Fahrerflucht und Parkplatznot

Anwohner klagen über rücksichtslose Klinikmitarbeiter

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Lisa Fuchs und ihr Sohn Pasquale Fuchs ärgern sich über die Probleme, als Anwohner selbst einen Parkplatz in Walstedde zu finden. Sie sind sich sicher: Die Parkstreifen der Straße Am Prillbach würden von Mitarbeitern des Gesundheitszentrums zugeparkt. Besonders ärgerlich: Am Ford von Pasquale haben Unbekannte Schäden an der Stoßstange verursacht und Fahrerflucht begangen.

Walstedde - Die angespannte Parkplatzsituation in Walstedde hat schon mehr als einmal für Unmut gesorgt. Mit der Sperrung der Dorfstraße hat sich die Situation in den Straßen Am Prillbach, Böcken und im Röwenkamp noch verschärft.

Einen Parkplatz zu finden, ist in der Zeit von 8 bis 17 Uhr auf dem Parkstreifen Am Prillbach nahezu unmöglich. „Hier parken Mitarbeiter des Gesundheitszentrums“, ist sich Anwohnerin Lisa Fuchs sicher. Auch in anderen Straßen schlagen die Anwohner Alarm. Vereinzelt kam es zu Unfällen mit Fahrerflucht. Lisa Fuchs war selbst einmal Leidtragende.

Bei ihrem Sohn Pasquale Fuchs ist sogar an seinem Auto die Stoßstange gebrochen, der Scheinwerfer kaputt und der Lack hat unschöne Kratzer. Er erstattete Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei. Zusätzlich schrieb er Hinweiszettel, die er an die Laternen heftete, um Zeugen zu suchen. Auf dem Schaden von 1700 Euro wird er wohl sitzen bleiben. Dass er zusätzlich den Verdacht äußerte, dass gerade Mitarbeiter der Klinik Walstedde dort rücksichtlos parken, veranlasste den Manager des Gesundheitszentrums Stefan Kamp zu einem Rückruf beim Beschädigten.

Die Straße Böcken wird oft komplett zugeparkt.

Auf Anfrage des WA erklärte Kamp, dass seinen Mitarbeitern ausreichend Parkfläche zur Verfügung stehen. Das Zentrum habe sogar mehr Parkplätze als vom Kreis vorgeschrieben. Das bestätige auch Bürgermeister Carsten Grawunder. „Rein rechnerisch passt alles“, versichert Grawunder. Darum findet Kamp die Schlussfolgerung von Familie Fuchs, die behauptet, dass es Mitarbeiter oder gar Besucher des Gesundheitszentrums seien, die dort parken, nicht nachvollziehbar. Zu Unrecht fühlt er seine Mitarbeiter verdächtigt. Den Ärger aufgrund der Fahrerflucht und des kaputten Autos könne er verstehen, Fahrerflucht sei nicht tolerierbar.

Shuttle fährt vom Bahnhof zur Klinik

Den Unmut gegen die Klinik verstehe er jedoch nicht, schließlich habe er viele Schritte eingeleitet, damit die Parksituation nicht zum Problem werde. Dreimal am Morgen fahre ein hauseigenes Shuttlefahrzeug, um Mitarbeiter vom Bahnhof abzuholen, andere Mitarbeiter seien aufs Fahrrad umgestiegen. In Mitarbeiterbelehrungen werde darauf hingewiesen, die ausgewiesenen Klinik-Parkplätze zu benutzen. Schlussendlich sehe er gar keine Parkprobleme im Dorf. Wenn überhaupt, dann vorübergehend wegen der Sperrung der Dorfstraße. Und wer Probleme habe, könne sich jederzeit bei ihm melden.

Das sieht Lisa Fuchs anders. „Sicher ist es mit der Sperrung der Dorfstraße schlimmer geworden, aber auch vorher gab es schon Probleme“, sagt sie. Sie ist sich sicher, dass es Mitarbeiter des Gesundheitszentrums sind, die dort parken – immer werktags zur gleichen Uhrzeit stünden dort dieselben Autos, meistens über acht Stunden.

Der Parkstreifen Am Prillbach am Donnerstagmorgen: Freie Plätze suchen Anwohner hier, wie so oft, vergeblich.

Nur wenige 100 Meter weiter im Röwenkamp schlagen die Wellen noch höher. Hier seien es in erster Linie die Besucher und nur manchmal Mitarbeiter, die parken, wo sie einen freien Platz finden. „Dabei ist es ihnen egal, ob sie unsere Einfahrt zuparken“, berichtet Heiko Witteborg. Der dreifache Familienvater fühlt sich nicht erst seit der Sperrung der Dorfstraße regelrecht belästigt. „Vor unserem Haus parken immer Fahrzeuge, obwohl dort gar keine Parkfläche ist“, sagt er.

Die Parkenden, zur Rede gestellt, outeten sich fast immer als Besucher des Gesundheitszentrums. Die ersten beiden Beschwerde-Mails habe Stefan Kamp noch beantwortet, seine letzte Mail sei seit Wochen unbeantwortet.

Geschwindigkeit nicht eingehalten

Noch schlimmer sieht die Situation am Böcken aus. Nicht nur die wenigen ausgewiesenen Parkplätze würden beparkt, sondern die gesamte Straße. Das sei besonders gefährlich für die Schulkinder. „Wir werden nicht gesehen und wir sehen nichts“, erklärt Silvia Wolff.

Dazu komme, dass viele sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung hielten. Ihre Bitte an die Stadt, dort einmal ein mobiles Radar Geschwindigkeitsmessgerät aufzustellen, blieb bislang ungehört.

Wenn Waren geliefert werden, stehen die großen Wagen an der Straße. Dann sei die Sicht noch schlechter und wenn noch ein weiteres großes Fahrzeug komme, wie etwa ein Müllfahrzeug, gehe gar nichts mehr, berichtet Katja Pomp, Anwohnerin am Böcken. Gegen die Patienten des Gesundheitszentrums haben weder die Witteborgs, , noch Silvia Wolff oder Katja Pomp etwas. Dennoch fühlen sie sich durch das Gesundheitszentrum gestört.

Und Heiko Witteborg befürchtet, dass der Verkehr mit dem Bau der Schule noch mehr zunimmt. 43 Kinder werden dort unterrichtet. „Ob es dabei bleibt?“, fragt der Familienvater. Schließlich habe er vor einem Jahr auf der Seite des Gesundheitszentrums gelesen, dass mit dem Bau der Familienklinik die Schule auf 70 Plätze erweitert werde. Nach seiner Anfrage beim Kreis sei die Zahl 70 zwei Tage später verschwunden und durch die Formulierung „weitere Schulplätze“ ersetzt worden.

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