Klimaschutzkonzept statt Klimaschutzsiedlung

"Nein" zum Aufschub für das Baugebiet Mondscheinweg

+
Keine Klimaschutzsiedlung: Das Baugebiet Mondscheinweg so schnell weiterentwickelt werden.

Drensteinfurt – Mit dem Baugebiet Mondscheinweg soll es zügig weitergehen. Mit großer Mehrheit unterstützten die Mitglieder des Bauausschusses in ihrer jüngsten Sitzung den Beschlussvorschlag der Verwaltung. Demnach soll es keine Klimaschutzsiedlung geben, stattdessen aber ein Klimaschutzkonzept.

Für die Erarbeitung des Konzeptes und für die Umsetzung wird die Firma Gertec aus Essen beauftragt. Durch vertragliche Regelungen mit den zukünftigen Bauherren sollen die empfohlenen Maßnahmen umgesetzt werden. Gegen den Beschluss sprachen sich die Grünen aus, die die Entscheidung um ein halbes Jahr verschieben wollten, um dann über ein neu überarbeitetes Konzept abzustimmen.

Über das Baugebiet wurde bereits lange diskutiert und wurden umfangreiche Expertenmeinungen eingeholt. Mittlerweile gibt es einen Bebauungsplan – das Planungsbüro Tischmann Loh hat einen Entwurf erarbeitet – der bereits offengelegt wurde. Um das Baugebiet als Klimaschutzsiedlung gemäß dem Leitfaden der Energieagentur NRW auszuschreiben, wie im Antrag der CDU Fraktion gefordert, ist eine Änderung des Bebauungsplans unumgänglich. Eine Änderung des Bebauungsplans hätte aber eine Verzögerung von mindestens sechs Monaten zufolge. Angesichts der großen Nachfrage nach Bauland sei dies aber nicht gewünscht, so die Stadt Drensteinfurt.

Eigenes Konzept

Stattdessen, so Bauamtsleiter Christoph Britten, wolle die die Stadt ihr eigenes Klimaschutzkonzept erarbeiten. Da die Stadt im Besitz von zwei Drittel der Baugrundstücke ist, könnte dieses für eben diese Flächen umgesetzt werden.

Kombination

Um die Mitglieder des Bauausschusses umfangreich zu informieren, waren mit dem Städteplaner Roger Loh vom Planungsbüro Tischmann Loh und Diplom-Ingenieur Klaus Kottsieper von der Ingenieurgesellschaft Gertec aus Essen zwei Experten zur Sitzung eingeladen. Loh machte deutlich: Die Lösung liegt in einer Kombination der städtebaulichen Voraussetzungen mit den Besonderheiten der örtlichen Situation. 

Mehr zum Thema Baugebiet Mondscheinweg hier klicken

Klaus Kottsieper erinnerte daran, dass die beschlossenen Maßnahmen heute zum Tragen kommen, aber 2050 noch funktionieren müssten. Er legte der Stadt nahe, über ein Nahwärmenetz mit einer umweltfreundlichen Wärmeversorgung nachzudenken, um zu verhindern, dass sich jeder Bauherr seine eigene Wärmepumpe anschaffen müsse. Zusätzlich empfahl er die Nutzung erneuerbarer Energie, eine optimierte Qualität der Bauausführung, nachhaltige Baustoffe und Minimierung des Strombedarfs.

Grüne wollen Aufschub

Reinhard Weißen (Die Grünen) bat, die Empfehlung der Fachleute mit einfließen zu lassen und die Entscheidung um ein halbes Jahr zu verschieben. „Wir haben uns viel Zeit genommen und schon viel richtig gemacht“, so Bürgermeister Carsten Grawunder. Drensteinfurt steht unter großem Siedlungsdruck. Außerdem gebe es im Baugebiet Mondscheinweg zum ersten Mal eine realistische Chance für ein Wohnheim für Menschen mit Behinderung. „Wir haben die Zeit für die zeitliche Verzögerung nicht“, so der Bürgermeister. Die vorgeschlagene zentrale Wärmeversorgung bewertete er als sehr gut. „Wir fühlen uns dem Klimaschutz verpflichtet, jetzt brauchen wir aber Rechtssicherheit um den Beschluss zu fassen.“

Maria Tölle (Die Grünen) sieht keinen Zeitdruck. Die Grünen wünschen sich außerdem, ein Regenwasserkonzept schon jetzt zu integrieren und die Ausführungen der beiden Experten mit in ein neues Konzept einfließen zu lassen. Ein Büro zu finden, das sich mit dem Thema Regenwasser beschäftigt, habe sich als schwierig erwiesen, so Britten. Mittlerweile sei die Stadt aber bei der Suche erfolgreich gewesen.

SPD fordert konkrete Zahlen

Ingo Stude (SPD) wertete die Empfehlungen der Experten als durchaus sinnvoll. Gleichzeitig bat er, an die Zusatzkosten zu denken. „Wir wollen keine Siedlung schaffen für Besserverdienende.“ Er wünschte sich konkrete Zahlen. „Es muss finanzierbar sein.“ Gravierende Gründe den Beschluss ein halbes Jahr zu verschieben, konnte Stude auch nicht sehen. 

Andreas Kurzhals (FDP) erinnerte: „Viele junge Familien stehen in den Startlöchern.“ Jedoch glaubte er, dass Reglementierungen in die falsche Richtung gehen. „Eine Zwangsjacke für Bauherren ist der falsche Weg.“

 „Wir haben ein gutes Konzept erarbeitet“, urteilte Georg Feldmann (CDU). Was jetzt geändert werden müsse, könne in das laufende Verfahren eingebunden werden. „Wer viel für den Klimaschutz macht, soll Vergütungen bekommen“, so sein Rat. 

Martin Havers (SPD) hätte sich im neuen Baugebiet ein anderes Verkehrskonzept gewünscht. Seine Vorstellung: „Kein Auto in der Siedlung.“ 

Forderungen der Grünen abgelehnt

Am Ende der Abstimmung wurden die Forderungen der Grünen in allen Punkten mehrheitlich abgelehnt. Mit vier Gegenstimmen (Die Grünen/FDP) entschied sich die Mehrheit für den Beschluss der Stadtverwaltung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare