Hühner müssen beschäftigt werden

Ausbruch der Geflügelpest im Kreis zieht Stallpflicht für Hühner nach sich

In einem Legehennenbetrieb in Beelen war im März die Geflügelpest des Typs H5N8 ausgebrochen. Auch in Münster-Han- dorf gibt es Fälle.

Ameke/Walstedde – Rund um betroffene Betriebe gibt ein Sperr- und ein Beobachtungsgebiet mit einem Radius von drei respektive zehn Kilometern. Der Sperrbezirk im Bereich der Gemeinde Beelen ist mittlerweile aufgehoben. Um eine weitere Ausbreitung der ansteckenden Krankheit zu verhindern, besteht im gesamten Kreis Warendorf aber weiterhin Stallpflicht für Geflügel. Betroffen davon sind auch der Hof May in Ameke und der große Legehennenstall von Sebastian Bachtrop in Walstedde. Die Allgemeinverfügung verursacht mehr Arbeit und mehr Kosten.

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KreisWarendorf
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Die Aufstallungsanordnung des Kreises sei eine „nachvollziehbare Vorsichtsmaßnahme“, sagt Carl-Hendrik May zur seit dem 21. März geltenden Stallpflicht für Geflügel. „Es ist gut und richtig, dass das Kreisveterinäramt dies verlangt.“ Die Allgemeinverfügung gelte für jeden, der Freilandgeflügel hält – egal ob Hobbyhalter oder Betriebe „mit einem wirtschaftlichen Standbein wie wir“, sagt der Agraringenieur.

Verhaltensstörungen vorbeugen

Allerdings ziehe die Pflicht, die Nutztiere in einem geschlossenen Stall unterzubringen, um keinen Kontakt mit Wildvögeln zu ermöglichen, Schwierigkeiten nach sich. „Das ist für die klassische Freilandlegehenne, wie wir sie haben, unter Umständen wirklich ein großes Problem“, sagt May und konkretisiert: „Das ist ähnlich wie bei uns Menschen im Lockdown: Auch bei einem Tier, das Freiheit gewohnt ist, geht es irgendwann an die Psyche. Bei den Legehennen müssen wir enorm aufpassen, dass durch die eingeschränkte Bewegung keine Verhaltensstörungen auftreten.“

Platz für 1500 Legehennen bietet dieser mobile Hühnerstall. Carl-Hendrik May betreibt drei Mobilstallsysteme in Ameke.

Drei Mobilstallsysteme sind auf dem Hof May in Betrieb und bieten Platz für insgesamt 3500 Legehennen. Etwa 3200 hält May aktuell, alle sind aufgestallt. „Wir geben den Tieren generell mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben“, sagt May. Die mobilen Ställe als Schutz- und Rückzugsort der Hennen werden in normalen Zeiten regelmäßig versetzt, damit die Tiere ständig frisches Gras vor der Tür haben. Darauf müssen sie vorerst verzichten. Weil die Ställe sehr groß seien, sind trotz der Stallpflicht bislang keine Probleme aufgetreten.

Schutz- und Rückzugsort sind die mobilen Ställe für die Legehennen. Die Tiere dürfen zurzeit aber nicht auf die grüne Wiese, sondern sie sind aufgestallt.

Hühner müssen weiterhin beschäftigt werden

May und seine Mitarbeiter versuchen vorzubeugen. „Wir bieten den Legehennen zusätzliches, besonderes Beschäftigungsmaterial an, damit sie was zu tun haben.“ Zum Beispiel werde der Boden mit Dinkelspelzen zusätzlich dick ausgestreut, „damit die Tiere Möglichkeiten haben, ihrem natürlichen Verhalten nachzukommen, insbesondere dem Scharren und Picken“, erklärt May. Zudem würden spezielle Heuballen aufgehängt und Picksteine ausgelegt. „So können die Tiere zusätzlich Mineralstoffe aufnehmen.“

Die Versorgung mit Mineralstoffen wie Magnesium sei generell wichtig. „Über flüssiges Futter kann man sehr viel hinzugeben“, sagt der 40-Jährige, der den Betrieb in Ameke seit 2010 leitet. „Es darf keinerlei Stress aufkommen. Und Stress taucht auf, sobald irgendwo ein Mangel im Körper auftaucht.

Stallpflicht: Mehr Arbeit und mehr Kosten

Wenn ein Tier sich im Freien aufhält und zum Beispiel im Sandboden oder im Acker scharrt und pickt, dann nimmt es dort auch immer Mineralien mit auf. Diesen Effekt haben wir in der reinen Stallhaltung nicht.“ Deswegen müssten die ganzen Vorkehrungen aktuell getroffen werden.

Neben mehr Kosten verursacht die Stallpflicht auch mehr Arbeit. „Der zusätzliche Betreuungs- und Pflegeaufwand ist enorm“, betont Carl-Hendrik May. „Wir müssen die Tiere mehrmals am Tag beobachten.“ Der Agraringenieur hat sogar eine Videotechnik installiert. „Einfach nur, um regelmäßig zu gucken: Geht es den Tieren gut? Gibt es irgendwo Unruheherde? Damit wir direkt gegensteuern können.“

Drei Plagen gleichzeitig

Wie lange die Stallpflicht gilt, weiß May nicht genau. „Das ist natürlich alles abhängig vom weiteren Infektionsgeschehen“, sagt er. Auswirkungen auf den Verkauf der sogenannten Ameker Wiesen-Eier hat der Ausbruch der Geflügelpest im Kreis Warendorf beim Hof May nicht. „Die Nachfrage ist gegeben“, sagt May. Der Hof verkauft die Eier aus mobiler Freilandhaltung direkt vor Ort, in vielen Supermärkten und auf Wochenmärkten.

Um das Risiko auf dem eigenen Hof in Aufstallpflichtzeiten zu minimieren, hat Carl-Hendrik May die Hygienemaßnahmen verstärkt. „Der Besucherverkehr ist eingeschränkt. Die Ställe dürfen von unseren Kunden natürlich besichtigt werden, allerdings nur aufwendig mit Schutzanzügen et cetera.“ Auch Desinfektionsmatten und -behälter sorgen für zusätzliche Sicherheit.

Die Angelegenheiten mit dem Futtermittelvertreter und dem Tierarzt würden „größtenteils über Telefon und Video geregelt“, sagt May, der für seinen Betrieb immer wieder neue Lösungen finden muss. Denn momentan schlägt er sich mit drei Plagen herum: Neben der Corona-Pandemie und der Geflügelpest muss sich der 40-Jährige als Schweinehalter auch mit der Afrikanischen Schweinepest befassen. „Das sind drei große Faktoren, mit denen wir uns auseinandersetzen.“

14.000 Legehennen sind aufgestallt

Sebastian Bachtrop betreibt einen großen Legehennenstall an der B63 in Walstedde. Auch seine gut 14.000 Tiere sind alle aufgestallt. „Wir müssen die verschärften hygienischen Maßnahmen streng einhalten, damit das Virus nicht von außen in den Betrieb eingeschleppt wird“, berichtet Bachtrop, der auch Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Walstedde ist.

Zum Beschäftigungsmaterial für die Legehennen sagt er: „Das haben sie sonst auch, das ist nichts Außergewöhnliches.“ Die Geflügelpest sei ebenfalls nicht ungewöhnlich. „Es ist ja eigentlich jedes Jahr so, dass sie auftaucht, wenn die Zugvögel ziehen. Das ist nun mal das Risiko, das man hat.“ Für Bachtrop ist es „eine Frage der Zeit, bis das Virus wieder verschwindet“.

Rubriklistenbild: © Kleineidam

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