Lambertus-Grundschule Walstedde für Deutschen Schulpreis nominiert

Nähe trotz Distanz: Digitalunterricht in Walstedde klappt gut dank moderner Ausstattung

Grundschule Walstedde Lehrer Niklas Dietrich unterrichtet mit Laptop und Activ Panel seine Schüler – analog und digital.
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Mit der Toffifee-Aufgabe ins kleine Einmaleins: Niklas Dietrich unterrichtet mit Laptop und Activ Panel seine Schüler – analog und digital.

Die Lambertus-Grundschule ist am frühen Morgen hell erleuchtet, schließlich beginnt spätestens um 8 Uhr der Unterricht. In jedem Lerngruppenraum empfangen die Lehrer ihre Schüler – überwiegend virtuell auf dem Bildschirm. Die wenigen, die Betreuung in Anspruch nehmen, sitzen gut verteilt an den Tischen. Digital ist man hier schon lange unterwegs, für ihre Arbeit ist die Schule für den Deutschen Schulpreis nominiert.

Walstedde - „Herr Dietrich, Du musst Dein Mikro anmachen“, schallt es aus dem Laptop. Niklas Dietrich entschuldigt sich und wiederholt seinen letzten Satz nun für alle vor dem Bildschirm zuhause. Damit beendet er die Religionsstunde für den zweiten Jahrgang und übergibt an die Kollegin Alexandra Rohling, die die Mädchen und Jungen nun zu einer kleinen Bewegungspause einlädt. Ihre Aufgabe: „Zieht euch eine dicke Jacke an und sammelt draußen kleine Zweige.“ Die sollen später einem weiteren Projekt dienen.

Auch die beiden Schülerinnen, die mit Niklas Dietrich im Raum sitzen, springen von ihren Stühlen. Die kleine Pause nutzt der Lehrer, der gleichzeitig IT-Koordinator der Schule ist, um die nächste Stunde vorzubereiten: Mathe. Dazu holt er 13 Schüler des Jahrgangs in seinen Chat. Im Raum nebenan unterrichtet die Kollegin Nicole Kühne 13 weitere Zweitklässler in Deutsch. Auch sie steht vor einem modernen Activ Panel, also einer interaktiven Tafel, die ihr alle Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung gibt – analog wie digital. Sie schaut in die Kamera ihres Laptops und erklärt die Schreibweise von Wörtern, die sie an dem digitalen Board auch in die Felder schreiben kann. Die Schüler schreiben auf ihren Tablets mit.

Im Deutschunterricht arbeitet Nicole Kühne mit ihren Schülern sowohl digital als auch noch mit richtigen Büchern.

Und sie zeigen auf. Natürlich digital, indem sie auf das entsprechende Feld auf dem Bildschirm tippen. Es reagiert jeweils derjenige Schüler, den Nicole Kühne drannimmt. Und zwar immer einzeln. In Sachen Disziplin können sich manche Erwachsene für ihre Videokonferenzen und Zoom-Meetings bei den Walstedder Grundschülern noch etwas abgucken. Es spricht nur eine Person, alle schalten auf Zuruf die Kamera aus oder das Mikrofon an, stellen Fragen, erklären Lösungen und geben Antworten. Würde man draußen an der Tür lauschen, hörte es sich an wie eine normale Schulstunde – ein wenig ruhiger vielleicht, aber auf jeden Fall fröhlich.

Videounterricht statt Distanzlernen

Deshalb spricht Schulleiterin Birgitta von Rosenstiel auch nicht von Distanzlernen, sondern von Videounterricht. „Die Kinder sehen sich und sitzen nicht zuhause allein über ihren täglichen oder wöchentlichen Aufgaben“, sagt sie, „wir unterrichten also fast wie im normalen Schulalltag, nur dass die Lehrer sich jetzt digital ins Kinderzimmer schalten“. Und ja: Die wenigsten Schüler sind vor Ort in der Schule, aber sie kommen zusammen. In Bild und Ton, in großen und in kleineren Gruppen. Und dort treffen sie auch Verabredungen für den Nachmittag, denn private Treffen ermöglicht ihnen das Tablet in Corona-Zeiten ebenfalls. Mehr Nähe ist im Lockdown fast nicht möglich – „zumal wir uns auf diese Weise ja sogar ohne Maske begegnen können“.

Dass das so gut klappt, ist der Tatsache geschuldet, dass die Lambertus-Grundschule sich frühzeitig der Digitalisierung verschrieben hat. „Als das Thema aufkam und an den Schulen die ersten Computerräume eingerichtet wurden, haben wir gleich jedem Jahrgang eine Medienecke gestaltet“, erzählt Birgitta von Rosenstiel. Besonders glücklich schätzte sich die Schule über eine Spende von 25 Laptops pro Jahrgang im Schuljahr 2013/14. „Darauf haben wir kontinuierlich aufgebaut.“

Wir müssen heute einfach anders unterrichten

Birgitta von Rosenstiel, Schulleiterin

Es folgten die ersten digitalen Whiteboards, die jahrgangsweise Ausstattung mit Tablets, die Einführung der Schul.Cloud als Kommunikationsplattform, der Glasfaser-Anschluss und die kontinuierliche Fortbildung aller Lehrerinnen und Lehrer. Tafel und Kreide sucht man heute vergebens, nahezu jeder Lerngruppenraum ist mit Activ Panels ausgestattet. Birgitta von Rosenstiel und Niklas Dietrich als IT-Koordinator liegt die Digitalisierung besonders am Herzen. „Wir müssen heute einfach anders unterrichten“, das hatte die Schulleiterin schon vor einigen Jahren erkannt.

In Zusammenarbeit mit den Schulbuchverlagen wurde eine digitale Schultasche eingerichtet: Alle Unterlagen, die die Schüler brauchen, sind auf ihrem Tablet, jede Buchseite und sämtliche Aufgaben. „Selbstverständlich verwenden wir zusätzlich Bücher und anderes Arbeitsmaterial“, sagt Niklas Dietrich. „Die Augen der Schüler richten sich nicht den ganzen Tag lang auf den Bildschirm.“

Schule gut gerüstet für Lockdown

Als der Lockdown näher rückte, fühlte sich die Schule gerüstet. Es galt allerdings, die Erstklässler innerhalb einer Woche mit den Tablets vertraut zu machen. Ob es funktioniert hat? „Ich staune, wie schnell die Kinder das drauf hatten“, sagt Adriane Dreyer begeistert. Die Schulbegleiterin und IT-Koordinatorin für diesen Jahrgang fügt hinzu: „Wir sollten nicht unterschätzen, wie aufnahmefähig die Kinder sind. Sie wollen lernen.“

Lernfähig und lernwillig hat sich auch das gesamte Lehrerkollegium gezeigt. Sigrid Specking gibt zu, nie ein Tablet gehabt zu haben: „Ich bin ganz glücklich darüber, wie gut das alles funktioniert. Es macht so viel Spaß – uns und den Kindern.“

Setzt auf moderne Technik: Birgitta von Rosenstiel, Leiterin der Lambertus-Grundschule in Walstedde

Birgitta von Rosenstiel ist stolz auf die Schüler und Eltern – und auf ihr Team: „Diese Zeit ist anstrengend, aber alle sind an Bord und engagieren sich – deshalb bekommen die Schüler die Aufmerksamkeit, die sie aus dem normalen Schulalltag kennen.“ Eines ihrer wichtigsten Ziele ist in dieser ersten Lockdown-Woche erfüllt: „Kein Kind verliert den Anschluss.“

Der Deutsche Schulpreis

Die Lambertus-Grundschule wurde aus der Elternschaft für den Deutschen Schulpreis vorgeschlagen und hat es bereits in die letzte Runde geschafft. Mit diesem Preis zeichnen die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung gute Schulen und ihre innovativen Schulkonzepte aus. Aus dem Wettbewerb ist ein bundesweites Netzwerk von exzellenten Schulen, Schulpraktikern und Bildungswissenschaftlern entstanden, die gemeinsam das Ziel verfolgen, die Schulentwicklung in Deutschland voranzutreiben und auf die hervorragende pädagogische Arbeit vieler guter Schulen in Deutschland hinzuweisen. Diese Leuchttürme zeichnen die beiden Stiftungen seit 2006 mit dem Deutschen Schulpreis aus und machen exzellente Praxis damit sichtbar. Die Deutsche Schulakademie organisiert auf dieser Grundlage Fortbildungsmaßnahmen und Schulentwicklungsangebote, um Impulse zu geben, die eigene Schulentwicklung in die Hand zu nehmen. Dem Engagement für mehr gute Schulen liegt der Anspruch zugrunde, dass alle Kinder und Jugendlichen die gleichen Chancen durch eine qualitativ gute Bildung bekommen – unabhängig von Herkunft und sozialem Status. Schulleiterin Birgitta von Rosenstiel macht sich selbst nicht allzu viel aus Preisen, freut sich dennoch über die Nominierung – und vor allem auf die Aussicht, im Netzwerk noch mehr Anregungen für Verbesserungen in ihrer Schule zu bekommen.

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