Afrikanische Schweinepest: Bei den Bauern geht die Angst um

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Thomas Moddick inmitten seiner Mastschweine. 1800 Mastschweine leben auf den Hof der Moddicks.

Drensteinfurt - Die Afrikanische Schweinepest ist derzeit in aller Munde. Hochaggressiv breitet sich das Virus scheinbar unaufhaltsam Richtung Westeuropa aus. Besorgt ist man auch in Drensteinfurt. 

Mittlerweile ist die Seuche in Polen und Tschechien angekommen, und jetzt geht die Angst bei den Besitzern von Schweinezucht- und Mastbetrieben um, denn gegen die Krankheit gibt es kein Mittel und keine Impfung. Während für den Menschen und andere Tiere keine Gefahr besteht, sterben Schweine – ist die Krankheit einmal ausgebrochen – qualvoll.

Der komplette Stall muss gekeult werden. Thomas Moddick, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbandes Drensteinfurt, geht noch weiter. „Es reicht schon ein betroffenes Schwein in Deutschland und der ganze Export bricht zusammen“, erklärt er die Existenzsorgen der Bauern. „Man trifft schon Vorsorge, aber man muss ja mit dem Trecker aufs Feld und so kann man sich das Virus auf den Hof holen, man kann sich nicht komplett einmauern“, informiert der Landwirt. 

1800 Mastschweine leben auf dem Hof der Moddicks, jetzt werden sämtliche Lücken rund um den Bauernhof mit einem Zaun geschlossen. Damit wolle man sich vor den Wildschweinen schützen, von denen die größte Gefahr der Übertragung ausgehe. 

Davon gibt es in der Bauernschaft Büren scheinbar reichlich. Erst kürzlich habe eine Nachbarin angerufen, die zehn Wildschweine auf einem Feld, nur 500 Meter von seinem Hof entfernt, beobachtet hatte. Bis nach Polen ist das Virus mittlerweile gekommen. Und genau dorthin fahren auch Drensteinfurter von Zeit zu Zeit am Wochenende, um auf Wildschweinjagd zu gehen. „Davon könnte eine Gefahr ausgehen“, glaubt Moddick, vor allen Dingen, wenn sie das Fleisch mitbrächten. 

Wildschweinpopulation ist viel zu hoch

Diese Sorge sei unbegründet, sagt Alexander von Looz vom Vorstand des Hegerings. „Niemand geht das Risiko ein und bringt das Fleisch der Wildschweine mit“, versichert er. Zudem gibt es derzeit in Deutschland reichlich eigene Wildschweine. Und genau hier lauere die Gefahr. Der Bestand sei zu hoch, was angesichts einer Erhöhung der Population von 300 Prozent nicht verwunderlich sei. 

In der Davert werden schon seit Jahren Wildschweine geschossen, „und wenn die dort jagen, kommen die Schweine auch in die Feldreviere in Drensteinfurt, bis in die Bauernschaft Büren sowie Richtung Herbern bis nach Ittingen rüber“, so von Looz. Mittlerweile gibt es sogar Wildschweine, die dort frischen. „Wenn sie ihre Frischlinge dort bekommen, sind sie auch sesshaft“, so von Looz. 

Es werde jetzt auch in Drensteinfurt darüber nachgedacht, Wildschweine vermehrt zu bejagen. Die Jagd sei aber schwierig und ohne Hilfsmittel nur bei Vollmond möglich. Besonders die älteren Schweine wüssten um die Gefahr in den hellen Nächten, so dass sie im Versteck blieben. „Alleine durch den Ansitz kann die Population nicht gesenkt werden“, ist seine Überzeugung. 

Die Schonzeit ist derzeit aufgehoben, so dass weiter gejagt werden kann, und davon sollte auch Gebrauch gemacht werden, um den Bestand zu reduzieren, fordert das Hegering-Mitglied. Die Jagd sei anstrengend und gefährlich und nicht immer erfolgreich. Den Vorwurf, der vielerorts laut werde, die geforderte Wildschweinjagd spiele den Jägern und den Bauern in die Karten, weist er zurück. 

Wird ein befallenes Wildschwein gefunden, entstehen Sperrbezirke. Dass die Schweinepest die Wildschweine in Deutschland erreichen wird, vor allen Dingen im Osten, da ist sich von Looz sicher. Die Jäger hätten auch eine Verpflichtung den Bauern gegenüber, es müsse Hand in Hand gearbeitet werden. Fest stehe: „Zurzeit hat die Wildschweinjagd einen ernsten Hintergrund und ist sehr notwendig.“

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