Felix Stöppler überzeugt mit Tenorstimme

Auf dem Weg zur Opernbühne: 21-Jähriger will hoch hinaus

Felix Stöppler beim Preisträgerkonzert an der Deutschen Oper in Berlin: Im Finale des 49. Bundeswettbewerbs Gesang hat der Rinkeroder im Dezember 2020 den Förderpreis der Walter-Kaminsky-Stiftung gewonnen.
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Felix Stöppler beim Preisträgerkonzert an der Deutschen Oper in Berlin: Im Finale des 49. Bundeswettbewerbs Gesang hat der Rinkeroder im Dezember 2020 den Förderpreis der Walter-Kaminsky-Stiftung gewonnen.

Das Singen fristet derzeit ein eher leises Dasein, Chöre kommen nicht zusammen, Bühnen bleiben leer. Geschmettert werden darf lediglich Zuhause im Wohnzimmer oder unter der Dusche. Und in Weimar an der Hochschule für Musik Franz Liszt.

Rinkerode – Dort studiert Felix Stöppler im zweiten Semester ein eher ungewöhnliches Fach: klassischen Gesang. Mit seiner Tenorstimme hat er sich in den vergangenen Jahren bereits einen Namen gemacht. In seinem Umfeld sucht Felix Stöppler Gleichgesinnte vergebens. Wenn es um Klassik geht, sind die Freunde des 21-Jährigen eher raus. Auch in der Familie kommt Klassisches selten durch den Lautsprecher. „Da kann ich aber gut mit leben“, erklärt er mit einem Schmunzeln. Und fügt hinzu: „Ich lasse allen anderen ja auch ihren Musikgeschmack.“

Die Zeit um die Feiertage herum hat der Student Zuhause in Rinkerode verbracht, Mitte Januar ist er dann nach Weimar gefahren, wo das Studium wieder losgeht – sogar im Präsenzunterricht, obwohl die Inzidenz dort weiterhin hoch ist. „Das ist kein so gutes Gefühl“, sagt er, allerdings bezieht sich die Anwesenheitspflicht nur auf den Einzelunterricht, also auf die Gesangstunden, den Klavierunterricht sowie den szenischen Unterricht. All das gehört für Felix zur Ausbildung dazu – neben der ganzen Theorie, die jedoch derzeit nicht im Hörsaal, sondern online stattfindet. Fächer, die ihn im besten Fall mal auf die Opernbühne bringen werden, das ist zumindest sein Wunsch.

Es begann mit Ritter Rost und Tom Sawyer

Als Felix Stöppler seine Leidenschaft für das Singen entdeckt hatte, wusste er von Opern noch gar nichts. Seine Stimme brachte ihm im vierten Schuljahr die Hauptrolle im Musical Ritter Rost ein, „das fand ich damals sofort super“. Als er zur Drensteinfurter Realschule kam, ist seine Klassenlehrerin Ulrike Thiele, die auch Musik unterrichtete, schnell auf ihn aufmerksam geworden. Es folgte seine zweite musikalische Hauptrolle als Tom Sawyer.

Thiele war es auch, die den damals elfjährigen Felix seiner zukünftigen Gesanglehrerin Ulrike Meyer-Krahmer in Münster vorstellte. Nachdem er vorgesungen hatte, nahm sie ihn nicht nur als Schüler auf – „sie meldete mich auch sofort bei Jugend musiziert an in der Sparte Musical“, erzählt der Rinkeroder. Mit Liedern aus dem Dschungelbuch wie „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ und „Ich bin der König im Affenstall“ ist er direkt bis zum Bundeswettbewerb durchgestartet, wo er 2012 den ersten Platz gemacht hat.

Mit Höchstleistungen zum Erfolg

Gut neun Jahre lang hat Ulrike Meyer-Krahmer die gesangliche Karriere ihres Schützlings vorangebracht und begleitet. „Sie hat mich sehr geprägt, und der Kontakt ist heute noch intensiv“, schwärmt Felix. Weil er stets durchgesungen hat, kam es beim Stimmwechsel nicht zum Bruch, seine Stimme wurde tiefer. Im Laufe der Jahre hat sie sich zum Tenor entwickelt.

Es folgten weitere Erfolge bei Jugend musiziert, ein dritter und vierter Platz bei den Wettbewerben in den Kategorien Pop und Klassik sowie 2015 wieder ein erster Platz mit Höchstpunktzahl bei den Musicals. „2016 habe ich ausgesetzt, weil klar war, dass Pop nicht meins ist“, erzählt der Student rückblickend.

Lampenfieber fällt auf der Bühne ab

2017 hat er sich noch mal zum Klassik-Wettbewerb angemeldet – und ist dabei so richtig auf den Geschmack gekommen. „Die Texte haben mich fasziniert und gepackt, ich bin seitdem großer Schubert-Fan, der Erlkönig zum Beispiel war sofort meins.“ Mit voller Konzentration auf die Klassik ging es also weiter. Und er wagte mehr: 2018 nahm der Rinkeroder am Bundeswettbewerb Gesang für das Genre Klassik teil, ist damals aber nicht über die Vorrunde hinaus gekommen. „Mein Gegenkandidat, ein Countertenor, war einfach besser“, räumt Felix neidlos ein. Er machte dann erst mal Abitur am Kant-Gymnasium in Hiltrup.

Zwei Jahre später aber sang sich der 21-Jährige mit der Arie „Deposuit potentes“ aus dem „Magnificat“ von Johann Sebastian Bach ins Finale des Bundeswettbewerbes, das in der Deutschen Oper in Berlin stattfand. Dort landete er Anfang Dezember auf dem vierten Platz und erhielt den mit 1 000 Euro dotierten Förderpreis der Walter-Kaminsky-Stiftung.

Lampenfieber? „Jaaaaa, das habe ich durchaus“, räumt Felix ein. Meistens befalle ihn zehn Minuten vor dem Auftritt ein großer Schwung Aufgeregtheit, „aber sobald ich auf der Bühne stehe, fällt das ab“. Lachend erzählt er, was seine Gesanglehrerin ihm schon beim ersten Kennenlernen attestiert hat: „Du bist eine Rampensau.“ Tatsächlich ist es für ihn das Schönste, auf einer Bühne zu stehen, „das fehlt mir im Moment sehr“. Deshalb hat er es besonders genossen, im Dezember beim Preisträgerkonzert im großen Saal der Deutschen Oper zu singen: „Auch wenn kein Publikum da saß – das war schon phänomenal.“

Körperliche Arbeit bei den Eltern als Ausgleich

Nachdem er die Aufnahmeprüfung geschafft hatte, begann Felix Stöppler zum Sommersemester 2020 sein Studium und zog dafür nach Weimar. Corona verhinderte den pünktlichen Start, aber im Mai ging es endlich los. „Ich bin hier total glücklich, die Uni ist toll“, schwärmt er.

Dennoch nutzt er jede freie Minute, um nach Rinkerode zu seiner Familie zu fahren. Im elterlichen Raumausstattungsbetrieb packt der 21-Jährige mit an, wo es nötig ist und wann immer es geht. „Hier bin ich dann ein bisschen Mädchen für alles“, sagt er amüsiert. „Allerdings tut es mir gut, mit den Händen zu arbeiten, das ist ein perfekter Ausgleich für mich.“

Felix Stöppler will hoch hinaus

Glücklicherweise war der Sommer nach dem ersten Lockdown freier, sodass Felix im ersten Semester in Weimar bereits Freundschaften geschlossen hat. Dennoch freut er sich immer auch auf seine Freunde in Rinkerode. „Dann machen wir alles, was Spaß macht“, sagt er. „Ich lebe ja ganz normal, feiere Schützenfeste, nehme jede Party mit – nur vor Wettbewerben muss ich halt mal Klappe halten und auf kaltes Bier verzichten.“ Denn gilt es eben, die Stimme zu schonen.

Könnte er es sich aussuchen, wird Felix Stöppler irgendwann auf der großen Opernbühne stehen. Wer ihn einmal gehört hat, hegt keinen Zweifel daran, dass er das schaffen wird. Mitschnitte von Stöpplers Stimme gibt es hier vom Preisträgerkonzert beim Bundeswettbewerb Gesang.

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