Drei Generationen im Salon: Christoph Breer übernimmt Familiengeschäft

+
Maria Gehrmann (von links), Christoph Breer und Lea-Christin Caro vor dem Waschbecken des Großvaters im neuen Salon, der jetzt den Namen Christoph Breer trägt.

Seit vielen Jahren werden an der Dorfstraße 5 in Walstedde Haare geschnitten. Jetzt gibt es personelle und strukturelle Neuigkeiten von dort. Viele der Kunden kommen übrigens aus Hamm.

Walstedde – Zu Beginn war es der damalige gelernte Holzschuhmacher Eduard Bußhoff und spätere Bürgermeister der Gemeinde Walstedde, der nebenbei nicht nur Holzschuhe herstellte, sondern auch als Friseur in einem kleinen Raum den Ortsansässigen die Haare schnitt. 1954 eröffnete dann Friseurmeister Bernhard Gehrmann an gleicher Stelle einen Friseursalon für Damen und Herren.

Sein Enkel Christoph Breer, hat den Salon jetzt von seiner Mutter Maria Breer übernommen und führt das Friseurhandwerk damit in dritter Generation weiter. Am Samstag, 11. Januar, öffnet der 32-Jährige zum ersten Mal den Salon, der nach einer umfangreichen Sanierung hell und modern wirkt. Haare werden dann aber noch nicht geschnitten, statt dessen gibt es einen Begrüßungssekt und Fingerfood für alle Interessierten.

Damals, als Bernhard Gehrmann im neuen Salon Männern und Frauen die Haare schnitt und frisierte, tickten die Uhren noch etwas anders. Dass beiden Geschlechtern nebeneinander die Haare geschnitten wurden, war undenkbar. Die Damen befanden sich in abgetrennten Damenkabinen. Bernhard Gehrmann war dort alleine tätig. Unterstützung hatte er lediglich von einem Lehrling. Bis zu seinem Tod im Jahr 1980 war der Friseursalon an der Dorfstraße sein Reich. Dann übernahm seine Tochter Maria Gehrmann, die schon bereits im väterlichen Betrieb das Handwerk erlernt und seitdem in Ahlen in einem Salon gearbeitet hatte, den Laden. Drei Jahre später durfte sie sich nach Besuch der Meisterschule Friseurmeisterin nennen.

Blick in den Spiegel der Geschichte: Großvater Bernhard Gehrmann bei der Arbeit im Salon.

„Die Arbeit mit Menschen macht mir Spaß“

Bis zu vier Angestellte unterstützten sie in den Jahren bei ihrer Arbeit. 1984 ließ sie den Salon für ihre Kunden, die überwiegend aus Walstedde und Mersch kamen, komplett umbauen. Dass ihr Sohn Christoph eines Tages einmal in das Geschäft einsteigen sollte, stand nicht von Anfang an fest. Nach dem Realschulabschluss 2004 besuchte er zunächst die Fachoberschule Richtung Wirtschaft und Verwaltung, die er zwei Jahre später mit dem Fachabitur abschloss. „Da habe ich schnell gemerkt, das ist es nicht“, erinnert er sich.

Noch während des Schulbesuchs half er am Samstag im mütterlichen Laden aus und stellte fest: „Die Arbeit mit Menschen macht mir Spaß.“ Amüsiert gibt er zu: „Meine Freunde haben schon immer gesagt, dass ich eines Tages mal Friseur werde“.

Ausbildung bei kpOchs in Hamm

Vor seiner Ausbildung absolvierte er Praktika in verschiedenen Salons und konnte dann unter vielen Angeboten einen Ausbildungsplatz aussuchen. Im kpOchs-Betrieb von Susanne Herboth in Hamm begann er schließlich 2006 seine Ausbildung, die er 2009 mit Erfolg abschloss. Er besuchte Kurse und Schulungen und dann 2011 auch die berufsbegleitende Meisterschule. Im November des gleichen Jahres übertrug ihm seine Chefin die Leitung des Friseurgeschäftes in leitender Tätigkeit. Die Meisterprüfung legte er im Januar 2013 ab. Seitdem darf er auch Lehrlinge ausbilden. Besonders stolz ist er darauf, dass drei seiner Auszubildenden mit „sehr gut“ abgeschlossen haben und ausgezeichnet wurden. Gerade die Ausbildung junger Handwerker findet der Friseurmeister sehr wichtig. „Wir müssen das Handwerk für junge Menschen attraktiver machen“, sagt er und versichert später auch in Walstedde auszubilden zu wollen.

Zusätzlich wird seine Mutter Maria Gehrmann ihre Stammkunden weiter bedienen. Perspektivisch möchte er gerne für das Wochenende einen weiteren Angestellten einstellen.

„Ich habe da auch schon jemanden im Auge“, verrät er.

Ladenfläche saniert, Einrichtung neu

Die 65 Quadratmeter große Ladenfläche hat er nach eigenen Vorstellungen, in Eigenregie nur mithilfe von Handwerkern, Familie und Freunden saniert. Die Einrichtung habe er selber entworfen. Stolz fügt er an: „Hier hat auch das Waschbecken meines Großvaters von 1954 und der Friseurstuhl meiner Mutter aus dem Jahr 1984 einen Platz gefunden.“

Nach dem Umbau gibt es Frisierplätze für einen Herren und vier Damen. Das er sich jetzt für den Wechsel entschieden hat, bezeichnet Maria Breer als „genau den richtigen Zeitpunkt“. Sie selber könne jetzt kürzer treten und für den 32-Jährigen sind es neue Herausforderungen.

Der Jungfriseur hat bisher nur nach Terminvergabe seine Kunden bedient. Das möchte er auch im neuen Salon so handhaben. Für eine Übergangszeit können Kunden auch einfach so kommen, müssen aber mit Wartezeit rechnen. Neu eingerichtet hat er neben der telefonischen Terminvergabe die Online-Terminvergabe.

Überwiegend Kunden aus Hamm

Für die erste Woche ist sein Terminkalender bereits ausgebucht und das überwiegend mit Kunden aus Hamm. Breer hofft, dass viele Walstedder seinen Salon besuchen, aber auch etliche seiner Stammkunden aus Hamm, Ahlen, Beckum und Sendenhorst ihm die Treue halten. „Ich habe sogar drei Stammkunden, die aus München, Hamburg und Essen kommen“, freut er sich. Christoph Breer schaut optimistisch in die Zukunft. „Ich glaube, dass Qualität sich durchsetzt“, sagt er. „Die Kunden sind bei uns willkommen und sollen sich wohl fühlen“, sagt er zum Schluss. Darum gibt es auch eine professionelle Kaffeemaschine und das Angebot von Saft und Tee für die Kundschaft.

Der Friseursalon ist dienstags, mittwochs und freitags von 9 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. Am Donnerstag von 9 Uhr bis 20 Uhr und am Samstag von 9 Uhr bis 15 Uhr. Termine unter www.christophbreer.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare