Zehn Tage ohne Internet

Glasfaserkabel durchtrennt und keiner hilft: Plötzlich wohnt man im blinden Fleck

Durchtrennt bei Bauarbeiten: Paul Fels deutet auf das Glasfaserkabel.
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Paul Fels wartet auf die Reparatur des defekten Glasfaserkabels.

Mittendrin und doch völlig abgekapselt: Der Drensteinfurter Paul Fels ist ohne Internet und Fetsnetztelefon, weil bei Bauarbeiten ein Glasfaserkabel durchtrennt wurde. Warum wird es nicht repariert?

Drensteinfurt - Paul Fels ist ein geduldiger und pragmatischer Mensch, den so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann. Doch die Deutsche Glasfaser hat seine Geduld deutlich überstrapaziert. Seit über einer Woche ist der Anwohner der Kleiststraße mittlerweile ohne Internet und Festnetztelefon.

Dabei war die Ursache ganz offensichtlich: Am Montag, 24. November, durchtrennte ein Bagger bei Aushubarbeiten im Bereich der Pflastersteine für den Gehwegrand an der Kleiststraße das Glasfaserkabel. Für Fels ist das nachvollziehbar, schließlich so berichtet er, liege das Glasfaserkabel nur 20 Zentimeter unter der Erde.

Glasfaserkabel durchtrennt: Tiefbaufirma meldet Schaden zeitnah

Die Tiefbaufirma reagierte prompt, teilte der Deutschen Glasfaser ihr Missgeschick mit und bat darum, den Schaden kurzfristig zu reparieren. Für Fels begann eine Zeit des Wartens. Am Dienstag bat er die Tiefbaufirma, erneut bei der Deutschen Glasfaser anzurufen, damit die Reparatur möglichst schnell über die Bühne gehe.

Als am Mittwoch immer noch nichts passiert war, griff Fels selber zum Hörer und wählte die Nummer der Deutschen Glasfaser. Dort beruhigte man ihn mit der lapidaren Aussage, dass der Schaden gemeldet sei und eine Firma beauftragt werde, um den Schaden zu beheben. Ein genaues Datum konnte man ihm nicht sagen.

Am Donnerstag war noch immer nichts passiert, also griff der Anwohner erneut zum Telefon. Dieses Mal wurde er von dem Mitarbeiter zurechtgewiesen, er habe den falschen Weg gewählt, korrekt sei es, sich bei seinem zuständigen Provider zu melden. „Das habe ich überhaupt nicht verstanden“, erklärte er. „Da beißt sich die Katze in den Schwanz“, findet Paul Fels. Trotz seiner Bedenken befolgte er den für ihn unsinnigen Rat. Sein Anruf bei der Helinet war – wie erwartet – wenig erfolgreich. Dort wollte man die Deutsche Glasfaser informieren und sich zurückmelden, was nie passierte.

Ärgernis neben dem Glasfaserkabel-Bruch: Baustelle wird zur ständigen Einrichtung

Am Freitag schließlich rief er erneut bei der Deutschen Glasfaser an. Die zuständige Mitarbeiterin legte einfach auf. Fels blieb hartnäckig, hielt die Warteschleife ein zweites Mal aus, traf auf eine Mitarbeiterin, die ihn verständnisvoll vertröstete. Auch bei der Helinet versuchte er es noch einmal. Man versprach ihm, erneut Druck zu machen. „Wir drehen uns im Kreis, nichts passiert.“ Fels ist mittlerweile richtig sauer. Weniger, dass die Pflasterarbeiten vor seinem Haus nicht beendet werden können, nerve ihn, schließlich hat er seit mittlerweile einem halben Jahr eine Baustelle vor der Haustür – und das mit allem was dazu gehört, inklusive gesperrter Straße.

Schlimmer sei, dass er seine Arbeit nicht erledigen kann. Seine Versicherungsagentur betreibt er von zu Hause – und jetzt kann er seit einer Woche seine Kunden nicht erreichen, keine Schäden aufnehmen und keine Angebote rausschicken. „Das ist eine Katastrophe – und mit dem Handy kann ich die Arbeiten auch nicht erledigen“, sagt er. In seiner letzten Verzweiflung wandte sich Fels an das Bauamt der Stadt, das ihm eine Telefonnummer vermittelte, unter der am gesamten Freitag niemand zu erreichen war.

Am Montag, also eine Woche später, bekam er dann eine Verbindung. Seine Bitte, ihm die Nummer der Störungsstelle mitzuteilen, wurde nicht erfüllt, stattdessen sollte er den Schaden per E-Mail melden. „Wie soll das denn gehen, ohne Internet“, habe er gefragt. Am Ende wurde er dann doch verbunden mit einem Holländer, der einfach auflegte.

Am Montagmittag erhielt er dann völlig überraschend die Nachricht von der Deutschen Glasfaser, dass am Donnerstag, 3. Dezember, um 13 Uhr jemand zwecks Reparatur vorbeikäme. Man habe ihm auch erklärt, dass die Schadensmeldung seit Donnerstag, 26. November, vorliege, aber man die Reparatur mit Arbeiten im Kreis Warendorf verbinden wollte.

Und was sagt die Deutsche Glasfaser dazu? Die Anfrage des WA konnte der Pressesprecher der Deutschen Glasfaser Dennis Slobodian spontan nicht beantworten, sondern bat um eine schriftliche Anfrage per E-Mail. Diese wollte er an die zuständigen Kollegen weiterleiten. Die schriftliche Anfrage erfolgte prompt, sie blieb aber bis heute unbeantwortet.

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