Spannende Dokumente

Akten von 1645: Freiwillige ordnen Kirchenarchiv St. Regina

+
Unter den Dokumenten ist auch eine alte Nachschrift, die offensichtlich von einer brennenden Kerze beschädigt wurde, sowie ein weiteres Dokument mit Siegellack.

Drensteinfurt/Walstedde/Rinkerode - 450 Akten mit alten Dokumenten aus der Pfarrgemeinde St. Regina liegen beschriftet und abgeheftet im Generalvikariat in Münster. Beim Ordnen des Kirchenarchivs stoßen die Freiwilligen auf spannende Dokumente.

Noch ein Jahr wird es dauern, ehe Helmut Winterscheid, Liane  und Karl Schmitz sowie Waltraud Havers alle Dokumente katalogisiert haben. In den 80er Jahren hatte das Generalvikariat beschlossen, alle alten Akten aus den einzelnen Pfarreien nach Münster zu holen, um sie dort optimal zu lagern. Um zu sehen, was denn genau dort in den Kisten lagerte, müssen sie nun eine nach der anderen unter die Lupe genommen werden. 

Für die Aufbewahrung und auch Katalogisierung in einer Exceltabelle gibt es genaue Vorgaben von Münster. Dazu macht sich das Generalvikariat zuvor ein Bild von den Menschen, die sich bereit erklären, die alten Dokumente zu archivieren und bietet eine spezielle kleine Schulung an. „Wir hatten Glück, denn meine Frau arbeitet als Archivarin in Lüdinghausen und ist mit der Materie daher vertraut“, ist Kurt Schmitz froh. 

450 Akten haben sie bereits kontrolliert, davon 100 aus Rinkerode. Die 26 Kartons aus Walstedde sind dabei noch unberührt. Zeitaufwendig sei die Beschriftung der Akten. „Schon aus dem Titel muss der Inhalt und der Zeitraum genau ersichtlich sein. Wichtige Karten werden ebenfalls auf dem Ordner vermerkt. „Die alten Dokumente stellen eine Primärquelle dar und sind die Grundlage der Forschung“, erklärt Kurt Schmitz.

"Echte Zeitzeugnisse"

„Wir haben schon gehaltvolle Sachen gefunden“, bemerkt Winterscheid. Da gebe es alte Rechnungen und Prospekte. Besonders wichtig sei das Kirchenarchiv angesichts der Tatsache, dass alte Dokumente aus dem Stadtarchiv durch die Kriegseinwirkung 1944 verloren gegangen seien. Akten zu entsorgen, um Platz zu schaffen, sei grundsätzlich delikat und erfolge nur nach genauer Inspektion. 

„Wir führen manchmal hitzige Diskussionen darüber, was erhalten bleiben muss und was aus neuerer Zeit doppelt oder dreifach vorhanden ist“, sagt Liane Schmitz. Dabei werden Dokumente vor 1960 fast nie entsorgt, betont Winterscheid. 

Etliche Dokumente dienten der Rechtssicherheit; damals wurden Besitztümer noch nicht ins Grundbuch eingetragen. Andere dienen der Dokumentation. Besonders hervorgetan hätten sich die umfangreichen Chroniken von Edmund Wiesmann und Pfarrer Gottfried von Bockum-Dolffs. „Das waren Lichtgestalten der Archivierung“, begeistert sich Winterscheid. 

Pfarrer Jörg Schlummer (Zweiter von links) lobt die Arbeit von Kurt Schmitz (links) Liane Schmitz (Mitte), Waltraud Havers und Helmut Winterscheid, die das Kirchenarchiv Drensteinfurt-Walstedde-Rinkerode auswerten und neu ordnen.

Von Wiesmann stammt auch die älteste Akte, ein Heberegister aus dem Jahr 1645. Waltraud Havers faszinieren besonders auftauchende Fragmente von Gemeindeveröffentlichungen, die von der Kanzel vorgelesen wurden. „Das sind echte Zeitzeugnisse“, findet sie. 

Der Messebesuch sei vor Jahren obligatorisch gewesen, sodass man bestimmt zwei Drittel der Bevölkerung erreichen konnte. So wurden vonTipps gegen eine Rattenplage bis über die Sorge um die herrschende Dürre mitgeteilt, was die Menschen bewegte. 

Die Mitarbeiter im Bistumsarchiv sind dankbar für die Unterstützung der Hobbyhistoriker. Diese arbeiten derzeit daran, die Dokumente aller Gemeinden digital zu erfassen. Hier kann Einsicht genommen werden in Kirchenbücher aus Deutschland, Österreich und Polen. 

Respekt vor alten Dokumenten 

Jeden Donnerstag trifft sich das Team. Die gemeinsame Arbeit mache Freude und sei eine Bereicherung. Die Gruppe arbeitet auch deswegen so gut zusammen, weil sie der Respekt vor den alten Dokumenten verbindet und auch die Freude an unerwarteten Erkenntnissen. So seien neue Fakten zur Loreto-Kapelle aufgetaucht. „Das war eine echte Überraschung und beendet alle bestehenden Diskussionen“, versichert Liane Schmitz. 

Rechtzeitig zum Tag des Denkmals wird es dazu eine Veröffentlichung geben, verspricht sie. Pfarrer Jörg Schlummer, der schon einen Blick in die umfangreichen Arbeiten der Gruppe werfen durfte, lobte das hohe Engagement für den Erhalt der wichtigen Chronik der Gemeinde für die Nachwelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare