Coronavirus in Drensteinfurt: Einsamer Abschied am Grab

Bestatter Guido Heimken führt die Gespräche zur Abwicklung der Beerdigung in der Regel persönlich im ganz kleinen Kreis durch.
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Bestatter Guido Heimken führt die Gespräche zur Abwicklung der Beerdigung in der Regel persönlich im ganz kleinen Kreis durch.

Wer in den Tagen der Corona-Pandemie in Drensteinfurt einen geliebten Menschen beerdigen muss, kann seine Trauer nicht einfach in Quarantäne verordnen.

Drensteinfurt – Den Betroffenen bleibt derzeit nur der einsame Abschied am Grab, ohne den so nötigen Trost von Freunden, Nachbarn und Familie. Pfarrer Jörg Schlummer von der katholischen St.-Regina-Gemeinde bestätigt die schwierige Situation: „Für die Menschen ist das im Moment nicht einfach, und doch ist es gut, dass Beerdigungen stattfinden dürfen. Sie aufzuschieben bis nach dem 19. April wäre schrecklich“, sagt er. „Es ist gut, eine Beerdigung zeitnah durchzuführen“, so sein Eindruck.

Der Seelsorger richtet sich nach den Trauernden, ob die Trauergespräche per Telefon oder persönlich geführt werden sollen. „Ich komme auch gerne ins Haus, das ist uns auch nicht verboten“, macht er deutlich. Auf dem Friedhof hielten sich die Angehörigen diszipliniert an die maximale Menge von 20 Personen. Er beobachte schon mal Nachbarn und Freunde in weiter Entfernung auf dem Friedhof. „Es ist bedauerlich, denn auch sie haben das Bedürfnis, Abschied zu nehmen“, resümiert er.

20 Personen dürfen maximal dabei sein

Er habe den Betroffenen angeboten, auf Wunsch später die Feier nachzuholen, vielleicht beim Sechswochenamt, Jahresamt oder einer anderen Gelegenheit. Dann könnten Nachbarn und Freunde noch einmal zusammenkommen und der Verstorbene zum Beispiel nach dem Gottesdienst gewürdigt werden.

Bestatter Guido Heimken bestätigt die Worte des Pfarrers. „Für die Angehörigen ist das absolut traurig, dass nicht alle daran teilnehmen können“, sagt er und informiert: „20 Personen dürfen es maximal sein, je weniger, desto besser.“ Vor der Trauerhalle hat er die Utensilien aufgebaut, ein Ständer für die Urne, Kerzenhalter und Dekoration. Die Nutzung der Trauerhalle sei auf Anordnung verboten. Die Feier nachzuholen, empfinde er eher nicht als sinnvoll. „Die Trauer ist im Moment am Größten, das kann man in ein paar Monaten nicht zurückholen“, macht er deutlich.

Krankenhäuser wie Hochsicherheitsbereich

Die Gespräche zur Abwicklung der Beerdigung führt der Bestatter in der Regel persönlich im ganz kleinen Kreis durch. „Für die Emotionen ist es besser, und dann muss ja auch der Sarg ausgesucht werden, das geht telefonisch nicht wirklich gut“, meint er. Dennoch sei es per Telefon oder online natürlich möglich. Schwierig ist für ihn in diesen Tagen auch die Abwicklung der Formalitäten. „Die Standesämter haben sich zurückgezogen, alles läuft distanziert ab“, so seine Wahrnehmung.

Auch die Abholung der Verstorbenen am Krankenhaus habe sich verändert. „Die Krankenhäuser sind wie Hochsicherheitsbereiche“, meint er. Er müsse zunächst etliche Fragen beantworten, ehe er überhaupt rein dürfe. Bisher habe er noch keinen Toten, der an Corona verstorben sei, beerdigt, er hoffe, dass es auch so bleibe. Falls nicht, gelten dann für die Beerdigung besondere Bestimmungen.

Für Pfarrerin Angelika Ludwig von der evangelischen Mirjam-Gemeinde stellt sich die derzeitige Beerdigungssituation als chaotisch da. „Bei jeder Beerdigung muss ich erst den Stand der Dinge herausfinden“, berichtet die Pastorin. Die Kommunen, die Kreise und die Bestatter seien sich nicht einig. „Es ist das totale Chaos“, sagt Ludwig, sie habe mit drei Kommunen, zwei Kreisen und der Landeskirche zu tun.

Hart und traurig für die Angehörigen

Die Beerdigungen empfinde sie als hart und traurig für die Angehörigen, aber im Interesse des Schutzes der Bevölkerung gehe es leider nicht anders.

Trauergespräche führe sie telefonisch durch, wenn sie aber spüre, dass da erhöhter Seelsorgebedarf ist, bittet sie die Trauernden zu einem Gespräch in den Gemeindesaal. „Ich gehe nicht in die Häuser, das ist mir von der Landeskirche verboten“, stellt sie klar. Die Kirche wolle ihre Pfarrer schützen. Sie vermutet, dass die Zahl der Beerdigungen in der nächsten Zeit steigen wird.

In Ascheberg habe die Kommune entschieden, dass die Trauerfeier in der Trauerhalle stattfinden darf. Es werde gelüftet und die Stühle wurden ausgedünnt, das genüge als Schutz so die Argumentation der Stadt, berichtet Ludwig. 20 Personen erlaubt die Kommune, zehn wünsche sich die Landeskirche, der Bestatter-Verband Unna sagt ebenfalls zehn. „Es ist bei jeder Beerdigung anders und das ist anstrengend“, resümiert sie. Sie wünsche sich hier eine allgemeingültige Einigung.

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