Wie Christen zu Hause Ostern feiern

Die zwölf leeren Stühle rund um den Altar der St.-Regina-Kirche erinnern an die zwölf Apostel. Schüssel, Tuch und Wasserkaraffe an die Fußwaschung zu Gründonnerstag.
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Die zwölf leeren Stühle rund um den Altar der St.-Regina-Kirche erinnern an die zwölf Apostel. Schüssel, Tuch und Wasserkaraffe an die Fußwaschung zu Gründonnerstag.

Für Christen auf der ganzen Welt ist die Teilnahme an den Messfeiern in der Karwoche seit ihrer Kindheit eine Selbstverständlichkeit und die Osternachtsfeier der Höhepunkt im Kirchenjahr. In diesem Jahr findet wegen der Gefahr der Ansteckung mit dem Coronavirus keiner dieser Gottesdienste für die Öffentlichkeit statt.

Drensteinfurt/Ascheberg – Ein Grund für Pfarrer Jörg Schlummer von der St.-Regina-Gemeinde und Pfarrerin Angelika Ludwig von der evangelischen Mirjam-Gemeinde, den Gläubigen die Botschaften der Heiligen Woche und der Ostertage in die Häuser und Wohnungen zu bringen.

Schlummer nutzt die Medien und die Auslagen in den Kirchen, um den Menschen die frohe Botschaft zu verkünden. Gebetsvorschläge und Anleitungen für Andachten zu Hause können dort ausgedruckt mitgenommen oder auf der Homepage heruntergeladen werden. „Ich bin froh darüber, dass die Gläubigen das gut annehmen“, sagt der Pastor.

Osterpäckchen und -Grüße

Besonders für die Osterzeit habe sich das Seelsorgeteam der St.-Regina-Gemeinde einiges überlegt. Die Osterpäckchen an die Familien der Erstkommunion wurden bereits verteilt und sind mit großer Dankbarkeit von den Eltern angenommen worden. Alle darin beigefügten Texte und Anregungen gibt es auf der Homepage.

Gottesdienstbesuchern der evangelischen Mirjam-Gemeinde, die regelmäßig kommen, wird ein Ostergruß nach Hause gebracht. Für die anderen ist der Gruß auf der Homepage nachzulesen. In diesem Zusammenhang bittet Pfarrerin Ludwig jüngere Menschen, diesen Gruß für ältere Bekannte und Verwandte, die mit dem Internet nicht vertraut sind, auszudrucken und ihnen diesen dann in den Briefkasten zu werfen.

Pfarrer Jörg Schlummer nutzt Internet und Auslagen

Zu jedem der heiligen Tage gibt es eine kleine Predigt zum Mitnehmen. Am Gründonnerstag werde üblicherweise am Abend die Abendmahlfeier mit Fußwaschung gefeiert. Symbolisch stehen in jeder Kirche leere Stühle im Kreis vor dem Altar mit einer Schüssel und einem Tuch. „Die Symbolik soll helfen sich einzufühlen“, so Schlummer.

Die Heilige Woche offenbare die Gefühle Jesus, seine Angst, seine Verlassenheit und am Ende die Auferstehung. Damit komme er den Menschen nahe, die gerade heute im Angesicht der Bedrohung durch die Krankheit die gleichen Ängste, Gefühle der Verlassenheit und Sorge empfinden. „Der Glaube kann uns in diesen schweren Zeiten Halt und Zuversicht geben“, so Schlummer. „Es ist ein Angebot, sich im Glauben festzumachen, die Osterbotschaft schenkt uns größte Hoffnung.“

Karfreitag offene Türen in St.-Regina-Gemeinde

Am Karfreitag fördere der Kreuzweg die Empathie, und den Glauben an einen Gott, der den Menschen nahe sei. Die Gläubigen sind aufgefordert, an diesem Tag in die Kirche zu gehen. Das Kreuz ist dort aufgestellt. Es kann eine Blume mitgebracht werden, die dort in eine der Vasen gestellt wird als Zeichen für alle Menschen, die leiden müssen. Ein Wort zum Karfreitag liegt aus.

Ab Karsamstag kann in der Kirche die Osterkerze gegen eine Spende mitgenommen werden. „Es wäre schön, wenn für ältere Gemeindemitglieder eine Kerze mitgebracht werde“, so der Pfarrer.

Osterkerzen in Kirchen

In den Kirchen stehen die von Mechthild Fellenberg und Ulla Blanke gestalteten Osterkerzen. Gemeinsam mit dem Pfarrer hatten sie sich als Motiv einen Weg ausgedacht, der überstrahlt vom Kreuz am Ende in die Sonne führt. Das Motiv sei bezeichnend für den Weg Jesus, aber auch den Weg der Menschen, der trotz Leid und Sorgen am Ende ins Licht führe.

„Alle Gottesdienste können im Fernsehen mitgefeiert werden“, sagt Pfarrer Schlummer. Das Team habe sich dagegen entschieden, zusätzlich aus der St.-Regina-Gemeinde einen Gottesdienst online zu stellen. Das sei technisch zu aufwendig. „Es ist schade, dass wir den Gottesdienst nicht gemeinsam feiern können. Durch die Gemeinschaft werden die Lieder feierlicher und noch intensiver“, zeigt er auf. Doch auch vor leeren Bänken feiere er in Gedanken den Gottesdienst in Verbundenheit mit allen Gläubigen.

Ostern im kleinen familiären Rahmen

„Wir sind traurig darüber, dass wir keine Osterfeste mit den Gläubigen feiern können“, sagt Pfarrerin Angelika Ludwig von der evangelischen Mirjam-Gemeinde. Das habe es seit 2000 Jahren nicht mehr gegeben. Selbst in den schlechtesten Zeiten der Welt hätten die Menschen Ostern wenigstens im kleinen Rahmen gefeiert. Sie möchte in diesen Tagen aber an die Zeit der ersten Christen erinnern, die im Verborgenen innerhalb der Häuser miteinander gebetet hätten. So möchte sie auch heute die Gottesdienste in die Wohnungen und Häuser der Menschen bringen.

Digitale Leseandachten

Jeden Sonntag schreibt die Pfarrerin eine Leseandacht und stellt sie auf der Homepage der Gemeinde ein. Ab morgen könne diese auch in ausgedruckter Form vor den Kirchen in Ascheberg und Drensteinfurt aus einer Plastikbox abgeholt werden, damit auch ältere Mitglieder ohne Zugang zum Internet darauf zugreifen können.

In Zeiten von Corona stellen Kirchengemeinden in Drensteinfurt und Ascheberg Andachten online.

Die Familien der zukünftigen Konfirmanden, die derzeit das dritte Schuljahr besuchen, erhalten in der kommenden Woche einen speziellen Osterbrief, dieser kann auch auf der Internetseite heruntergeladen werden. Darin enthalten sind Texte, Bilder und Bastelanleitungen speziell für Kinder.

Hoffnung im Fokus

Die Verantwortlichen der Gemeinde denken Tag für Tag weiter, man habe auch die Konfirmanden, die derzeit das achte Schuljahr besuchen, im Blick, so Ludwig. Dazu sei sie auch mit Kollegen gut vernetzt, so würden Ideen gebündelt, um es den Menschen leichter zu machen.

Gerade das Osterfest sei ein Fest der Hoffnung: „Hoffen und freuen sie sich darauf, dass wir uns in absehbarer Zeit wieder treffen können“, so die evangelische Pastorin. „Die Hoffnung trägt uns durch die schwere Zeit.“ Die Situation sei derzeit sehr ernst, sagt Schlummer. Daher sein Appell: „Wer beten kann, der soll beten.“ Aber nicht die Angst solle im Vordergrund stehen, sondern die Hoffnung. Jetzt sei die Zeit, die Tage selber zu gestalten oder ganz neu zum Glauben zu finden.

Gemeindemitglieder nutzen digitale Möglichkeiten

Heute seien die Gemeindeglieder durch Medien und Internet besser verbunden als die ersten Christen damals, die sich aufgrund von Verfolgung nicht öffentlich treffen konnten. Als eine schöne Geste der Verbundenheit empfindet Ludwig zudem das gemeinsame Glockengeläut aller Kirchen jeden Abend um 19.30 Uhr.

Dazu gebe es eine Reihe von Online-Gottesdiensten – zum Beispiel am Gründonnerstag der Gottesdienst aus Hiltrup und am Karfreitag und Ostersonntag zentrale Online-Gottesdienste aus dem Kirchenkreis. Die entsprechenden Links werden hier auf der Homepage der Kirchengemeinde eingestellt. Ziel ist es, dass nicht jede Kirchengemeinde einen eigenen Gottesdienst online stellen muss.

Seelsorge in Zeiten von Corona

Pfarrerin Angelika Ludwig steht auch in Zeiten der Corona-Krise für seelsorgerische Gespräche zur Verfügung. Wer Bedarf hat, kann sie gerne unter Telefon 02593 / 95 05 62 anrufen. Dort ist auch ein Anrufbeantworter geschaltet.

Coronavirus in Drensteinfurt

Weitere hilfreiche Informationen erhalten Sie unter www.kreis-warendorf.de.

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