Bergbauamt in der Kritik

So sieht ein Bohrplatz von ExxonMobil aus.
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So sieht ein Bohrplatz von ExxonMobil aus.

DRENSTEINFURT/SÖHLINGEN ▪ Zum Politikum werden nun die Bohrungen nach Erdgas in Norddeutschland. In einem Beitrag des NDR-Magazins „Panorama“, in welchem dem US-Konzern ExxonMobil vorgeworfen wird, das Grundwasser in Norddeutschland zu vergiften, kritisiert der niedersächsische Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) das zuständige Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG).

Das Amt habe nach der Entdeckung eines Zwischenfalls auf einer von ExxonMobil betriebenen Erdgasförderstelle in Söhlingen im Kreis Rotenburg im Jahr 2007 nicht schnell genug reagiert. Damals waren giftige Quecksilber und Kohlenwasserstoffe ins Erdreich und Grundwasser geraten. Dabei handelt es sich im Übrigen nicht um einen Einzelfall. Auch bei einem Bohrprojekt von ExxonMobil in Hengstlage (Kreis Oldenburg) kam es zu Verunreinigungen (WA berichtete).

Laut Bode habe das Amt mehr als drei Jahre verstreichen lassen, bevor mit einer Untersuchung anderer Bohrfelder auf vergleichbare Emissionsquellen begonnen wurde. In „Panorama“ kündigte der Wirtschaftsminister eine externe Überprüfung des Bergbauamtes an.

Bode selbst wies eine Verantwortung von sich. Er habe erst 2011 von dem Vorfall erfahren. Der niedersächsische Landtagsabgeordnete Stefan Wenzel (Grüne) meint in „Panorama“ jedoch, dass Bode von Anfang an verantwortlich gewesen sei.

Indes empfinden die Bürgermeister der von den Zwischenfällen betroffen Kommunen die bisherigen Berichte des NDR über die Gasbohrungen in Niedersachsen, die den gleichen Tenor haben wie der Panorama-Bericht, als einseitig.

In einem Brief an den Intendanten des Norddeutschen Rundfunks Lutz Marmor bitten die Bürgermeisterin der Stadt Visselhövede, Franka Strehse, sowie der Bürgermeister der Samtgemeinde Bothel, Rüdiger Woltmann, um eine „ausgewogenere Berichterstattung“. Die bisherigen Berichte hätten „desinformiertere und verunsichertere Bürger als vorher“ zurückgelassen. Bereits die Anmoderationen der NDR-Berichte enthüllten deren Intention. Laut Strehse und Woltmann: „Keine objektive Berichterstattung über einen komplexen und schwierigen Sachverhalt, sondern ein klares Ziel, den Stopp der aktuellen Gasbohrungen und Erkundungsbohrungen in Niedersachsen zu erwirken.“ Bezeichnend sei, dass nur die Zitate – die Bürgermeister waren bei den Drehs vor Ort – im Bericht berücksichtigt worden seien, die die obige Intention stützen. Jeder relativierende Satz sei konsequent gestrichen worden.

Aktuell hat die Bezirksregierung Arnsberg mitgeteilt, von nun an alle ihr vorliegenden Anträge auf Erteilung einer Erlaubnis zur Aufsuchung von Erdgas aus unkonventionelle Lagerstätten öffentlich zu machen. ▪ sh

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