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Das sagen Händler und Kunden des Wochenmarkts zu den gestiegenen Preisen

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Von: Angelika Knöpker

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Sind mit ihren Ständen auf dem Wochenmarkt vertreten: Hubertus Beckmann (von links), Vinzenz Kuhl und Ramadan Falkus.	Fotos: Knöpker
Sind mit ihren Ständen auf dem Wochenmarkt vertreten: Hubertus Beckmann (von links), Vinzenz Kuhl und Ramadan Falkus. © Knöpker

Steigende Lebensmittelpreise und die Aussicht auf einen „heißen Herbst“ bei den Energiekosten verunsichern die Verbraucher. Schnallen sie jetzt den Gürtel enger, verzichten gar auf lieb gewonnene Speisen und Getränke. Der WA hat Kunden und Händler auf dem Wochenmarkt befragt.

Drensteinfurt – Erika Tettenborn liebt den Einkauf am Stand von „Barbaras Käsespezialitäten“. Sie lobt die große Auswahl und vor allem die netten Gespräche mit der Inhaberin, die seit zehn Jahren zu den regelmäßigen Beschickern zählt. Trotzdem räumt Tettenborn ein: „Ja, die Stücke lasse ich jetzt kleiner schneiden und fange so die Preissteigerung auf.“ Für Inhaberin Barbara Otto zählt die Kundentreue. „Die Leute kommen bewusst zu mir, auch weil sie hier viele Bioprodukte finden“, sagt sie.

Gegenüber hat Robert Hagemann Kartoffeln, Zwiebeln und Eier im Sortiment. Der 79-Jährige hat die Preise zuletzt Anfang des Jahres erhöht, als die Ukraine-Krise noch nicht präsent war. „In dieser Zeit haben die Bäcker ihre Preise bereits verdreifacht, die nächste Preissteigerung steht bevor“, ärgert er sich über die hohen Kosten für Brotprodukte. Dass nicht alle Händler ihre Waren auszeichnen, ist ihm einen weiteren Kritikpunkt wert. „Hier müsste mal das Ordnungsamt einschreiten“, fordert der rüstige Geschäftsmann.

Die Stücke lasse ich jetzt kleiner schneiden und fange so die Preissteigerung auf.

Erika Tettenborn

Oliven und Feinkost gibt es einen Stand weiter bei Ramadan Falkus. Auch er kann weiterhin auf eine treue Kundschaft setzen, die außer aus Drensteinfurt aus Ahlen, Ascheberg, Coesfeld, Lippborg und Lüdinghausen kommt. Die moderate Preiserhöhung sei für ihn kein Problem, versichert Falkus. Qualität setze sich durch und dafür zahle der Kunde gern einen guten Preis.

Imker Hubertus Beckmann hat die Preise für Honig und Honigprodukte nicht erhöht. Mit drei Millionen Bienen in 100 Völkern zählt der Agraringenieur zu den Eigenvermarktern mit den meisten Nutztieren. „Ich hoffe, dass die Umsätze nicht zurückgehen“, sagt er und wünscht sich, dass die Geschäfte zum Herbst und Winter wieder so richtig laufen. Er kritisiert die Lebensmittelpreise, die in Deutschland EU-weit am niedrigsten sind. Es sei ein Skandal, dass die Fütterung der Schweine Vorrang habe vor den hungernden Menschen in Afrika, sagt er. Das kratze an der christlichen Moral der Gesellschaft.

Die Leute kommen bewusst zu mir, auch weil sie hier viele Bioprodukte finden.

Barbara Otto

Anna van Klaveren und Tochter Daniela gönnen sich am Stand von Feinkost Vinzenz Kuhl Aufschnitt. „Am Genuss von Fleisch, Käse und Wurst sparen wir nicht, dafür am Strom“, sagen sie, ziehen neuerdings nach jedem Gebrauch elektrischer Geräte den Stecker oder schalten die Steckerleiste aus.

Inhaber Vinzenz Kuhl hat die Erfahrung gemacht, dass Kunden jetzt bewusster und zielgerichteter einkaufen. 80 statt 100 Gramm fangen die Preissteigerung auch in seinem Bereich auf.

In dieser Zeit haben die Bäcker ihre Preise bereits verdreifacht.

Robert Hagemann

Eine 74-jährige Drensteinfurterin, die nicht namentlich genannt werden möchte, schaut jedes Wochenende gezielt nach Angeboten und geht dann einkaufen. „So kann ich sparen und muss doch nicht auf Liebgewordenes verzichten“, sagt sie.

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