Corona-Pandemie und Digitalisierungsoffensive

Bargeldloses Bezahlen boomt: Corona beschleunigt Tendenz zum kontaktlosen Kauf

Einfach und bequem: Pasquale Fuchs nutzte das Handy zum Bezahlen schon vor dem Lockdown. Im Hintergrund Kassiererin Martina Skurski im Supermarkt K&K in Walstedde.
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Einfach und bequem: Pasquale Fuchs nutzte das Handy zum Bezahlen schon vor dem Lockdown. Im Hintergrund Kassiererin Martina Skurski im Supermarkt K&K in Walstedde.

Seit Beginn der Corona-Pandemie bitten Geschäfte ihre Kunden vielfach um bargeldloses Zahlen. Die Angst, das Virus könne an Geldscheinen und Münzen haften, hat sich in den Köpfen vieler Bürger festgesetzt.

Drensteinfurt – Bei einer Befragung der Europäischen Zentralbank bestätigten 40 Prozent der Teilnehmer auf Bargeld zu verzichten und stattdessen elektronisch zu zahlen. Ein Trend, der sich auch in Drensteinfurt widerspiegelt.

Im derzeitigen Lockdown bezahlen Kunden bei Ulrike Spartmann in der Bücherecke ihren Einkauf ausschließlich kontaktlos per Rechnung. Als sie 2020 nach dem ersten Lockdown bis zum Dezember ihren Laden wieder öffnen durfte, habe sich ganz klar eine deutliche Zunahme des Bezahlens mit Karte gezeigt. „Bestimmt die Hälfte der Kunden nutzte die Kartezahlung, 75 Prozent davon sogar kontaktlos“, bestätigt die Buchhändlerin. Kontaktloses Zahlen geht allerdings in der Regel ohne Pin-Eingabe nur bis zu einer Summe von 50 Euro.

Mehr Überblick über Ausgaben durch Barzahlung

Vereinzelt gebe es Kunden die mit dem Smartphone oder der Smartwatch bezahlen. Doch das seien ausschließlich junge Leute und eigentlich nur Männer. Bei Elke Kiffe, Inhaberin des Haushaltsgeschäftes Lanfer, sieht es ähnlich aus. „2019 waren es 80 Prozent die bar bezahlt haben, seit Corona bezahlen 60 Prozent mit Karte“, resümiert sie.

Mit dem Handy wollte bei ihr noch kein Kunde seine Rechnung begleichen. Verschwunden sei das Bargeld aber nicht, denn es gebe auch immer Leute die bewusst fragten, ob noch Bargeld angenommen werde. Verstehen kann die Geschäftsfrau das schon. „Wer bar bezahlt hat einen besseren Überblick über das, was er ausgibt“, glaubt sie. Natürlich sei das auch digital möglich, aber nur wenn man das Konto im Blick habe.

Im Bio-Laden schätzt Christine Hauk-Tilly den Anteil der Kunden mit Kartenzahlung auf 70 Prozent im Vergleich zu 30 Prozent vor der Pandemie. Jedoch können Kunden bei ihr erst ab einem Einkaufswert von 10 Euro mit Karte bezahlen. „Jede Transaktion mit der Karte kostet Geld, denn die Banken wollen auch daran verdienen“, erklärt sie den Grund der Auflage.

Geld am Automaten: In Walstedde wird entgegen dem Trend noch immer regelmäßig Bargeld abgehoben. „Vor allen Dingen zu den Zahltagen kommen richtig viele Kunden, um Geld abzuheben“, berichtet Bankangestellte Annegret Bockey.

Kleinstbeträge per Karte zahlen im K&K

Im Supermarkt K&K in Walstedde zeigt sich das gleiche Bild. Martina Schoregge-Gräber glaubt, dass sich die Zahl der Kartenbezahlungen seit Corona verdoppelt hat. 60 Prozent Kartenzahlungen und davon wiederum 70 Prozent kontaktlos, schätzt sie. „Vor Corona war Kartenzahlung erst ab einem Betrag von fünf Euro möglich, jetzt kann jede noch so kleine Summe mit Karte bezahlt werden“, informiert die Filialleiterin.

Hin und wieder gebe es auch Kunden, die mit Smartphone oder Smartwatch bezahlen. Einer davon ist Pasquale Fuchs. „Ich habe selten Bargeld dabei“, gibt er zu. Doch der Walstedder hat sich schon ein Jahr vor Corona für das Bezahlen mit dem Handy entschieden. „Es ist sicher, geht schnell, ist hygienisch und das Handy ist immer dabei“, sagt er.

Online-Banking und kontaktloses Bezahlen

Patrick Grubba, Sprecher der Volksbank Münsterland, beobachtet 2020 eine deutliche Zunahme der Online Banking-Nutzung. „Die Corona-Pandemie und die Digitalisierungsoffensive der Bundesregierung hat viele neue Onlinebanker hervorgebracht“, sagt er. Bundesweit gehe man von einem Zuwachs von zehn Prozent aus.

Auffällig sei, dass derzeit Bankkunden jenseits der 60 die Sparkasse um eine Einstiegshilfe bitten. Für die älteren Kunden, die sich mit der Pandemie in der Pflicht sehen, sowohl Online-Banking als auch das kontaktlose Bezahlen für sich zu nutzen, biete die Bank eine Videoberatung an, die zunehmend in Anspruch genommen werde.

Gab es bisher einen Unterschied zwischen städtischen und ländlichen Raum, zeige sich jetzt, dass die Online-Quote in den ländlichen Filialen seit Corona enorm aufhole, so Grubba.

Bargeldloses Bezahlen nimmt zu

Die Nachfrage nach der Banking-App, Apple Pay und Google Pay steige, doch nicht jeder Kunde wisse wie digitale Bezahlung funktioniere. In den Filialen können sich Kunden unter Beachtung der Corona-Maßnahmen von den Mitarbeitern die Nutzung der digitalen Medien direkt an ihrem Gerät, sei es PC, Tablet oder Handy, erklären lassen.

Für Patrick Grubba steht fest: „Die Nachfrage der Kunden nach bargeldlosem Bezahlen nimmt stark zu. Es ist hygienisch, sauber und komfortabel“, erklärt er. Es mache für Geschäfte Sinn, auch kleinere Beträge mit Karte bezahlen zu lassen. „Bargeld ist schwer, muss gelagert werden und es gibt oft Kassendifferenzen“, macht er deutlich.

Kontaktloses Zahlen liegt im Trend

Zudem beobachte die Volksbank Münsterland Nord einen sprunghaften Anstieg „digitaler Girokonten“. Im Juli/August 2019 wurden 770 Karten digitalisiert. Aktuell seien es 3800 Karten bei stark steigender Tendenz. Für die Sparkasse Münsterland Ost erklärt Uwe Koch: „Unsere Kunden entscheiden sich immer mehr für kontaktloses Zahlen.“ Um 25 Prozent seien die Transaktion im ersten Halbjahr 2020 am Geldautomaten gesunken. Gleichzeitig kam es zu einer Verdoppelung der kontaktlosen Zahlungen im Vergleich zum Vorjahr.

Die Girocard-Transaktionen (EC-Karte) sind über 60 Prozent kontaktlos. Auch Koch bestätigt: „Immer häufiger werden auch kleinere Beträge mit Karte bezahlt. Die Entwicklung dorthin war abzusehen, Corona hat das aber beschleunigt.“ 85 Prozent aller Kartenzahlungen erfolgten über die Girocard und 15 Prozent über Kreditkarte. Im zweiten Halbjahr habe die Sparkasse Apple Pay eingerichtet, über Android sei das schon länger verfügbar. „Die Nachfrage der Kunden war da“, erklärt Koch. Das betreffe alle Altersschichten. Das mobile Zahlen sei ein weiterer Schritt hin zur digitalen Zahlung.

Bezahlen mit dem Smartphone, wie geht das eigentlich?

Wichtige Voraussetzung ist ein Smartphone mit einem NFC-Chip. Die gute Nachricht: Bei neueren Smartphones gehört er zur Standartausstattung. NFC ist die Abkürzung für „Near Field Communication“ oder übersetzt Nahfeldkommunikation. Sie ermöglicht den kontaktlosen Austausch von Daten. Möglich ist das überall dort, wo kontaktlos bezahlt werden kann. Erkennbar ist das am Wellensymbol am Terminal.

Als Erstes muss die App „Mobiles Bezahlen“ aus dem App Store oder PlayStore heruntergeladen werden. In die App muss die Kredit-, oder Girokarte der Bank hinterlegt werden. Mittels einer TAN-Eingabe wird dieser Vorgang bestätigt. Das bedeutet ein Konto mit Online-Banking und TAN-Verfahren ist eine weitere Voraussetzung.

Beim kontaktlosen Bezahlen wird das Smartphone nur wenige Zentimeter vor das Kassenterminal gehalten. Mit der Entsperrfunktion wird die Zahlung bei Androidhandy bestätigt. Bei Apple mit dem Fingerabdruckscanner oder per Gesichtserkennung.

Bei Verlust des Smartphones sollte die Karte umgehend unter der Nummer 116 116 oder bei jeweils zuständigen Kreditkarten-Unternehmen gesperrt werden. Dabei ist die Angabe der IBAN oder Kartennummer erforderlich. Geht die Karte verloren oder wird gestohlen, sollte der Fall der Polizei gemeldet werden, die die Karte dann sperrt.

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