Orgelserie

Älteste erhaltene Orgel von Friedrich Fleiter in Walstedde

Der Orgelprospekt in St. Lambertus Walstedde
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Der Prospekt ist unverkennbar romanisch: 7400 Reichsmark investierte eine Familie 1876 in die Orgel des Münsteraner Orgelbauers Friedrich Fleiter für die St.-Lambertus-Kirche.

In der Lambertus-Kirche steht die älteste Orgel des Orgelbauers Friedrich Fleiter aus Münster. Jedes Jahr wird sie gewartet und gestimmt; 2006 wurde sie vom Urenkel des Erbauers renoviert. Ihre historische Substanz hat sie aber seit ihrer Erbauung im Jahre 1876 bis heute erhalten.

Walstedde - Für die Drensteinfurter Kantorin Miriam Kaduk war es eine Reise in die Vergangenheit. Bei ihrer Beschäftigung mit der Walstedder Orgel tauchte sie tief in die Geschichte ein, las historische Schriften über Kirchengebäude, Orte und Orgeln und telefonierte mit dem Orgelbauer der Firma Fleiter. 7400 Reichsmark habe die Orgel, die im 19. Jahrhundert von einer Familie gestiftet wurde, seinerzeit gekostet. Heute müsse man schon eine sechsstellige Summe aufbringen, wollte man die „Königin der Instrumente“ erwerben.

Bei ihrer Recherche erfuhr Kaduk außerdem, dass alle anderen aus dieser Zeit stammenden Orgeln von Friedrich Fleiter rundum erneuert, umgebaut oder sogar abgerissen wurden. Letzteres, weil es im Laufe der Zeit immer neue Ideale im Orgelbau gegeben habe: „Man besann sich wieder zurück auf das Barock-Zeitalter mit hellen, klingenden Stimmen.“ Hinzugekommen seien neue, die Bauart betreffende technische Errungenschaften.

Stil einer früh-romanischen Orgel

Die Kantorin ist mit dem Instrument, das dem Stil einer früh-romanischen Orgel gleicht, sehr zufrieden. „Der Klang einer Orgel ist abhängig vom Alter, aber moderne Orgeln klingen nicht unbedingt besser“, findet sie: „Die Pfeifen haben einen romanischen Ton, sie klingen dunkler, grundtöniger, tragender und lassen sich klanglich gut miteinander mischen.“ Auch rein optisch lasse sich der romanische Charakter nicht verkennen, wie an den Rundbögen vorne im Orgelprospekt zu erkennen sei. „Das Gehäuse mit den Schranktüren sieht aber eher wie ein Küchenschrank aus.“ Auch im Umfang der Manualtasten, die im frühromanischen Orgelbau um zwei bis drei Töne bis rauf zum „f“ erweitert wurden, zeige sich ein Unterschied.

Am Spieltisch: Die Drensteinfurter Kantorin Miriam Kaduk.

Vielleicht ist darum die Walstedder Orgel noch fast im Originalzustand erhalten. Lediglich ein Prinzipal in Prospekt und ein Pedalregister wurden im Laufe der Zeit ausgetauscht. „Damals, im Ersten Weltkrieg, wurde es in der Rüstungsindustrie gebraucht“, erklärt die Kantorin. Heute verfügt die Orgel über 14 klingende Register, die sich auf zwei Manuale und Pedale verteilen, insgesamt sind es 777 Orgelpfeifen. Betritt man das „Herz“ der Orgel, fallen sofort die feuerwehrrot gestrichenen Orgelpfeifen auf. „Das ist ein besonderes Merkmal der Fleiter-Orgeln, denn Friedrich Fleiter strich seine Orgelpfeifen immer rot an“, versichert Kaduk. Und weil es quasi sein Markenzeichen ist, wurde die rote Farbe bei der Renovierung aufgefrischt.

Holzgehäuse an einigen Stellen wurmstichig

Vorne in der Orgel befinden sich die Hauptwerkspfeifen, in der Mitte das Positiv, dahinter das Pedal, das jedoch nur bis zum „C“ geht. Das Holzgehäuse der Orgel sei an einigen Stellen schon wurmstichig. Am Spieltisch fallen die handbeschrifteten Porzellanschildchen an den Registerhebeln auf. Von hier werden das Hauptwerk vom unteren Manual bedient und das Positiv vom oberen Manual. Die Tasten des Manuals wurden, wie damals üblich, aus Rinderknochen hergestellt. „Es ist ein besonderes Spielgefühl, anders als bei Tasten aus Kunststoff“, versichert Kaduk.

Die Walstedder Orgel hat einen besonderen historischen Wert, weil sie noch immer über einen Balgbetrieb per Hand verfügt (siehe Kasten). Eine Orgel mit Blasebalg kann ohne Strom gespielt werden. Durch Blasebälge wird das Instrument mit Luft versorgt. Damals konnte der Organist die Orgel jedoch nicht allein spielen. Um die Blasebälge zu bedienen, brauchte er einen Balgtreter oder Kalkant. Wurden die Bälge nicht getreten, sondern gezogen, nannte man den Helfer Orgelzieher. Sehr große Orgeln benötigten zehn oder mehr Bälgetreter, die mit Händen, Füßen und ihrem ganzen Körpergewicht diesen Dienst verrichteten. Noch immer gibt es einige Leute im Ort, die sich noch lebhaft daran erinnern als Messdiener den Balg bedient zu haben.

Internet

Die Videoserie ist über die Internetseite https://www.kirchenmusik-in-drensteinfurt.de/willkommen/aktuelles/ abrufbar oder direkt bei Youtube über den Kanal MusikAbout.

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