Reaktion auf aktuelle Entwicklung

Coronavirus in Drensteinfurt: Dringender Appell von Bürgermeister Grawunder

Bürgermeister Grawunder lässt die aktuelle Corona-Entwicklung nicht kalt.
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Bürgermeister Grawunder lässt die aktuelle Corona-Entwicklung nicht kalt.

Drensteinfurts Bürgermeister Carsten Grawunder reagiert mit einer persönlichen Stellungnahme auf die Tatsache, dass aktuell „vermehrt Beschwerden bei mir über eine unzureichende Informationsweitergabe eingegangen sind“. Es geht - natürlich - um Corona.

Hier die Stellungnahme im Wortlaut:

„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

der seit langem erwartete Anstieg der Zahl der Menschen, die sich nachweislich mit dem Corona-Virus angesteckt haben, ist seit dem vergangenen Wochenende in Drensteinfurt deutlich spürbar. Im Kreis Warendorf zählen wir neben Ahlen und Sendenhorst im Moment zu den Städten mit der größten Steigerungsrate. Seit gestern liegt die Zahl der akut erkrankten Personen bei 14. Ärgerlich ist dabei in besonderem Maße, dass wir einen Teil der Infektionen auf sorglosen Umgang Einzelner mit den aktuellen Risiken zurückführen müssen. Die Gefahr einer Ansteckung ist noch lange nicht vorbei und sie war es auch nie. Wir hatten nur das enorme Glück, dass sich die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger achtsam verhalten hat, die ergriffenen Maßnahmen offensichtlich ihre gewünschte Wirkung entfaltet haben und dass wir uns über den Sommer natürlich sehr viel draußen aufgehalten haben. Und wenn wir uns drinnen aufhalten mussten, dann haben wir immer gut gelüftet.

Jetzt werden die Tage kürzer, die Temperaturen sinken. Wir sind zwangsläufig mehr in geschlossenen Gebäuden und das regelmäßige Lüften fällt vielen zunehmend schwerer. Das muss dann aber zwangsläufig auch zur Folge haben, dass wir noch besser auf die Abstände achten und unsere Mund-Nasen-Bedeckung tragen, wo der Abstand nicht eingehalten werden kann. Und wie eigentlich schon seit Beginn der Pandemie gilt es, sich zu fragen, welche Zusammenkünfte sein müssen und auf welche ich verzichten kann. Natürlich fällt es zunehmend schwer, die Einschränkungen zu ertragen. Und Psychologen weisen zurecht darauf hin, dass auch mangelnde Sozialkontakte zu gesundheitlichen und seelischen Schäden führen können. Dennoch gilt es, immer gut abzuwägen, und das, was nicht zwingend sein muss, einfach noch für eine Zeit lang zu unterlassen und aufzuschieben. Wenn es uns auf diesem Wege nicht gelingt, die Ausbreitung von Covid-19 deutlich zu verlangsamen, dann werden behördliche Maßnahmen unvermeidbar sein.

Behördlicherseits wird es dann weitere Einschränkungen geben, wenn die Gesundheitsbehörden, das sind für Drensteinfurt das Kreisgesundheitsamt, die Bezirksregierung Münster sowie das Gesundheitsministerium des Landes NRW, zu dem Schluss kommen, dass Handlungsbedarf besteht. Hierzu dient unter anderem zunächst der sog. 7-Tage-Inzidenz-Wert. In der Corona-Schutz-Verordnung (kurz: CoronaSchVO) des Landes NRW ist geregelt,

  • „dass die Gesundheitsämter mit Unterstützung des Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG) fortlaufend das lokale, regionale und landesweite Infektionsgeschehen beobachten, wobei die 7-Tage-Inzidenz ein wesentlicher Indikator ist. Sobald die 7-Tage-Inzidenz in einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt über 35 steigt, müssen die betroffenen Kommunen, das LZG und die zuständige Bezirksregierung umgehend weitere konkrete Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens abstimmen und umsetzen. Wenn das Infektionsgeschehen nicht ausschließlich auf bestimmte Einrichtungen oder ähnliches zurückzuführen und einzugrenzen ist, können dabei auch über diese Verordnung hinausgehende Schutzmaßnahmen angeordnet werden.
  • Ab einer 7-Tage-Inzidenz von 50 sind zwingend zusätzliche Schutzmaßnahmen anzuordnen. In diesen Fällen muss auch das Gesundheitsministerium in die Beratungen einbezogen werden.“

Dieser Inzidenz-Wert wird also auf unterster Gebietsebene auf der Ebene der Kreise und kreisfreien Städte erhoben. Das bedeutet, dass auch wenn die Infektionszahlen in einer kreisangehörigen Gemeinde sehr hoch sind, hieraus kein Inzidenz-Wert gebildet wird. Das ließe sich auf Grund der sehr unterschiedlichen Größen der Städte und Gemeinden in Deutschland gar nicht mehr für die Bürgerinnen und Bürger nachvollziehbar in diesen Räumen darstellen. Betrachten wir einmal beispielsweise eine Splittersiedlung mit bis zu 2.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Hier wäre bei der ersten akut erkrankten Person bereits der Inzidenz-Wert von 50 erreicht und es müsste in einem Ortsteil, indem wahrscheinlich weit überwiegend Einfamilienhäuser bewohnt werden, vielleicht eine kleine Kapelle und noch ein oder zwei Landgasthöfe vorhanden sind, alles wieder eingeschränkt werden. Hier reicht es vielmehr aus, die betroffene Person unter Quarantäne zu stellen und eine intensiver Kontaktnachverfolgung zu betreiben. Dazu dienen die vielen Listen, die wir derzeit vielerorts ausfüllen müssen. Dies kann aber nur effektiv sein, wenn es auch gewissenhaft erfolgt…

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung bitte ich Sie eindringlich: Beachten Sie die AHA-Regeln mit ABSTAND – HYGIENE – ALLTAGSMASKE. Mittlerweile haben wir noch ein L für LÜFTEN und ein C für CORONA-WARN-APP angefügt. NUR bei Anwendung dieser Verhaltensregeln und Empfehlungen kann es uns noch gelingen, die Ausbreitung von SARS-Cov2 einzudämmen.

Vielen Dank - Ihr Carsten Grawunder (... und werden oder bleiben Sie gesund!)„

 

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