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Die Tafel ist am Limit: Arbeit und Bedarf haben sich drastisch erhöht

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Von: Mechthild Wiesrecker

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Engagieren sich für die Drensteinfurter Tafel: (von links) Vera Wimber, Fatma Anasme, Ute Pfeiffer, Margret Salzwedel, Petra Holler-Kracht und Christine Nielsch.
Engagieren sich für die Drensteinfurter Tafel: (von links) Vera Wimber, Fatma Anasme, Ute Pfeiffer, Margret Salzwedel, Petra Holler-Kracht und Christine Nielsch. © Wiesrecker

Erst Corona, dann der Krieg, die Energiekrise, gestiegene Kosten und ein vermehrter Anstieg von Flüchtlingen haben die Tafel an ihr Limit gebracht. Und doch machen die Mitarbeiter immer weiter, weil sie sehen: Die Hilfe wird dringend gebraucht und kommt an.

Drensteinfurt – Bevor Petra Holler-Kracht Zahlen und Fakten nennt, muss sie ein großes Lob an die Drensteinfurter Bevölkerung loswerden. „Als der Ansturm der Menschen aus der Ukraine kam, haben die Leute extrem gespendet, besonders viele Barspenden“, sagt die Mitarbeiterin des Tafel-Vorstands dankbar und gibt zu: „Das macht uns Mut weiterzukämpfen.“ Ein Kampf sei es in der Tat – vor allen Dingen am Dienstag, dem einzigen Ausgabetag. Da kämen so viele Bedürftige in den Laden, dass man am Limit sei. Bedauerlicherweise könne das Team keinen weiteren Tag aufmachen. „Dafür brauchen wir 20 Helfer mehr“, sagt sie.

Denn allein am Dienstag sind 20 Helfer im Einsatz, um die Ausgabe zu managen. Zusätzlich wird am Freitag, Samstag und Montag und manchmal auch an anderen Tagen unter der Woche Ware abgeholt – meistens aus der Umgebung, manchmal auch von weiter weg. Helfer werden also immer gesucht. Nicht jeder der 30 hoch motivierten Mitarbeiter sei immer einsatzbereit.

200 Bedarfsgemeinschaften

Inzwischen sind es 200 Bedarfsgemeinschaften, hinter denen sowohl Einzelpersonen als auch Familien stehen, die in den Laden kommen. Die Hälfte von ihnen sind Ukrainer. Jeden Dienstag kämen vier bis fünf neue Tafelberechtigte dazu. „Ich habe gehört, dass noch 30 weitere Flüchtlinge aus aller Welt erwartet werden“, sagt Holler-Kracht.

Durch den Flüchtlingsstrom aus der Ukraine hätten sich die Arbeit und auch der Bedarf an Lebensmitteln drastisch erhöht. Aus diesem Grund hat der Vorstand eine weitere Möglichkeit installiert, um der Tafel Lebensmittelspenden zukommen zu lassen. Im Eingangsbereich der K+K-Märkte in Walstedde und Rinkerode (demnächst auch Drensteinfurt) und bei Rewe – dort von der Kasse aus sichtbar – stehen Drahtkörbe, in denen Mehl, Zucker, Nudeln, Reis, Konserven und andere haltbare Lebensmittel für die Tafel abgelegt werden können. Die Behälter werden dienstags, donnerstags und samstags geleert. „Wir bedanken uns schon mal bei allen Spendern“, sagt Rudi Naerger. Demnächst wird ein großes Schild hinter den Behältern deutlich auf deren Nutzung hinweisen. „Wir arbeiten daran“, berichtet er. Kisten und Schilder hat der zweite Vorsitzende Hubert Gregorius in Eigenarbeit gebaut. Um Ostern herum wird es auch wieder die Aktion „Kaufe zwei, spende eins“ geben.

Körbe für die Tafel gibt es im Eingangsbereich des K+K in Walstedde.
Körbe für die Tafel gibt es im Eingangsbereich des K+K in Walstedde. © Wiesrecker, Mechthild

Seit der ersten Einrichtung bis heute fehle es der Tafel immer an Geld. „Wir haben allein 1300 Euro Mietkosten plus Nebenkosten wie Strom und Wasser, Versicherung und Wartung. Die Summe belaufe sich ungefähr auf monatlich 2000 Euro. Hinzu kommen immer mal wieder Anschaffungen. „Jetzt brauchen wir ein neues E-Auto“, sagt Naerger. Der kleine Flitzer reiche nicht aus. Oft komme es zu Überschneidungen und wenn das einzige Auto in Reparatur sei, gebe es ein Problem. Um die erneute Anschaffung finanzieren zu können, hofft der Tafel-Vorstand wieder einmal auf Sponsoren.

Wenn Rudi Naerger Richtung Tafel Sendenhorst blickt, wird er wehmütig. „Die Stadt Sendenhorst hat die Notwendigkeit der Tafel erkannt, ihnen eine Halle zur Verfügung gestellt und die Kosten für Strom und Heizung übernommen.“

Die Stadt Sendenhorst hat die Notwendigkeit der Tafel erkannt, ihnen eine Halle zur Verfügung gestellt und die Kosten für Strom und Heizung übernommen.

Rudi Naerger

Davon träumt der Tafelvorstand. Stattdessen muss er sich einer weiteren Realität stellen. „Die Räume hier sind schlicht zu klein“, sagt Naerger. Man habe bereits eine Garage als Zwischenlager angemietet, aber das sei sehr unpraktisch. So kommt es immer wieder vor, dass unvorhergesehen ein Lebensmittel besonders nachgefragt wird, das extra aus dem Außenlager geholt werden müsse. „Das sind Fahrten, die nicht notwendig wären, hätten wir eine ausreichend große Halle“, so Naerger.

Eine Lösung ist nicht in Sicht. Noch gut ist Petra Holler-Kracht und Rudi Naerger die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten in Erinnerung und auch das Gefühl, dass niemand sie haben wollte. Zumindest das hat sich geändert. „Wir fühlen uns akzeptiert und wertgeschätzt und sind für die große Unterstützung dankbar“, bestätigen die beiden.

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