Drensteinfurt wird vorerst keine Smart City

Drensteinfurt scheitert mit Versuch, Fördermittel zu generieren

Im Kulturbahnhof Drensteinfurt klauten die Diebe wertvolle Instrumente.
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Der Kulturbahnhof: Hier sollte nach Wunsch der Verwaltung das Seniorenbüro angesiedelt werden. Wegen der ausgebliebenen Förderung muss nicht nur über dieses Projekt neu nachgedacht werden.

Drensteinfurt wird keine „Smart City“ – zumindest vorerst nicht. Der Versuch, im Verbund gemeinsam mit den Städten Beckum, Billerbeck, Siegen, Unna und Winterberg Fördermittel aus Programm „Modellprojekte Smart Cities – Stadtentwicklung und Digitalisierung“ zu erhalten, ist gescheitert.

Drensteinfurt - Gut 100 Bewerber aus ganz Deutschland gab es für das Förderprogramm, ein Viertel von ihnen konnte die zwölfköpfige Jury, darunter den heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Bernhard Daldrup, überzeugen. Dass Drensteinfurt und die fünf Partnerkommunen nicht dazugehörten, hat man im Rathaus gar nicht direkt erfahren. „Die Absage ging nur an eine der sechs Kommunen aus unserem Verbund“, berichtet Jan Schwering, der Allgemeine Vertreter von Bürgermeister Carsten Grawunder.

Die Absage sei „mit viel Prosa“ an die Stadt Siegen geschickt worden – allerdings ohne einen Hinweis, woran es gelegen habe. „Das ist sehr schade, denn so stehen wir ohne Anhaltspunkte da, ob es sich lohnt, einen neuen Anlauf zu starten“, macht Schwering deutlich. Man habe auch schon versucht, mit dem Innenministerium Kontakt aufzunehmen – allerdings ohne Erfolg.

Für Verwaltung und Politik heißt es jetzt in vielen Bereichen, neu zu überlegen, denn mit der Bewerbung um die Fördermittel waren einige Projekte verbunden. Schwering nennt bespielhaft die W-Lan-Versorgung in der Innenstadt und das Seniorenbüro. Gerade um die Einrichtung des Seniorenbüros hatte es im Juni im Ausschuss für Familie, Jugend, Senioren und Soziales einige Diskussionen gegeben. „Das Besondere an diesem Förderprogramm ist, dass hier auch Fördermittel für Personalkosten oder Soft- und Hardware geflossen wären“, erläutert Schwering. Gerade deshalb habe man etwa für das Seniorenbüro keine Stelle im Stellenplan des Rathauses vorgesehen gehabt.

Gleich mehrere Projekte wollte Drensteinfurt mit den erhofften Fördermitteln aus dem Programm „Smart Cities“ finanzieren: City App, Familienbüro, Ehrenamtsbörse, Beteiligungsmanagement, Klimafolgenanpassung / klimagerechte Mobilität, digitale Litfaßsäule und Park der Generationen. Finanziert werden sollten etwa Konzepterstellung, Büroausstattung, Fortbildung, Software und Personal.

Jetzt gelte es mit der Politik zu besprechen, wie es weitergeht. Gelegenheit dazu ist in der nächsten Ausschüssen Ende August/Anfang September.

Ob es auf einen zweiten Anlauf bei der Bewerbung um Fördermittel als „Smart City“ hinauslaufen wird, konnte Schwering zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. „Wir hatten uns viel Mühe gegeben und gemeinsam mit den anderen Bewerbern viel Geld investiert.“ Die Partnerstädte seien jetzt die ersten Ansprechpartner, ob man es noch mal gemeinsam versuchen solle. Wegen Urlaubszeiten sei es da noch zu keiner Entscheidung gekommen. Dass man es gegebenenfalls auch im Alleingang versuchen könnte, wollte der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters nicht ausschließen. Aber: „Dafür ist es noch viel zu früh.“

Klar sei aber, dass Smart City ein „Riesenthema“ sei. Die Digitalisierung der Verwaltung beispielsweise sei eines der Zukunftsthemen. „Und dafür versuchen wir, eine staatlich Förderung zu bekommen – etwa über das ,Modellprojekt Smart Cities‘ oder über andere Forderprogramme.“

Bernhard Daldrup macht Hoffnung

Auch Jurymitglied Bernhard Daldrup ermuntert die Drensteinfurter, jetzt nach der ersten Absage nicht „die Flinte ins Korn zu werfen“. Auch bei den jetzigen Preisträgern seien einige dabei gewesen, die es im ersten Anlauf nicht geschafft hätten.

Daldrup legt der Stadt deshalb nahe, sich erneut zu bewerben: „Die Vorarbeit ist ja geleistet“, sagt der SPD-Politiker und verweist auf das projektbegleitende Unternehmen, das Drensteinfurt und die anderen Kommunen bei der Bewerbung unterstützt habe.

Woran genau die Bewerbung gescheitert sei, wollte er auch nicht sagen – auch nicht, ob es möglicherweise an der großen räumlichen Entfernung der sechs gelegen habe. „Es ist grundsätzlich gut, dass sich mehrere Kommunen gemeinsam auf den Weg machen, und Vernetzung wird immer gerne gesehen“, sagt Daldrup. Gleichwohl leuchte die Zusammenarbeit von so weit entfernten Städten wie Drensteinfurt und Siegen nicht unmittelbar ein. Aber, versichert er: „Das war nicht ausschlaggebend für die Absage. Im Kern kommt es auf den Inhalt an.“ Deshalb ermuntert er die Stadt, noch einmal, das Gespräch mit dem Fördermittelgeber zu suchen und es erneut zu versuchen.

Vielleicht wird Drensteinfurt ja im zweiten Versuch zur „Smart City“.

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