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Viele werden sie vermissen: Apotheke in Walstedde wird geschlossen

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Von: Mechthild Wiesrecker

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Bellegschaft der Walstedder Apotheke
Mehr als nur Kollegen: Andreas Schoster (von links), Sylvia Keune, Stephanie Stein, Johanna Thamm und Marie-Luise Schoster von der Maximilian-Apotheke haben wie eine große Familie Freud und Leid geteilt. © Wiesrecker, Mechthild

Seit fast 32 Jahren ist die Maximilian-Apotheke in der Nähe des Kirchplatzes ein fester und nicht wegzudenkender Bestandteil im Lambertusdorf. Zum 31. Juli werden die Inhaber Marie-Luise und Andreas Schoster ihre Apotheke schließen.

Walstedde - Einen Nachfolger konnten sie nicht finden, sodass die Walstedder bald ohne Apotheke auskommen müssen. „Die Pharmazie liegt meiner Frau im Blut“, sagt Andreas Schoster. Sie stammt aus einer Apothekerdynastie an der holländischen Grenze. Großvater, Mutter, Vater, Tante, Bruder, und Cousine haben sich ebenfalls der Pharmazie verschrieben. „Von Kindesbeinen an stand fest, dass ich auch einmal Apothekerin werde“, bestätigt die gebürtige Vredenerin.

Nicht so bei Andreas Schoster. Für ihn schien zunächst ein anderer Berufsweg vorgesehen. Er absolvierte ein Lehramtsstudium in Münster. Als er dann seine zukünftige Frau kennenlernte und diese ihn später bat, mit ihr zusammen eine Apotheke zu führen, sattelte er noch einmal um. „Meiner Frau zuliebe habe ich die PTA-Schule besucht“, sagt er. In Walstedde fanden sie den idealen Ort, denn hier gab es noch keine Apotheke und an der Dorfstraße, mitten im Ortskern, ebenso ideale leer stehende Räumlichkeiten, die sie zunächst anmieteten. „Der Standort war optimal und wir konnten in der Wohnung über der Apotheke wohnen“, erklärt die Pharmazeutin.

Kunden aus der Umgebung

Im Dorf wurden wir sofort gut aufgenommen, erinnert sich das Ehepaar. Die Menschen waren ja froh, nun eine Apotheke zu haben. Manch ein Bürger sei wohl seiner alten Apotheke außerhalb von Walstedde treu geblieben, doch dafür gewannen sie auch Kunden unter anderem aus Ahlen, Drensteinfurt und Hamm. Die Arbeit habe ihnen immer Freude gemacht. „Es war eine schöne Zeit, unsere Kundschaft ist nett und die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten sehr gut“, resümiert Marie-Luise Schoster. Ein wichtiger Teil sei auch ihr PTA-Team, von dem zwei Mitarbeiterinnen bereits seit 20 Jahren dabei sind. „Wir waren immer wie eine große Familie, in der ganz selbstverständlich Freud und Leid miteinander geteilt wurde“, sagt sie. Es habe nie ein böses Wort gegeben. Auf ihr Team sei fachlich und menschlich stets Verlass gewesen, das habe sich besonders während der Corona-Zeit gezeigt. „Wir haben die Herausforderung angenommen und gemeistert“, sagt sie. „Unsere Damen hatten den Ehrgeiz, alles selbst zu machen, dafür verdienen sie ein großes Lob.“

In den Jahren ihrer Tätigkeit stand die Apotheke regelmäßig Schülern für ein Praktikum zur Verfügung. Mehr als 30 Schülerpraktikanten wurden nicht nur selbstverständlich in die „Familie“ mit aufgenommen, sondern bekamen dazu einen guten Einblick in die Arbeit eines Apothekers oder pharmazeutischen Assistenten. Bei aller Begeisterung gab es natürlich auch Schattenseiten der Selbstständigkeit. In der Realität bedeutete das, immer selbst da zu sein. Mehr als eine Woche Urlaub am Stück hat sich das Ehepaar nicht gegönnt. „Manchmal haben wir das vermisst“, sagt der 62-Jährige. Anstrengend seien auch die regelmäßigen Reformen gewesen, die immer mit vermehrter Bürokratie zum Nachteil der Apotheken ausgefallen seien, so Andreas Schoster.

Schwierige Situation auf dem Land

Für die Apotheken, besonders auf dem Land, werde es in der Zukunft nicht leichter. Der zunehmende Versandhandel beträfe auch die Apotheken. Und wie sich das elektronische Rezept auswirkt, stehe noch in den Sternen. Obwohl sich beide sicher sind, dass es für das Dorf schade ist, dass die Apotheke schließt, ist ihnen die Entscheidung nicht schwergefallen. „Jetzt war es einfach genug“, sagt die 63-Jährige. Den Ausschlag gaben auch gesundheitliche Gründe.

Auch wenn es bald im Ort keine Apotheke mehr gibt, brauchen die Walstedder jedoch keine Angst zu haben, unversorgt zu bleiben. „So gut wie alle Apotheken bieten einen Bringservice an“, versichert die Apothekerin. Das Gebäude ist mittlerweile verkauft, und, da sind beide froh, an einen einheimischen Käufer. In die Hände eines fremden Investors wollten sie es nicht geben. „Für uns ist es sehr beruhigend, dass unsere Damen ohne große Probleme eine Arbeitsstelle finden können oder bereits gefunden haben und uns den Ruhestand gönnen“, so Marie-Luise Schoster.

Ruhestand genießen

Angst vor Langeweile im Ruhestand hat das Ehepaar nicht. „Viele fragen immer, wie wir dann wohl die Zeit verbringen“, berichtet der Pharmazeutisch-technische Assistent. Seine Antwort: „Einfach mal nichts tun, morgens aufstehen und keine Verpflichtungen haben, darauf freue ich mich.“ Und dann habe ihr neues Haus in Warendorf einen großen Garten, in dem genug zu tun sei.

Als gebürtiger Warendorfer wohnt Andreas Schosters Familie ganz in der Nähe und auch Walstedde sei nicht zu weit weg, sodass die dort entstandenen Freundschaften weiterhin gepflegt werden könnten. Vielleicht steht demnächst auch mal ein Urlaub an, der dann etwas länger als eine Woche dauern darf.

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