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Tierhaltung ein zentrales Thema beim Neujahrsempfang 

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Von: Mechthild Wiesrecker

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Eine lebhafte Diskussion über die Politik und die Landwirtschaft gab es beim Neujahrsempfang der CDU.
Eine lebhafte Diskussion über die Politik und die Landwirtschaft gab es beim Neujahrsempfang der CDU. © Wiesrecker, Mechthild

Der Stadtverband der CDU hatte alle Mitglieder sowie die Landfrauen, die KLJB und den landwirtschaftlichen Ortsverein Drensteinfurt zum Neujahrsempfang in die Alte Post eingeladen. Gekommen waren auch der Landtagsabgeordnete Markus Höner und die Präsidentin des Westfälisch-Lippischen Landfrauenverbandes (WLLV), Regina Selhorst.

Drensteinfurt – Bei einem gemütlichen Umtrunk berichteten die beiden Gastredner über die aktuell schwierige Situation der Landwirtschaft, aber auch über mögliche Veränderungen und Ziele.

„Wir wollen heute keine Klausurtagung abhalten, sondern nach kurzen Reden locker ins Gespräch kommen“, begrüßte Markus Wiewel, der Fraktionsvorsitzende der CDU, die rund 70 Anwesenden, ehe er das Wort an Markus Höner, Sprecher für Landwirtschaft, Verbraucherschutz, Forsten und ländliche Räume der CDU-Landtagsfraktion, abgab.

„Der Zukunftsvertrag steht und vieles geht in die richtige Richtung“, informierte Höner über die schwierigen Verhandlungen nach der Bildung der neuen Landesregierung.

Prominente Gäste beim Neujahrsempfang der CDU: Landtagsabgeordneter Markus Höner und WLLV-Präsidentin Regina Selhorst referierten.
Prominenter Gast beim Neujahrsempfang der CDU: Landtagsabgeordneter Markus Höner. © wiesrecker

Als positiv, wenn auch viel zu spät, bewertete er die Anfang des Jahres gekippte Flächenstilllegungsverpflichtung. Umweltchecks, die endlich auch mal die Bevölkerung in die Pflicht nehmen, seien eingerichtet worden. „Es ist an der Zeit, dass jeder Einzelne was machen muss und an seinen Taten gemessen wird“, machte er deutlich. Für Biodiversität sei nicht der Landwirt allein verantwortlich. Leider konnte die Initiative der Gewinnglättung nicht durchgesetzt werden. An der in der EU angestoßenen Diskussion über das Pflanzenschutzmittelanwendungsverbot in Schutzgebieten müsse man am Ball bleiben. „Das betrifft 90 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche“, stellt er klar. Der Landwirt schütze durch den Einsatz die Pflanze vor Krankheiten, um die Erträge zu sichern, um den Auftrag der Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Die aktuelle Krise müsse als Chance gesehen werden, die Transformation zur digitalisierten Landwirtschaft zu beschleunigen. Dadurch könnten 15 bis 20 Prozent der Betriebsmittel eingespart werden.

Wir Landfrauen haben Mitspracherecht, hinter jeder Landfrau steht der Einfluss von 1000 Leuten.

Regina Selhorst

Die Tierhaltung sei ein weiteres Thema. Die Situation zeige, dass der erhöhte Standard bei den Kunden nicht durchzusetzen sei. Das Fleisch aus den Handelsstufen drei und vier bleibe liegen. Es müsse ein Weg gefunden werden, dass der Landwirt den Mehrwert am Ende auch bezahlt bekommt. „An der Ladentheke funktioniert das nicht“, so der Landesminister. Lebensmittel zu importieren sei keine Lösung, da habe man keine Kontrolle über die Produktion und Haltung der Tiere. Man wolle auch das Baurecht anpacken, um den Betrieben überhaupt die Möglichkeit zu geben, in den Ställen etwas zu ändern. Ein wichtiges Thema sei ihm der regionale Absatz. Wir müssen „regional und saisonal“ nach vorne kommen. Eine Abhängigkeit von Lebensmitteln aus dem Import, wie wir es durch den Krieg beim Öl erlebt haben, dürfe es nicht geben. Weiter wolle man die Lebensmittelverschwendung zurückfahren und die Lebensmittelbildung vorantreiben. „Unsere Kinder müssen lernen, wie man mit Lebensmitteln umgeht“, so seine Überzeugung.

Prominenter Gast beim Neujahrsempfang der CDU: WLLV-Präsidentin Regina Selhorst.
Prominenter Gast beim Neujahrsempfang der CDU: WLLV-Präsidentin Regina Selhorst. © Wiesrecker

Regina Selhorst ist seit neun Jahren Präsidentin des WLLV, dem in Westfalen Lippe 43 .000 Landfrauen angehören. „Wir sind total vielfältig, jede Frau, die sich mit dem ländlichen Raum identifiziert, ist bei uns willkommen. Wir stehen für den Erhalt der Infrastruktur im Dorf – sprich: ausreichende Kitaplätze, Hausärzte, öffentlicher Nahverkehr und Einkaufsmöglichkeiten. Wir Landfrauen haben Mitspracherecht, hinter jeder Landfrau steht der Einfluss von 1000 Leuten“, stellte sie augenzwinkernd fest. „Wir dürfen uns nicht klein machen, wir sind eine parteiunabhängige politische Kraft“, bekräftigte Selhorst. „Wir sind auch gesprächsbereit mit Organisationen wie dem Nabu, wir sind offen und bauen Brücken zu Parteien, aber auch zum Verbraucher.“

Am Beispiel der Schweinehaltung machte sie die „Achterbahnfahrt der letzten Jahre“ deutlich. Die Landwirtschaft sehe sich durch die Bestellung ihrer Flächen als Ernährer der Bevölkerung. Der Verbraucher sehe den Landwirt als Umweltzerstörer und Tierquäler. Dieses „Schwarz-Weiß-Sehen“ sei ein Problem. „Wir müssen mit den Menschen ins Gespräch kommen, ihnen zuhören, denn wir können viele Probleme lösen“, versicherte sie. „Wir können Energie, Artenschutz, Digitalisierung, wir können Zukunft bauen, aber wir müssen auch davon leben können“, so ihr Statement.

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