Noch ein Wunsch

Ältester Ehrenringträger der Stadt: Ehemaliger Bürgermeister Willi Wetzko feiert seinen 100. Geburtstag

Ein Jahrhundertleben: Willi Wetzko, der an Neujahr seinen 100. Geburtstag feiert, war von 1962 bis 1967 Bürgermeister von Drensteinfurt-Kirchspiel.
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Ein Jahrhundertleben: Willi Wetzko, der an Neujahr seinen 100. Geburtstag feiert, war von 1962 bis 1967 Bürgermeister von Drensteinfurt-Kirchspiel.

„Ich habe großes Glück, dass ich so alt geworden bin“, sagt Willi Wetzko, der am ersten Tag im neuen Jahr seinen 100. Geburtstag feiern darf.

Drensteinfurt – Für alteingesessene Stewwerter ist der Name nicht unbekannt, denn der Jubilar war schon einmal Bürgermeister von Drensteinfurt-Kirchspiel. Für seine Stadt hat sich Wetzko während seiner politisch aktiven Zeit in besonderer Weise verdient gemacht, sodass ihm 1977 der Ehrenring der Stadt verliehen wurde.

Wetzko ist zufrieden mit sich, seinem Alter und seinem Leben. Es sei schon etwas Besonderes, mit 100 Jahren noch alleine in der eigenen Wohnung leben zu können. Der Jubilar fühlt sich hier wohl, umgeben von Dingen, die ihm wichtig sind, wie die alte Wanduhr seiner Mutter, die er selber restauriert hat oder das Stück Braunkohle als Erinnerung an seine Heimat.

Historie des ehemaligen Bürgermeisters Welzow

Geboren wurde der Jubilar am 1. Januar 1921 in Welzow im Südosten Brandenburgs in der Niederlausitz, als Ältester von drei Brüdern. „Mein Vater war in der Braunkohlefabrik tätig“, erinnert er sich, die Mutter habe einen kleinen Lebensmittelladen betrieben.

Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er den Beruf des Bau- und Möbelschreiners. Der Krieg forderte Arbeitseinsätze und später die Einberufung an die Front. „In Russland erlitt ich bei minus 40 Grad Erfrierungen an den Zehen“, sagt er. In der Folge kam er 1942 ins Lazarett in Branitz. Hier wurde er nicht nur medizinisch gut behandelt, sondern lernte auch seine spätere Frau Martha kennen.

Gefangenschaft, Liebe und harte Arbeit

1943 fand die Hochzeit statt, im selben Jahr wurde, während Willi Wetzko erneut an der Front kämpfte, die einzige Tochter Hannelore geboren. In Italien geriet er in Gefangenschaft, aus der er 1947 entlassen wurde. Der Kriegsheimkehrer ging aber nicht in die Heimat in die Niederlausitz zurück, sondern kam nach Drensteinfurt, denn dort waren Frau und Tochter nach der Flucht gelandet.

Willi Wetzko fand Arbeit bei der Lackfabrik Hesse in Hamm und arbeitete sich bis zum Bereichsleiter und Sicherheitsmeister hoch. Eine Tätigkeit, die er bis zu seiner Pensionierung 1987 ausübte.

Sieben Jahre als Bürgermeister

Bereits 1952 trat er in die CDU ein, saß im Gemeinderat, übernahm von 1961 bis 1962 das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters von Drensteinfurt-Kirchspiel und wurde im August 1962 zum Bürgermeister von Drensteinfurt-Kirchspiel gewählt. Die Wahl bezeichnet er noch heute als „Wunderwerk“. „Ich war kein Drensteinfurter und kein Bauer, dafür ein Flüchtling und noch dazu evangelisch“, erklärt er schmunzelnd. Bürgermeister blieb er bis 1969, dann wurden Drensteinfurt und Kirchspiel zusammengelegt. Willi Wetzko war weiterhin bis 1979 als Ratsherr tätig – unter anderem leitete er den Ausschuss für Sport, Kultur und Soziales.

Während seiner politischen Zeit setzte er sich für den Bau der Wasserleitung nach Drensteinfurt ein, ebenso für das Freibad, den Bau der Christ-König-Hauptschule und der Grundschule. Er gründete die DLRG und war Vorsitzender der Kommission zur Renovierung der Alten Post. Für seine vielfältigen Verdienste erhielt er im November 1977 den Ehrenring der Stadt. Heute ist er der älteste Ehrenringträger in Stewwert.

Das Privatleben des ehemaligen Bürgermeisters Wetzko

Zu seiner Familie gehören neben Tochter Hannelore Königs noch ein Enkelsohn und zwei Urenkeltöchter. Seine Frau Martha Wetzko verstarb 2011 im Alter von 93 Jahren.

Obwohl Willi Wetzko alleine lebt, wird er gut umsorgt. Viermal am Tag kommt der Pflegedienst, regelmäßig die Hausärztin, Ergotherapeut und die Putzhilfe. Kochen braucht er nicht, das Essen wird von der Caritas Ahlen geliefert.

Ehemaliger Bürgermeister lebt immer noch in Stewwert

Dass alles so gut läuft, ist seiner Tochter Hannelore Königs zu verdanken, die von Mülheim an der Ruhr nicht nur alles managt, sondern auch jede Woche für ein oder zwei Tage den Vater in Drensteinfurt besucht. Damit ermöglicht sie ihrem Vater, weiterhin in Stewwert leben zu können – einer Stadt, in der er tief verwurzelt ist und mit der er sich ebenso verbunden fühlt. „Ich werde von meiner Tochter gut umsorgt“, sagt der ehemalige Bürgermeister dankbar.

Für die Zukunft hat Willi Wetzko noch einen Wunsch: „Ich möchte gerne noch älter werden“, gibt er mit einem Lächeln zu. Seinen 100. Geburtstag feiert er Corona-bedingt im engsten Familienkreis.

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