr als die Hälfte der 538 Wahlleute für sich gewonnen hat.

Was sind Swing States?

Unter Swing Staates versteht man die Staaten, bei denen nicht klar, ist ob der demokratische oder republikanische Kandidat gewinnt. Anders ist es bei den „Blue States“, in denen die Demokraten stark sind, und den „Red States“, in denen die Republikaner die Mehrheit haben. North Carolina gilt als Swing State.

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