Corona: Festkomitee Hammer Karneval darf keinen Festumzug organisieren und hat finanzielle Sorgen

Ein trauriger Rosenmontag für Hammer Karnevalisten

Einsam in der Wagenbauhalle: Eckhard Schüler hatte zumindest auf einen abgespeckten Umzug gehofft.
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Einsam in der Wagenbauhalle: Eckhard Schüler hatte zumindest auf einen abgespeckten Umzug gehofft.

 Als Präsident des Festkomitee Hammer Karneval (FHK) wäre Eckhard Schüler momentan im Dauerstress. Stattdessen kommt Wehmut auf, als er zum Gespräch die nahezu ausgestorbene Wagenbauhalle betritt. „Als ich mir vorhin mein Ornat anzog, dachte ich noch: Mein Gott, das hast Du jetzt ein Jahr nicht mehr angehabt“, sagt der oberste Vertreter der Hammer Narren.

Hamm - Durch die anhaltende Corona-Pandemie ist derzeit an Karneval kaum zu denken. Dabei haben er und seine Mitstreiter bis zuletzt an eine Mini-Version geglaubt. „Als klar war, dass kein klassischer Rosenmontagszug auf die Strecke gehen kann, hofften wir zunächst auf eine abgespeckte Version“, so Schüler. Dann hätten sie zumindest geplant, mit dem immer noch amtierenden Prinzen- und Kinderprinzenpaar, Uwe II. und Stefanie I., sowie Jonas I. und Fabienne I., auf ihren Festwagen Krankenhäuser, Altenheime und andere soziale Einrichtungen besuchen und beschenken zu können. „Durch die rigorosen Kontaktbeschränkungen sowie den Erfahrungen von Hamm als Hotspot kommt das natürlich auch nicht in Frage“, so Schüler. Als dann die Verlängerung des Lockdowns kam, stand das Aus fest.

Die Einschränkungen hießen aber nicht, dass das FHK nicht fleißig gearbeitet hätte: Um die Sicherheit zu gewährleisten, ist man vorangegangen und hat eine professionelle Software für Videokonferenzen angeschafft. Die erste Belastungsprobe erhielt das Programm bei der Herbstversammlung des FHK, bei der mehrere Dutzend Mitglieder der angeschlossenen Vereine live dabei war. Dieses Programm wird den interessierten Vereinen vom FHK auch zur Verfügung gestellt. Ein weiteres Aufgabenfeld waren die Finanzen: „Wenn wir keine Veranstaltungen haben, bekommen wir auch keine Einnahmen“, stellt Schüler klar. Verschiedene Kosten, von der Miete der Wagenbauhalle, bis zu laufenden Versicherungen, fielen aber trotzdem an.

Wenn wir keine Veranstaltungen haben, bekommen wir auch keine Einnahmen.

Eckhard Schüler Festkomitee Hammer Karneval

So ließen es sich die Karnevalisten nicht nehmen, eine eigene Festschrift herauszubringen. „Zuerst waren viele skeptisch“, gibt der Präsident zu. Doch als die Mitglieder die Unternehmen und Parteien ansprachen, stießen sie auf eine ungeahnte Welle der Solidarität. So gab es auch ohne Rosenmontagszug eine klassische, pralle Festschrift und keine „Corona-Notauflage“. Ähnlich liegt es beim Karnevals-Pin: Darauf ist ein Narr mit Rettungsring abgebildet, der das unfreiwillig passende Sessions-Motto „Uns steht das Wasser bis zum Hals“ perfekt abbildet. Auf dem Hut des Narren steht noch „Hamm“ und „Viva Coronia“.

Ein Pin mit Symbolcharakter: Den Karnevalisten steht das Wasser bis zum Hals.

Der etwas schwarzhumorige Pin hat wohl das Zeug zum Sammlerstück und Schüler ist sich sicher, dass die Vereine den Vertrieb der Pins problemlos meistern. Dieses Jahr werde der Karneval nur im privaten Kreis gefeiert werden können, so der Präsident. Doch hoffe er, auch angesichts der sinkenden Zahlen und Impfstoffe, auf eine Zukunft mit allem, was dazu gehört. „Wenn ich in diesen Tagen zurückschaue und sehe, wie wir im vergangenen Jahr alleine die 80 Termine mit dem Prinzenpaar gemeistert haben, ob in Berlin, Düsseldorf oder in Hamm, dann frage ich mich schon, wie wir das geschafft haben“, sagt Schüler. Er ist sicher, diese Leistung in der nächsten Session wieder zu bringen.

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