Drensteinfurter Fundbüro kümmert sich um entlaufene Haustiere

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Die Verwaltungsfachangestellte Katrin Adolf nimmt – wie im Foto eine Katze – Fundtiere im Bürgerbüro entgegen. 

Drensteinfurt - Die Stadt Drensteinfurt nimmt als Fundbüro entlaufene Haustiere an. Da es in Drensteinfurt weder Tierasyl noch Tierheim gibt, muss die Behörde ganz schön improvisieren. Ärger bereitet derzeit das neue Jagdgesetz.

Manchmal nimmt der junge Hund Reißaus, die freiheitsliebende Katze geht auf Wanderschaft – und findet nicht mehr nach Hause zurück. Finder solcher Tiere können sich an die Stadt Drensteinfurt wenden, die als Fundbüro für weggelaufene Haustiere ebenso zuständig ist wie für verlorene Gegenstände. 

Martin Brinkötter leitet das Ordnungsamt.

Schon wieder meldete die Stadtverwaltung Anfang der Woche eine Katze als zugelaufen. Das hellbraune Tier mit Halsband wartet aber nicht in Drensteinfurt, sondern im Ahlener Mammuttierheim auf seinen Besitzer. Sie blieb nur für ein paar Stunden im Gebäude am Landsbergplatz, untergebracht in einer Tragebox quasi zwischen Akten und Ordnern. Einen extra Raum für Fundtiere gibt es in der Stadtverwaltung nämlich nicht, so müssen die normalen Büros herhalten, teilt Martin Brinkötter, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung, auf WA-Nachfrage mit. 

Gegen Mittag brachten Mitarbeiter des Bauhofs das Tier dann zum Mammuttierheim in Tönnishäuschen. So sei die gängige Praxis bei der Stadtverwaltung, erklärt Brinkötter. Per Vertrag ist das Tierheim dazu verpflichtet, die Fundkatzen der Stadt aufzunehmen – auch wenn dort zurzeit mit insgesamt 75 Katzen seit dem 4. August für Privatleute Aufnahmestopp für Katzen gilt. Brinkötter ist besorgt: Während bislang drei bis fünf Katzen pro Jahr bei der Stadt Drensteinfurt abgegeben wurden, waren es allein in den vergangenen zwei Wochen fünf – allesamt von Jägern gebracht. 

Das neue Landesjagdgesetz, das seit dem 1. Juli dieses Jahres gilt, verbietet Jägern, wildernde Katzen zu erlegen. Stattdessen werden die Tiere in speziellen Lebendfallen gefangen und zum entsprechenden Fundamt gebracht – hier die Stadt Drensteinfurt. Dass die Gemeinden und Städte zur Aufnahme der von Jägern aufgegriffen Katzen verpflichtet sind, bestätigte am 4. August das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster. Die Gemeinde Ascheberg hatte sich geweigert, zwei Katzen aufzunehmen, die ein Jäger gebracht hatte. 

Allenfalls dann, wenn die Katze aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes und ihres Verhaltens ganz offenkundig herrenlos ist, könnte die Gemeinde die Entgegennahme einer verwilderten Katze ausnahmsweise ablehnen, urteilte das Gericht. Das betont auch Brinkötter: „Wir verwahren nur Fundkatzen, die einen Besitzer haben.“ Offensichtlich freilebende Katzen würden nach wie vor abgelehnt. „Die Jäger sind sauer, weil sie die Katzen nicht mehr abschießen können und schlagen auf diese Weise Alarm“, ärgert sich Brinkötter. 

Jörg Vogelsang, Vorsitzender des Hegerings Drensteinfurt-Walstedde, sieht das anders: „Wir erfüllen damit die Forderung des Jagdgesetzes – wo sollten wir sonst hin mit den Katzen?“ Die Lebendfallen würden aufgestellt, um den Druck auf das Niederwild zu nehmen, stellten doch wildernde Katzen eine Bedrohung für zahlreiche Tierarten dar. Vogelsang sei froh, dass es nun mit dem Urteil des OVG eine „saubere Rechtslage“ gebe, obschon die Stadt Drensteinfurt bislang keine Probleme bei der Annahme von Fundkatzen gemacht habe. 

Während Katzen nach der Zwischenstation in der Stadtverwaltung im Tierheim in Tönnishäuschen landen, kommen die im Schnitt zehn bis 20 zugelaufenen Hunde pro Jahr direkt ins Hundeasyl Freckenhorst. Für den „Notfall“ steht in der Drensteinfurter Stadtverwaltung eine Hunde-Transport-Box bereit. Und sogar Brinkötter selbst hat einmal einen Fundhund für eine Nacht bei sich zu Hause aufgenommen. Brinkötter weist auf ein trauriges Phänomen hin: Während fast alle vermissten Hunde von ihren besorgten Besitzern wieder abgeholt würden, sei das bei Katzen sehr selten der Fall. Die meisten würden schließlich in neue Hände vermittelt. 

Ausgeflogene Vögel und weggekrochene Schildkröten gehörten eher zu den Exoten unter den Fundtieren. Lebhaft erinnert sich der Stadtmitarbeiter an die stattliche Schildkröte, die vor zwei Jahren in der Verwaltung notdürftig in einer Kunststoffbox mit durchlöchertem Brett als Deckel untergebracht war, bis sie in die Obhut des Münsteraner Zoos gegeben wurde.

Wer sein Haustier oder sonst etwas vermisst: Erreichbar ist das Bürgerbüro unter den Telefonnummern 0 25 08/995-124, -125 und -156.

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