Hoffnung auf Lockerungen

Modellkommune Drensteinfurt: Erlbad und Fitnessstudios könnten öffnen

Erlbad Drensteinfurt, Foto Blossey
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7Ein Bild, das Sehnsucht weckt – nach Sonne, Wärme und Spaß. So wie auf diesem Foto aus einer früheren Saison wird es allerdings nicht im Erlbad zugehen, wenn es als Teil der Modellregion unter Corona-Bedingungen wieder öffnen darf.

Nach Monaten der Einschränkung gibt es in Drensteinfurt ein kleines Licht am Ende des Tunnels: Der Kreis Warendorf soll ab dem 19. April Modellregion für Lockerungen des Corona-Lockdowns sein.

Drensteinfurt/Kreis Warendorf – Was das konkret für die Bürger bedeutet, ist noch unklar, betonte Landrat Olaf Gericke am Freitag. Sicher aber ist: Flächendeckende Öffnungen von Geschäften oder Gastronomie wird es nicht geben. In den nächsten Tagen werde der Kreis das Konzept gemeinsam Fachleuten aus dem Wirtschaftsministerium und Wissenschaftlern präzisieren. 

Der Kreis hatte sich damit beworben, in einzelnen Kommunen unterschiedliche Angebote zu öffnen – in Drensteinfurt werden das die beiden Fitnessstudios und das Erlbad – allerdings erst ab Anfang Mai – sein. „Gerade die Betreiber von Fitnessstudios waren ja von dem Lockdown besonders getroffen“, sagte Drensteinfurts Bürgermeister Carsten Grawunder, der gespannt ist auf die wissenschaftliche Begleitung.

Was tatsächlich ab 19. April geöffnet wird, soll unter anderem am Montag in der Videokonferenz von Landrat Dr. Olaf Gericke mit den Bürgermeistern besprochen werden. Denn es stehen noch einige Fragezeichen im Raum: Zum einen darf die Sieben-Tage-Inzidenz nicht über 100 rutschen, zum anderen muss die wissenschaftliche Begleitung gewährleistet sein. „Schließlich wollen wir eine Blaupause dafür liefern, wie Öffnungen im Zeichen der Corona-Pandemie möglich werden“, sagte Bürgermeister Carsten Grawunder auf Nachfrage unserer Zeitung.

Fitnessstudios

Große Hoffnungen auf baldige Öffnungen gibt es vor allem in den Fitnessstudios. „Wir stehen in den Startlöchern“, sagt Vera Igelbrink, Besitzerin der „Wellness-Oase“, die zugleich für Shafiq Ibrahimi, den Betreiber des Fitnesscenters, spricht. „Alle wollen zurück zur Normalität und wir wollen unseren Beitrag dazu leisten“, sagt sie. „Wir kämpfen für die Branche und sehen uns sogar als Teil der Lösung“, versichert Igelbrink. Auch die Risikogruppen dürften dank eines ausgeklügelten Hygienekonzepts beruhigt kommen. „Wir sind gut vorbereitet mit unserem Hygienekonzept, das von Luftfilteranlagen, über Desinfektion bis zur Luca-App reicht“, informiert sie: „Wir wollen die Bürger und die Politik unterstützen.“

Erlbad

Im Erlbad laufen die Vorbereitungen genauso wie in den vergangenen Jahren, das allerdings turnusmäßig ohnehin erst Anfang Mai öffnet. „Dann wird das Bad startklar sein“, verspricht Schwimmmeister Andreas Willuweit. Aber auch dann muss die Außentemperatur stimmen: „Bei vier Grad öffnen wir nicht“, sagt Gregor Stiefel von der Stadt Drensteinfurt. Ab Mai werde kurzfristig über eine Öffnung entschieden. Andreas Willuweit ist optimistisch: „Unser Hygienekonzept steht und hat sich bereits im vergangenen Jahr gut bewährt. Ich bin sicher, dass alles gut läuft“, sagt der Schwimmmeister. Gerade weil sich alles draußen abspielt, ist er zuversichtlich.

Gastronomie

Die Entscheidung des Landes birgt aber auch Enttäuschungen – besonders für Gastronomen und alle, die endlich gerne wieder in ein Lokal und ein Restaurant gehen würden, und sei es im Außenbereich. Flächendeckende Öffnungen soll es laut NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart nicht geben. Das gehörte – Drensteinfurt betreffend – auch nicht zur Bewerbung des Kreises.

Bürgermeister Grawunder wirbt um Verständnis, dass die Wersestadt da noch außen vor ist. Für ihn ist eine spannende Frage, ob sich durch Gastronomie-Öffnungen möglicherweise ein „Tourismus“ in andere Kommunen entwickelt: Zur Bewerbung des Kreises gehören sechs Gaststätten in Beelen, und auch in Hamm, das zur zweiten Modellphase ab 26. April gehört, könnten Lokale öffnen. Ein „Tourismus“ ist laut Grawunder eigentlich nicht erwünscht, aber da sei die wissenschaftliche Begleitung umso wichtiger um nachzuvollziehen, was sich wie entwickelt.

Reaktionen von Gastronomen

Ob Sven Feseler seinen „Hammer Paot“ unter den aktuellen Vorzeichen überhaupt öffnen würde, wenn es möglich wäre, ist eher unsicher. Die schlechten Erfahrungen der letzten Lockerung sind ihm noch allzu gut im Gedächtnis. „Wenn ich mein Kühlhaus vollmache, kommt vielleicht wieder ein Lockdown“, zeichnet er ein düsteres Bild. Dann müsse er wieder alles wegwerfen: „Die Kunden wollen frisches Fassbier, was mache ich mit den angefangenen Fässern?“. Schon beim ersten Lockdown habe er fünf Fässer entsorgen müssen, beim zweiten waren es drei Fässer.

„Ich weiß nicht, was ich davon halten soll“, sagt er. Auch das Wetter spiele eine Rolle. „Wer will sich bei solchen Temperaturen unter der Woche abends nach draußen setzen?“, fragt er. Ob die Gäste bereit seien, sich testen zu lassen, sei eine weitere Unbekannte.

Von Euphorie ist auch bei Ulla Klimas nichts zu spüren – obwohl die Pächterin des Schlossbistros ganz klar sagt: „Wenn ich die Außengastronomie öffnen dürfte, wäre ich dabei.“ Aber das passe doch gar nicht zu dem von Ministerpräsident Armin Laschet geforderte „Brücken-Lockdown“. Dabei wäre es für sie eine Perspektive, wenigstens die Außengastronomie zu öffnen, allerdings würde sie zunächst nur mit Reservierung und eingeschränkter Speisekarte starten: „Ich möchte nicht alles einkaufen und dann brauche ich es nicht. Dieses Mal würde ich eine Öffnung vorsichtig angehen.“

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