Bundestagswahl: CDU bleibt stärkste Kraft im Kreis und in Drensteinfurt, verliert aber viele Wähler/ Grüne verdoppeln Ergebnis

CDU kommt mit zwei blauen Augen davon

Drensteinfurt Kreis Warendorf Bundestagswahl 26. September 2021 Landrat Dr. Olaf Gericke (von links) gratuliert Henning Rehbaum, der für die CDU das Direktmandat holte, und Markus Höner (Vorsitzender CDU-Kreisverband). Die CDU wurde erneut stärkste Partei im Kreis - wenn auch mit deutlichen Verlusten.
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Landrat Dr. Olaf Gericke (von links) gratuliert Henning Rehbaum, der für die CDU das Direktmandat holte, und Markus Höner (Vorsitzender CDU-Kreisverband). Die CDU wurde erneut stärkste Partei im Kreis - wenn auch mit deutlichen Verlusten.

 Die CDU holt bei der Bundestagswahl im Kreis Warendorf mit Henning Rehbaum das Direktmandat, bleibt stärkste Kraft und ist trotzdem kein strahlender Sieger. Tatsächlich büßt die Union fast zehn Prozentpunkte ein und landet bei 31,4 Prozent. Die SPD liegt mit 29,0 Prozent nur noch knapp hinter der CDU. Drittstärkste Kraft im Kreis sind jetzt die Grünen mit 14,2 Prozent, die FDP verliert leicht und landet bei 11,1 Prozent. Die AfD bliebt mit 6,4 Prozent nur knapp unter dem Ergebnis von 2017, die Linke kommt nur noch auf 2,7 Prozent.

Drensteinfurt / Kreis Warendorf - Ganz ähnlich ist das Wahlergebnis in Drensteinfurt: Auch wenn die CDU im Vergleich zur Wahl 2017 fast 10 Prozentpunkte an Stimmen verloren hat, hat sie noch immer die Nase vorn. Mit 33,4 Prozent führt sie vor der SPD, die 27,8 Prozent erreichte. Die Grünen verdoppeln ihre Stimmenzahl und erreichen 16,07 Prozent und der FDP fällt 11,56 Prozent der Stimmen auf Platz vier zurück. Klarer Sieger der Erststimmen ist mit 39,7 Prozent Henning Rehbaum (CDU) vor Bernhard Daldrup (SPD) mit 29,06 Prozent, allerdings erreichte Rehbaums Vorgänger Reinhold Sendker vor vier Jahren noch 49,1 Prozent. Jessica Wessels (Die Grünen) kommt auf 14,27 Prozent und Dr. Oliver Niedostadek (FDP) auf 7,54 Prozent.

Viel zu tun hatten die Wahlhelfer in Drensteinfurt. Es gab eine hohe Wahlbeteiligung.

Die hohe Wahlbeteiligung von 85,2 Prozent sei sehr erfreulich, kommentierte Bürgermeister Carsten Grawunder. Es sei wichtig, dass die Menschen von ihrem Wahlrecht auch Gebrauch machen. Dass die CDU in Drensteinfurt die meisten Stimmen habe, sei für ihn keine Überraschung. „Drensteinfurt ist sehr konservativ eingestellt“, teilte er mit. Das bundesweite Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und SPD habe er so gar nicht erwartet, es zeige aber wie schwierig die Prognosen im Vorfeld seien.

Die Kunst sei jetzt aus den unterschiedlichen Programmen der Parteien Schnittstellen herauszusuchen, damit für die kommenden Jahre eine tragfähige Regierung zustande kommt, die die auf den Tisch liegenden Aufgaben meistern könne. „Am Ende wird es ein Kompromiss mit großen Herausforderungen“, resümiert Grawunder.

„Es ist eine bittere Niederlage für die CDU“, urteilt Markus Wiewel, Fraktionsvorsitzender der CDU. Auch wenn die Zahlen für Drensteinfurt noch in Ordnung seien, spiegele sich der bundesweite Trend auch dort nieder. „Ich freue mich für Henning Rehbaum und bin froh, dass die AfD nur 4,66 Prozent der Stimmen bekommen hat“, erläutert er.

Rot-Schwarz habe ausgedient. „Das will ja keiner mehr“, so Wiewel. Als mögliche Regierungsbildung bleibe nur die Ampelkoalition mit SPD, FDP und Grünen. Nur wenn es dort zu keiner Einigung kommt, wäre eine Jamaikakoalition denkbar.

Heidi Pechmann, Fraktionsvorsitzende der Grünen, ist mit dem Ergebnis in Drensteinfurt „total zufrieden“. Für sie ist es ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. „Fast zehn Prozent Stimmen mehr als 2017“, stellt sie fest. Im Bundestagsergebnis habe sie jedoch auf mehr Stimmen gehofft. „Wir hätten gerne Rot-Grün für die Regierungsbildung gehabt“, so die Fraktionsvorsitzende, das sei nun aber nicht möglich. „Unser Favorit ist jetzt die Ampel“, sagt sie. Eine Koalition aus CDU, FDP und Grüne könne es nach ihrer Vorstellung nicht geben.

„Ich bin sehr glücklich, dass die SPD seit 2002 wieder stärkste Partei ist“, teilt Ingo Stude, Fraktionsvorsitzender der SPD, mit. Das sei ein schöner Erfolg. Die Regierungsbildung werde jetzt spannend. Er habe jetzt nur Sorge, dass die CDU und die FDP um die Grünen werben. Dass auch in Drensteinfurt der schwarze Balken kleiner und der rote Balken hoch gegangen sei, sei ein klares Signal. Für die CDU in Drensteinfurt sei das ein Desaster. „Die Gewinne liegen ganz klar bei Rot-Grün, und dorthin geht nun auch der Regierungsauftrag“, so seine Meinung. Die Bürger hätten klar gesagt, wen sie als Kanzler nicht haben wollen, darum hoffe er darauf, dass nun auch Olaf Scholz Kanzler werde.

Sonja Berstermann-Kowalke, Fraktionsvorsitzende der FDP, ist mit dem Ergebnis zufrieden. „Wir haben es so erwartet“, teilt sie mit Blick auf die Prognosen mit. Sie sei froh, dass Rot-Rot -Grün nicht zustande kommen kann. Das wäre eine Bremse für die Fortschritte, die gemacht werden müssen, um die Wirtschaft in Gang zu bringen und die Klimaziele zu erreichen. „Ich hoffe, dass Lindner die Ziele der FDP klar in die Koalitionsverhandlungen mit einbringt“, sagt sie. Sie habe nicht damit gerechnet, dass die CDU so stark herunterrutscht. „Ein paar Punkte ja, aber nicht so viel“, zeigt sie sich überrascht. Es liege aber nicht allein an Armin Laschet. „Die Leute sind einfach CDU-müde geworden“, glaubt sie.

So viele Briefwähler wie noch nie haben in Drensteinfurt ihre Stimme bei der Bundestagswahl abgegeben.

In diesem Jahr war die Beteiligung an der Briefwahl außerordentlich hoch. Von den 12 464 Wahlberechtigten beantragten 5644 Personen die Briefwahl. 97 Prozent der Wahlbriefe, also 5 507, kamen wieder zurück.

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