Schnelltest mit Hindernissen

Die Angst vor Corona: Eine pflegende Angehörige über den dringenden Bedarf an einem Coronatest

„So ein Corona-Schnelltest wie hier ist toll, den müsste es überall geben“: Josephine Erdmann (links) landete auf ihrer verzweifelten Suche nach einem Corona-Test bei Elisabeth Manteufel vom Projekt „Miteinander und nicht allein“ und bekam schnell Hilfe.
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„So ein Corona-Schnelltest wie hier ist toll, den müsste es überall geben“: Josephine Erdmann (links) landete auf ihrer verzweifelten Suche nach einem Corona-Test bei Elisabeth Manteufel vom Projekt „Miteinander und nicht allein“ und bekam schnell Hilfe.

„Hab’ ich mich jetzt infiziert?“ Die Antwort auf die Frage kann in Coronazeiten drängend sein. So wie bei Josephine Erdmann. Die Drensteinfurterin pflegt ihre Eltern.

Drensteinfurt/Hamm – Die 95-jährige Mutter hat die höchste Pflegestufe und ist bettlägerig. Der 93-jährige Vater hat Pflegstufe 3. Sie gehören zur Risikogruppe. Sie leben in Hamm-Osten. Fünf Mal in der Woche ist die 42-jährige Tochter bei ihnen. Um die Ansteckungsgefahr möglichst zu reduzieren, haben sie und ihr Mann sowie die drei Kinder ihre „Kontakte drastisch eingeschränkt“. Und dann passierte fast doch das, was verhindert werden sollte. Die 18-jährige Tochter hatte Kontakt mit einer an Corona erkrankten Person.

„Dann fängt die Gedankenmühle richtig an zu laufen“, sagt Josephine Erdmann. Die Angst ließ sie nicht mehr los. Sorgen. Schlaflose Nächte. All das zusätzlich zu den hohen Anforderungen der Pflege. Hat sich ihre Tochter angesteckt und sie vielleicht auch noch?

Pflege oder Quarantäne wegen Corona

„Die Angst fährt mit“, erinnert sie sich an die Fahrten von Drensteinfurt zum Hammer Osten. Um sich hatte sie keine Angst, aber um ihre Eltern. Dabei geht es nicht nur darum, dass sie sie anstecken könnte. Was wäre, wenn sie sie, von jetzt auf gleich, nicht mehr pflegen könnte und in Quarantäne müsste?

Wer seinem Beruf nachgeht, wird krankgeschrieben. „Aber für jemanden, der einen Angehörigen pflegt, ist das ein riesen Unterschied“, sagt sie und bringt das Problem auf den Punkt: „So einfach lässt sich eine Pflege von jetzt auf gleich nicht umstrukturieren.“ Da sind Einkäufe zu organisieren, in ihrem Fall für zwei Haushalte. Bedarfsmaterial für die Eltern war unterwegs. Wie sollte es dahin transportiert werden? Einkäufe in der Apotheke waren für die privatversicherten Eltern zu erledigen. Und überhaupt: Wer übernimmt sofort die Pflege? Wer positiv getestet worden ist, muss sofort nach Hause in Quarantäne. Viele drängende Fragen. „Ich war in einem fürchterlichen Schwebezustand“, sagt Josephine Erdmann.

Kostenloser Schnelltest für pflegende Angehörige

Der berufstätige Ehemann wurde krankgeschrieben und getestet. So wie ihre Tochter auch. Aber sie? Einen Corona-Test hätte sie gern aus eigener Tasche bezahlt. Die Gewissheit war ihr wichtig. Aber erst einmal musste sie einen Termin bekommen. Beim Hausarzt sei sie trotz hartnäckiger Versuche nicht durchgekommen, sagt sie.

Auf ihrer schon verzweifelten Suche, wie es weitergehen könnte, stieß sie endlich auf die Berichterstattung im Westfälischen Anzeiger über den kostenfreien Schnelltest in der Mark in Hamm. Das vom Land geförderte Projekt „Miteinander und nicht allein“ im Rahmen eines Pilotprojekts bietet pflegenden Angehörigen und Pflegebedürftigen kostenfreie Teilnahmen an Corona-Schnelltests im DRK-Senioren-Stift Mark in Hamm an.

Corona-Schnelltest mit Hindernissen

Josephine Erdmann rief an. „Drensteinfurt?“, dachte sich Elisabeth Manteufel, Projektleiterin von „Miteinander und nicht allein“, und befürchtete zunächst, ihr nicht helfen zu können. Das schien ihr umso schlimmer, weil sie merkte, in welcher Not sich die Anruferin befand.

Aber weil die Eltern im Hammer Osten wohnen, war schließlich alles klar. Josephine Erdmann konnte bereits am folgenden Tag kommen. „Als der Schnelltest dann negativ war, war der Tag für mich gerettet und ich hatte Gewissheit, dass ich zu meinen Eltern fahren kann“, sagt sie.

Schnelltests jetzt auch in der Wellness-Oase

Auch der Test der Tochter war negativ. So erleichternd die Ergebnisse auch sind, „in so eine Situation kann man ganz schnell wieder kommen“, meint sie. Ihr Fazit: „So ein Corona-Schnelltest wie hier ist toll, den müsste es überall geben“, sagt sie über das Angebot im DRK-Senioren-Stift. „Es gibt sicherlich viele, die es brauchen könnten, nicht nur im Hammer Osten.“

Seit Anfang des Monats bietet auch die Wellness-Oase an der Raiffeisenstraße in Drensteinfurt in Zusammenarbeit mit Hausärztin Dr. Elisabeth Koch immer freitags von 16 bis 18 Uhr Corona-Schnelltests an. Wer sich testen lassen will, muss vorher unter Telefon 02508/997635 in der Wellness-Oase einen Termin vereinbaren. Pro Schnelltest stehen etwa 15 Minuten zur Verfügung. Der Test kostet 30 Euro. Das Ergebnis erhalten die Getesteten in der Regel nach 20 Minuten.

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