Miese Freibadsaison

Drastischer Rückgang der Badegäste im Erlbad

Gut angenommen, aber bei Weitem nicht überfüllt: das Erlbad in Drensteinfurt im Corona-Jahr.
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Gut angenommen, aber bei Weitem nicht überfüllt: das Erlbad im Corona-Jahr.

Nur rund 30 000 Besucher kamen in der Saison 2020 ins Erlbad. Das ist deutlich weniger als 2019. Da waren es noch 102 236 Badegäste. Zudem gibt es Ärger rund um das neue Kassensystem.

Drensteinfurt – Schwimmmeister Andreas Willuweit hatte am vergangenen Donnerstag im Ausschuss für Schule, Sport und Kultur über die Lage berichtet. Trotz der niedrigen Zahlen sei das Konzept durch ein gutes Maß an erforderlicher Hygiene und Einschränkungen, gelungen. Im Großen und Ganzen seien keine Probleme aufgetreten, lediglich die Maskenpflicht habe manches Mal für Diskussionen gesorgt. Wenig erfreuliches gab es zum angekündigten neuen Kassensystem zu berichten: Es wurde bis heute nicht installiert, der Auftrag seitens der Stadt gekündigt. Ein Rechtsstreit über die Kosten läuft.

„Die Zahlen hören sich nach einem massiven Einbruch an“, gab Willuweit zu, erläuterte den Ausschussmitgliedern aber auch die Gründe. Das Bad habe deutlich später geöffnet, der Sommer sei, bis auf 14 Tage, relativ mies gewesen. Im Juni sei der Start mit knapp 6 000 Besuchern noch relativ gut gewesen angesichts der Corona-Pandemie. Im Juli kamen nur 8 400 Besucher, im August bisher 15 500 Badegäste. „Man sieht: Die Besucher kommen“, so Willuweit. Er habe das Gefühl, dass viele verunsichert seien und den Weg ins Erlbad erst wieder finden müssten. So fehlten noch immer etliche Stammgäste. Für 2021 prognostizierte Willuweit eine Beruhigung, eine Besucherzahleinschränkung werde es aber geben. Darum dürfe man auch in den nächsten Jahren keine Besucherrekorde erwarten.

Am Ende des Vortrags gab es viel positives Feedback seitens der Politiker. „Wir brauchen das Schwimmbad, denn im ,Homepooling‘ können Kinder nicht schwimmen lernen“, machte Ingo Stude (SPD) deutlich. Marc Harenkamp (Die Grünen) wollte wissen, warum das Buchungssystem gescheitert sei und ob ein neues Kassensystem angeschafft werden soll. „Wir haben bei einem namhaften Hersteller ein umfangreiches und attraktives Angebot erhalten, das obendrein auch schnell installiert werden sollte“, informierte Gregor Stiefel, Leiter des Fachbereichs 4 (Familien, Schulen, Sport und Soziales). Als dann das Kassensystem nach zehn Wochen noch immer nicht funktionierte, habe man den Auftrag storniert. Als Lösung seien die Eintrittskarten vor Ort verkauft worden. Mittlerweile habe man einen anderen Anbieter gefunden, der ein System anbietet, das bei der Dokumentation hilft und das von jedem problemlos genutzt werden könne, so Stiefel. Er hoffe, dass es zur nächsten Saison in Betrieb genommen werden könne.

Ein Ärgernis: das Kassensystem, das nicht funktioniert.

„Das Kassensystem anzuschaffen, war erst mal ein guter Gedanke, der aber gründlich in die Hose gegangen ist“, so Stiefel. Als sich die Installation verzögerte, hätte man das Bad öffnen können und händisch bezahlen lassen sollen“, erklärte Markus Wiewel (CDU). „Es werden manchmal falsche Entscheidungen getroffen“, erklärte Bürgermeister Carsten Grawunder. Insgesamt habe das Bad aufgrund der Probleme mit dem Kassensystem 14 Tage später geöffnet. Die Stadt beabsichtige, nicht für die Kassensysteme zu bezahlen, stattdessen denke man über Schadensersatz nach. Wer auf den Kosten sitzen bleibt, wird schließlich ein Rechtsstreit klären.

Erlbad bleibt ein Zuschussbetrieb

Mit coronoabedingter Verspätung stellte Willuweit den Erlbadbericht für das Jahr 2019 vor. Der Sommer sei gut gewesen, aber nicht so toll wie 2018. So wurden 18 411 Einzelkarten verkauft (2018 waren es 27 706) und 408 Zehnerkarten (519). Die Zahl der Saisonkarten ist auf 1 189 (1 144) gestiegen, 516 davon waren Familienkarten. Familientageskarten schlugen mit 1 306 (2 327) zu Buche. 517 Erwachsene und 258 Jugendliche nutzten im vergangenen Jahr den Spätschwimmertarif. 615 Sonnenliegen wurden verliehen, 2018 waren es ebenfalls 615. Damit sind die Einnahmen aus dem Eintritt des Erlbades mit 147 906 Euro im Vergleich zum Vorjahr (189 545 Euro) deutlich gesunken. 2019 fand außerdem ein Nachtschwimmen statt, im Kultursommer besuchten 250 Menschen das Kino am Abend. Es gab eine Autorenlesung und eine Auszeichnung als eines der zehn beliebtesten Bäder.

Die Ausgaben für Unterhaltungsmaßnahmen sind 2019 gestiegen, da größere Sanierungen durchgeführt wurden, sie betrugen 52 604 Euro. In diesem Zusammenhang wies Willuweit darauf hin, dass auch in den nächsten Jahren mit Ausgaben gerechnet werden muss. „Das Bad ist 20 Jahre in Betrieb“, erklärte er. So stehen 2021 die großen Umwälzpumpen auf der Agenda. Strom und Heizkosten seien konstant geblieben. Perspektivisch wird das Schwimmbad ein Zuschussgeschäft bleiben. So beliefen sich die Gesamtausgaben auf 446 523 Euro, was einen Zuschuss von 243 340 Euro erforderlich machte.

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