Ameker Bluttat: Opfer hat nur durch Glück überlebt

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Die Tat ereignete sich im Dezember.

AMEKE/MÜNSTER - Gewaltiges Glück hatte der 27-jährige Asylbewerber aus Guinea, dass er die Messer-Attacke am 18. Dezember im Ameker Flüchtlingsheim überlebte. Das wurde am Donnerstag deutlich, als der Rechtsmediziner von der Uni Münster vor der 2. Strafkammer des Landgerichts aussagte.

Der Sachverständige hatte sowohl das Opfer als auch den Angeklagten kurz nach der Tat untersucht. Mit vier Messerstichen, beziehungsweise Schnitten in den Hals, ins Kinn, in Schulter und Rücken war der 27-jährige lebensgefährlich verletzt worden. Weil die Halsschlagader nicht komplett durchtrennt wurde und weil die Helfer in Ameke genau das Richtige taten, indem sie Tücher auf die Wunde pressten, konnte der Mann mit einer Notoperation gerettet werden. Heute leidet er unter den Folgen. Er hat große Narben und ist psychisch stark mitgenommen.

Beim angeklagten Asylbewerber aus Tunesien hatte der Arzt nur geringfügige Hautabschürfungen festgestellt. Die von seinem Verteidiger vorgetragene Behauptung des Angeklagten, er sei von dem Opfer mit einem Stuhl auf den Kopf geschlagen worden, konnte der Mediziner nicht bestätigen.

Vor den Ausführungen des Arztes hatte das Schwurgericht den Prozess mit der Beweisaufnahme fortgesetzt. Fünf Polizeibeamte aus Warendorf, Münster und Hamm sollten zur Aufklärung des Geschehens beitragen. Sie hatten den Tatort untersucht und fotografiert, Spuren gesichert sowie den Beschuldigten, das Opfer und mehrere Zeugen vernommen.

Demnach wurden die bisherigen Erkenntnisse des Gerichts weitgehend bestätigt: Nachdem der Angeklagte die Internetverbindung im Flüchtlingsheim lahmgelegt hatte, war es wiederholt zum Streit mit dem späteren Opfer und schließlich zu den Messerstichen gekommen. In der Küche fanden die Beamten deutliche Kampfspuren und große Mengen Blut. Andere Bewohner hatten die Küche vorher verlassen, weil sie Angst vor dem Tunesier hatten. Er habe sich wiederholt abschätzig über Schwarzafrikaner geäußert und soll zwei andere Flüchtlinge schon eine Woche vor der Bluttat mit dem Messer bedroht haben.

Ob er aus rassistischen Motiven handelte oder aufgrund krankhaften Verfolgungswahns muss im Laufe der Verhandlung geklärt werden. Während der Untersuchungshaft in der JVA Münster hatte er seine Furcht geäußert, die französische Drogenmafia wolle ihn durch Handlanger im Gefängnis vergiften. Mittlerweile ist er in der forensischen Klinik in Eikelborn untergebracht.

Weil der Angeklagte vor Gericht schweigt, ist die Frage nach der Tatwaffe schwer zu beantworten. Möglicherweise ist es ein 23 Zentimeter langes Küchenmesser mit schwarzem Griff, das die Polizisten auf dem Küchentisch fanden. Es wies äußerlich keine Blutspuren auf. Allerdings stellte das Landeskriminalamt DNA des Angeklagten am Griff und Blut des Opfers an der Klinge fest. Der Prozess wird am kommenden Montag um 9 Uhr fortgesetzt. Dann soll unter anderem auch ein weiterer Zeuge aus Drensteinfurt von der Polizei vorgeführt werden. Dieser war den Vorladungen des Gerichts bislang nicht gefolgt. - mm

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