Konserven und Nudeln heiß begehrt

Coronavirus: Drensteinfurt zwischen Hamstern und Vorsicht

Martina Schoregge-Gräber, Filialleiterin des Lebensmitteldiscounters K&K in Walstedde, kniet vor einem Regal, in dem das preiswerte Mehl komplett ausverkauft ist.
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Martina Schoregge-Gräber, Filialleiterin des Lebensmitteldiscounters K&K in Walstedde, kniet vor einem Regal, in dem das preiswerte Mehl komplett ausverkauft ist.

Die gute Nachricht: Einen Coronarinfizierten gibt es in Drensteinfurt noch nicht, doch die Sorge um eine mögliche Ansteckung macht auch vor der Wersestadt nicht halt.

Drensteinfurt/Walstedde – Zunehmend finden sich in den Geschäften der Stadt Drensteinfurt und dem Umland leere Regale. Desinfektionsprays, desinfizierende Seifen und Atemmasken sind schon seit einiger Zeit weder in den Läden noch auch in Apotheken zu bekommen und werden im Moment auch nicht nachgeliefert. (Hier klicken für aktuelle Infos im WA.de-Ticker.)

Bund, Land, Kreis, Apotheker und nicht zuletzt auch Bürgermeister Carsten Grawunder geben Empfehlungen an die Hand, wie sich der Einzelne verhalten sollte, um eine Pandemie zu vermeiden.

Von verhaltenen Hamsterkäufen spricht Martina Schoregge-Gräber, Filialleiterin beim Lebensmitteldiscounter K&K in Walstedde. „Wir füllen morgens die Regale voll und abends sind sie total leer“, sagt sie. Die Rede ist von Konservensuppen, preiswertem Mehl, Nudeln, Reis und Toilettenpapier. Für den Discounter sei das kein Problem denn „die Lager sind voll, zudem kann Ware nachgeliefert werden, haben die Lieferanten signalisiert“, informiert Schoregge-Gräber.

Anders sehe das bei Desinfektionsmitteln, desinfizierenden Seifen und Hygienewaschmittelpulver aus. „Diese Produkte gab es schon in der vergangenen Woche nicht mehr und sie sind im Moment auch nicht zu bekommen“, teilt die Filialleiterin mit. Die Menschen hätten Panik, dass es wegen Hamsterkäufen bald nichts mehr zu kaufen gibt, so ihr Eindruck.

Apothekerin gegen Panik

„Die Drensteinfurter sind gelassen“, so die ganz andere Wahrnehmung von Apothekerin Kerstin Kämmerer von der Wagenfeld-Apotheke. Sie sind eher genervt als überängstlich, glaubt sie. Und doch sind Desinfektionsmittel und Atemmasken auch hier schon lange vergriffen und ebenso nicht lieferbar.

„Unserer Aufgabe ist es, den Menschen zu erklären, dass gründliches Händewaschen genauso viel bewirkt wie eine Händedesinfektion“, erklärt sie. Man müsse es nur richtig machen. Das bedeute mindestens 20 Sekunden Waschzeit und dabei Finger-Zwischenräume und Nägel nicht vergessen.

Das Fach mit den Desinfektionsmitteln in der Wagenfeld-Apotheke in Drensteinfurt kann schon längere Zeit nicht aufgefüllt werden, berichtet Apothekerin Kerstin Kämmerer.

Panik sei nicht angebracht, wohl aber eine gesunde Vorsicht. Besonders Patienten mit Vorerkrankungen sollten große Menschenansammlungen meiden. Wer einen schwerkranken Angehörigen pflegt, sollte sich zuvor besonders gründlich die Hände waschen.

Atemmasken hält die Apothekerin für wenig sinnvoll. Sie helfen eher dabei, eigene Keime nicht auf andere zu übertragen, erklärt sie.

Desinfektionsspender in Gebäuden der Stadt

In einem offenen Brief hat auch Bürgermeister Carsten Grawunder die Bevölkerung über städtische Maßnahmen informiert. Sämtliche städtischen Gebäude werden mit zusätzlichen Desinkfektionsmittelspendern an den Eingangsbereichen ausgestattet und mit Hinweistafeln für ein effizientes Desinfizieren versehen. In den Schulen werde darauf verzichtet, da die Desinfektionsmittel hochentzündlich seien. Versorgt werden aber die Sportbereiche.

Die Mitarbeiter in publikumsintensiven Bereichen der Verwaltung werden Desinfektionstücher erhalten und gebeten, die von Bürgern genutzten Dinge (Kugelschreiber, Fingerabdruckscanner, etc.) in Eigenregie regelmäßig zu desinfizieren. Alle benötigten Materialien sind bereits bestellt.

„Den Tageseinrichtungen für Kindern, die alle nicht in städtischer Trägerschaft sind, können wir auf dortigen Wunsch entsprechend helfen. Allerdings muss von dort die Gefährdungsbeurteilung erfolgen“, heißt es in dem Brief.

Mundschutz immer teurer

Darüber hinaus werde die Stadtverwaltung für bestimmte Arbeitsbereiche Mundschutzmasken bestellen. „Die geeigneten Masken der Schutzklasse FFP3, die eventuell etwas bringen, sind aktuell kaum zu beschaffen und bei unserem bisherigen Lieferanten von 1,22 Euro auf 12 Euro pro Stück gestiegen“, erklärte Grawunder. Jedoch seien geeignete Masken ohnehin im Bestand, die zunächst für ein paar Tage reichen.

Den Mitarbeitern sind Verhaltensregeln an die Hand gegeben worden. Das Reinigungspersonal wurde angewiesen, besondere Bereiche, die häufig mit den Händen benutzt werden, intensiver zu reinigen. „Hier wird geprüft, ob das bisher verwendete Reinigungsmittel bereits ausreichend Viren beseitigt oder ob es eines Austausches bedarf“, so der Bürgermeister.

Krisenstab tagt regelmäßig

Ganz aktuell gibt es noch eine beruhigende Nachricht aus dem Kreishaus in Warendorf. Regelmäßig treffen sich Vertreter der Ordnungsämter in einem Arbeitskreis zu einer Krisensitzung. „Im Moment gibt es im ganzen Kreis nicht einen Fall von Corona“, versicherte der Drensteinfurter Ordnungsamtsleiter Martin Brinkötter am Dienstag.

Der Kreis habe die Kommune angewiesen, Ruhe zu bewahren, auch für den Fall der Fälle. Weiter legte er nahe, sich an die Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes zu halten. Und die lauten:

  • Gute Händehygiene,
  • Husten und Niesen in die Armbeuge,
  • möglichst nicht so oft ins Gesicht fassen,
  • von Menschen Abstand halten, die sichtbar unter einer Atemwegserkrankung leiden.

Info-Telefon für Bürger:

Aus aktuellem Anlass schaltet die Bezirksregierung Münster ab morgen, 4. März, ein Info-Telefon zur Beantwortung schulspezifischer Fragen im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Das Info-Telefon ist unter 0251/411-4198 montags bis freitags in der Zeit zwischen 8 Uhr und 16 Uhr erreichbar. Bei Gesundheitsfragen sollen die Bürger das ServiceCenter der Landesregierung unter 0211/9119-1001 (montags bis freitags zwischen 8 und 18 Uhr) oder die für sie zuständigen Gesundheitsämter kontaktieren.

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