Corona lässt Senioren vereinsamen

KAB, Caritas und Co. können in Drensteinfurt seit Monaten nichts mehr für Ältere anbieten

Treffen der Caritas-Senioren im Alten Pfarrhaus in Drensteinfurt.
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Rappelvoll: Wenn sich die Caritas-Senioren im Alten Pfarrhaus einmal im Monat nachmittags treffen, bleibt selten ein Stuhl frei. Oft gibt es wie hier in der Adventszeit ein thematisch abgestimmtes Programm. Das letzte Treffen fand Corona-bedingt allerdings im März statt.

Einige Vereine leisten still und unbemerkt seit vielen Jahren einen unschätzbaren Dienst für die Gesellschaft. Was es bedeutet, wenn dieses Ehrenamt wegbricht, zeigt Corona in aller Deutlichkeit. Stellvertretend berichten Siegrid von Looz für die Caritas-Senioren, Norbert Goßheger für die KAB, Reinhard Stephan für das Seniorennetzwerk und Waltraud Töns für die Seniorengemeinschaft in St. Lambertus Walstedde, über die schwere Zeit, in der nichts mehr so wie früher und fast alles verboten ist, was das zwischenmenschliche Leben so schön macht.

Drensteinfurt/Walstedde - Einmal im Monat bereiten die zehn Helfer der Caritas-Senioren rund um Siegrid von Looz 60 Senioren einen schönen Nachmittag. Sie kommen raus aus dem Alltag, werden an der Kaffeetafel verwöhnt, singen gemeinsam, und es gibt eigentlich immer ein kleines Highlight. In diesem Jahr war die letzte Veranstaltung im März.

Caritas-Senioren: Kein Treffen mehr seit März

Aus Rückmeldungen von Angehörigen oder von zufälligen Begegnungen mit Senioren weiß von Looz: „Der Austausch fehlt, die Menschen vereinsamen regelrecht.“ „Wir vermissen die Treffen“, höre sie immer wieder. Dabei sei ihr nicht zuletzt auch bei ihrer 93-jährigen Mutter aufgefallen, dass die alten Menschen mit sich und der Welt nicht zufrieden sind.

Viele hätten Probleme, den Mundschutz zu tragen. Sich von anderen abzuwenden, stehe konträr zu dem, was sie früher gelernt hätten. Manche Senioren beklagten: „Man mag den Fernseher gar nicht mehr anstellen.“ Direkt mit Beginn von Corona habe man sich erst einmal selber auf die Situation einstellen müssen, zu Pfingsten dann alle regelmäßigen Besucher persönlich angerufen, um mit ihnen zu plaudern und zu zeigen: „Wir denken an euch, ihr seid nicht vergessen.“ Im Oktober bekam jeder einen aufmunternden Brief ins Haus. „Wir werden auch weiterhin unsere Senioren im Blick haben“, versichert Siegrid von Looz. „Gerade in der Adventszeit dürfen sie sich auf Post von uns freuen“, sagt sie geheimnisvoll.

Natürlich kann das adventliche Treffen, zu dem schon ein Zitherspieler eingeladen war, nicht ersetzt werden. „Wir hatten sogar überlegt, es in drei Partien anzubieten“, erklärt sie und fügt an: „Es ist einfach nicht möglich, die Hygieneregeln einzuhalten.“ Dann ergänzt sie wehmütig: „Und Singen dürfen wir ja auch nicht zusammen, keine weihnachtlichen Lieder und auch nicht das immer zum Abschluss gesungene ,Kein schöner Land in dieser Zeit‘.“

KAB: 100-Jahr-Feier musste ausfallen

Corona hat die KAB, die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung; eiskalt erwischt. Im April hatte die Organisation eine große Feier aus Anlass ihres 100-jährigen Bestehens geplant. Festredner waren bestellt, befreundete Vereine eingeladen. „Dass alles ausgefallen ist, war für uns schmerzhaft, wir haben uns darauf gefreut“, gibt Norbert Goßheger zu. Große Fahrten unternimmt die KAB nicht mehr, aber es gibt viele kleine Angebote für die immer älter werdenden Mitglieder. Das beliebte Sommerfest mit Grillen, Kaffeetrinken im Pfarrheim, gemeinsames Frühstück, Marienandachten im Mai und Infoabende – alles sei weggebrochen. Lediglich eine Rosenkranzandacht fand statt.

„Unsere Mitglieder haben Verständnis“, berichtet der Vorsitzende der KAB. Viele hätten Sorgen um die Gesundheit und würden jetzt sowieso nicht kommen. Konkrete Planungen für das nächste Jahr hat der Vorstand noch nicht. „Wir werden abwarten, bis alles wieder erlaubt ist, Kaffee und Kuchen geht dann spontan“, sagt er.

Sicher ist, ein großes Fest anlässlich des Jubiläums 100 Jahre plus einem Jahr, mit Festrednern und Gästen, wird es wohl nicht geben. „Wir werden mit unseren Mitgliedern ein bisschen feiern, vielleicht gibt’s ein zusätzliches Frühstück“, stellt er in Aussicht.

Seniorennetzwerk: heftiger Einschnitt

Das Seniorennetzwerk hat sich zu einem festen Bestandteil in Drensteinfurt etabliert. An jedem dritten Mittwoch lädt Reinhard Stephan mit seinem Team ehrenamtlicher Helfer zum Pottkieker, dem Mittagstisch für Senioren, in die Alte Küsterei, ein. Für 40 bis 50 Senioren ist das ein Termin, der fest im Kalender steht. Man trifft sich, redet miteinander und bekommt zusätzlich eine köstliche Mahlzeit. Ebenso gut angenommen wird das Seniorenfrühstück jeden Dienstag im Kulturbahnhof mit 30 bis 40 Gästen.

„Das war ein heftiger Einschnitt, das gemeinsame Essen und die schönen Begegnungen fehlen natürlich“, sagt Stephan. Auch wenn alle sehr verständnisvoll sind, kämen immer mal wieder Rückfragen, wann denn wieder was stattfinde. Daran ist im Moment gar nicht zu denken, denn beim Seniorennetzwerk ist alles ausgefallen. Jetzt müsse man warten, bis Corona kein Thema mehr sei und könne dann schauen, wie und ob es weitergeht. „Wenn die Gefahr vorbei ist, werden wir wohl erst einmal im Team besprechen, wer überhaupt weitermachen will“, erklärt er vorsichtig.

Seniorengemeinschaft: letzter Seniorennachmittag im Februar

„Mir tun die alten Menschen unwahrscheinlich leid“, sagt Waltraud Töns, Vorsitzende der Seniorengemeinschaft Walstedde. Der letzte Seniorennachmittag habe im Februar stattgefunden. Damals haben alle geglaubt, im Sommer sei der Spuk vorbei.

„Die Senioren möchten sich treffen“, berichtet sie, aber neben der einmal im Monat stattfindenden Messe sei ihnen auch das anschließende Kaffeetrinken mit Programm im Pfarrheim besonders wichtig. „Das können wir derzeit nicht leisten“, erklärt Töns weiter. Angeboten wurde lediglich eine Rosenkranzandacht im Oktober in der Kirche, die aber mit sieben Personen wenig besucht war.

Besuch vom Nikolaus: Ob der dieses Jahr beim Pottkieker, dem Mittagstisch für Senioren in der Alten Küsterei, stattfinden kann, ist wegen Corona noch unsicher.

Am 10. Dezember soll in der Lambertuskirche ein Nachmittag mit Pfarrer Willi Stroband und Ilse Blomberg unter dem Titel „Sich auf den Weg machen und ankommen“ stattfinden. Sie hofft jetzt, dass die Senioren das Angebot annehmen. „In der Kirche ist viel Platz, da kann man mit Abstand sitzen, und es besteht eigentlich keine Gefahr, sich anzustecken“, ist sich Töns sicher.

Es sei bedauerlich, dass oftmals die Kinder ihren Eltern davon abraten zu kommen. Dabei, so glaubt sie, tut es den alten Menschen gut, unter Leute zu kommen. Wenn man auch nicht miteinander reden kann, könne man sich doch immer noch mit den Augen „zulächeln“ und zuhören. „Was nutzt das, wenn man zuhause sitzt und vor Einsamkeit stirbt“, macht sie deutlich. Dabei wolle sie die Gefahr nicht herunterspielen, betont Töns. Abstand halten und einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, sei für sie selbstverständlich.

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