Aktuelle Entwicklung bedrohlich

Angst vor neuem Corona-Grenzwert in Drensteinfurt

Martina Schoregge-Gräber, K&K-Filialleiterin in Walstedde, an einem leeren Klopapier-Regal
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Da ist selbst Martina Schoregge-Gräber, K&K-Filialleiterin in Walstedde überrascht: Offenbar wird angesichts steigender Corona-Infektionszahlen wieder mehr Toilettenpapier gekauft – wie zu Beginn der Pandemie. Es gibt aber noch genügend Vorräte.

Drensteinfurt - Den wichtigen Schwellenwert von 50 Neuinfektionen mit dem Corona-Virus pro 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen drohte der Kreis Warendorf am gestrigen Freitag zu überschreiten: Das Robert-Koch-Institut wies für den Kreis den entsprechenden Inzidenzwert mit 49,7 aus.

Sowohl die Kreis- als auch die Stadtverwaltung gingen bereits gestern von diesem „Ernstfall“ aus, weil im Laufe des Tages weitere 20 Infizierte gemeldet wurden, die erst heute vom Robert-Koch-Institut eingerechnet werden. Entsprechend plant der Kreis verschärfte Schutzmaßnahmen: Der Mund-Nase-Schutz muss auch draußen überall getragen werden, wo Menschen dichter zusammenkommen. Maximal 5 Personen dürfen im öffentlichen Raum zusammenkommen, Sperrstunde für die Gastronomie ist 23 Uhr. Auch Alkohol darf dann nicht mehr verkauft werden..

Jan Schwiering, Rechtsdezernent und Vertreter des in Urlaub befindlichen Bürgermeisters Carsten Grawunder, bekräftigte auf WA-Anfrage erst einmal, dass die bereits zu Beginn der Woche getroffene Maßnahme, die Mitarbeiter der Stadtverwaltung in zwei Teams aufzuteilen, schon da vorausschauend richtig gewesen sei: In einem rollierenden System befinden sich die Teams zeitweise in ihren Verwaltungsbüros und im Homeoffice. Bei Anliegen müssen die Bürger Termine vereinbaren. Bei dieser Maßnahme soll es vorerst bleiben, um einerseits die Mitarbeiter zu schützen und andererseits die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung dauerhaft zu erhalten.

Ordnungsdienst ist vorbereitet

Der Kommunale Ordnungsdienst mit seinem Leiter Martin Brinkötter sei darauf vorbereitet, am Wochenende gegebenenfalls die verschärften Schutzmaßnahmen umzusetzen. Das könnte beispielsweise die beiden angemeldeten privaten Feiern mit jeweils 25 Teilnehmern betreffen, die – wenn es eine neue Allgemeinverfügung so besagt – kurzfristig unersagt werden müssten. Dazu würde Brinkötter dann mit den Veranstaltern direkt in Kontakt treten.

Die Auswirkungen der steigenden Coronazahlen bekommen auch die heimischen Gastronomen, Reisebüros und der Handel zu spüren. Steffi Fels vom Reisecenter Drensteinfurt ist derzeit damit beschäftigt, bei Vermietern von Ferienhäusern und -wohnungen sowie Hoteliers telefonisch abzufragen, ob es angesichts von Beherbergungsverboten bei Buchungen bleiben kann. „Von Vermieter zu Vermieter und von Hotel zu Hotel ist es unterschiedlich“, sagt sie. Den einen reiche ein negativer Corona-Test, die anderen nähmen gar keine Gäste auf.

Umbuchungen und Rückerstattungen

Glücklicherweise habe Bayern gestern das Beherbergungsverbot auslaufen lassen. Feld versucht derzeit für ihre Kunden, die Reisen nach Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein gebucht haben, möglich zu machen, was möglich ist. Dazu gehörten Umbuchungen und Geldrückerstattung oder zumindest ein Gutschein.

„Doch nicht jeder Veranstalter möchte das bereits bezahlte Geld zurückerstatten“, weiß sie. „Die Menschen wollen reisen, viele haben sich darauf gefreut“, ist sie überzeugt. Nach storniertem Oster- und Sommerurlaub wollten Familien jetzt wenigstens an die See fahren. Wenn der Kreis Warendorf kurzfristig zum Risikogebiet erklärt wird, sei es unmöglich, für den heutigen Samstag etwas zu regeln. „Für nächste Woche und vielleicht sogar noch den Sonntag als Anreisetag können wir aber etwas erreichen“, versichert sie. Von der Politik wünscht sich Steffi Fels einheitliche Regelungen.

„Die Kunden wollen reisen“

Im Top-Travel-Reisebüro gibt es keine Buchungen für die betroffenen Bundesländer – außer für Bayern. Jedoch habe die Nachfrage besorgter Kunden, ob sie nun fahren dürfen oder nicht, zugenommen. „Unsere Kunden wollen reisen“, sagt Katharina Landwehr. „Wir hoffen jetzt darauf, dass bald die Kanaren wieder freigegeben werden“, so die Tourismuskauffrau. Bei internationalen Reisen spiele es keine Rolle, wenn der Kreis Warendorf zum Risikogebiet erklärt wird. „Es zählt nur die gesamtdeutsche Zahl“, sagt sie.

In der Gastronomie betrachten die Gastwirte die nächsten Tagen mit gemischten Gefühlen. Hubert Höhne von der Gaststätte Höhne in Walstedde lässt es auf sich zukommen. „Eine Sperrstunde ist kein Problem, die Gesundheit geht vor“, sagt er. Selbst wenn er seine Kneipe schließen müsste, könne er das verstehen. „Der Mensch steht an erster Stelle“, so seine Meinung.

Bernhard Averdung, Gastwirt vom gleichnamigen Haus Averdung, gibt zu: „Es ist nicht schön und das bleibt auch wohl so bis zum Ende der Pandemie.“ Bei ihm hätten etliche Kegelclubs und Gäste privater Gesellschaften, seit die Fallzahlen steigen, kurzfristig abgesagt. Manche Kegelclubs hätten sich bis zum Ende der Pandemie abgemeldet.

Thekenbetrieb bleibt tabu

Nachdem Kneipen wieder öffnen durften, hatte das Ehepaar Averdung seine Gäste zunächst ausschließlich im „Mops Garten“ bedient. Mit sinkenden Temperaturen öffneten sie auch wieder ihre Gaststätte – außer den Thekenbetrieb. Was sagt der Wirt von Haus Averdung zur drohenden Sperrstunde? „Das machte den Kohl jetzt auch nicht mehr fett“, so seine pragmatische Antwort.

Sven Feseler vom „Hammer Paot“ sieht eine mögliche Sperrstunde eher kritisch. „Wie ich das meinen Gästen klar machen soll, weiß ich noch nicht.“ Auch er beobachte, dass die Menschen mit steigenden Infektionszahlen besorgter seien. „Es kommen im Moment viel weniger Gäste“, gibt der Wirt zu. Am gestrigen Abend habe ein Kegelclub abgesagt, ein anderer sei aber gekommen: „So genau kann im Moment ja niemand sagen, was erlaubt ist und was nicht.“ Feseler hofft, dass auch künftig mindestens fünf Leute an einem Tisch sitzen dürfen.

Ulla Klimas, Pächterin vom Schlossbistro, stellt klar: „Ich mache mich nicht verrückt und lasse das auf mich zukommen.“ Auch bei ihr hätten Gäste Reservierungen abgesagt. Ein Frühstück, das für heute bestellt war, finde nach Absprache mit dem Gast nicht statt. „Die Leute sind vorsichtig: Wenn viel über Corona berichtet wird, ist die Sorge groß“, glaubt sie. Insgesamt sei sie froh, dass der Sommer so gut war. „Es war schon fast Normalität eingetreten“, erklärt die Pächterin. Mit den Zehnertischen draußen vor dem Bistro und der Feuerschale am Abend, „das war richtig schön und auch gut besucht“, stellt sie fest.

„Da bekommt man Existenzängste“

Benno Volking vom gleichnamigen Hotel Volking sind die Zahlen eine wirtschaftliche Katastrophe. „Alle Veranstaltungen für dieses Wochenende sind kurzfristig abgesagt.“ In Verbindung damit auch die Hotelbuchungen am Wochenende. „Das hätte ich nicht gedacht, dass ich das mit 70 Jahren noch erlebe“, sagt er. „Da bekommt man regelrecht Existenzängste“. Jeden Tag telefoniere er mit dem Ordnungsamt, um sich nach dem aktuellen Stand zu erkundigen. „Wenn überhaupt komme er in diesem Jahr auf ein Drittel Umsatz, so seine düstere Prognose.

Und wie sieht es in den Supermärkten aus? „Es hat mich überrascht, aber der Verkauf von Toilettenpapier hat wieder zugenommen“, informiert Filialleiterin Martina Schoregge-Gräber vom K&K in Walstedde und zeigt auf das leere untere Regal im Laden. Sie werde sich jetzt auf einen möglichen Ansturm vorbereiten und entsprechend mehr der besonders gefragten Waren ordern. „Man weiß ja nicht was kommt“, sagt sie. Ansonsten seien die Kunden entspannt und unauffällig. Sollte es neue Corona-Maßnahmen geben, werden die im Laden selbstverständlich umgehend umgesetzt.

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