Abschied vom Urgestein“: CDU-Politiker Heinz Töns zieht sich nach 54 Jahren aus Politik zurück

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Mehr Zeit für die grüne Idylle: Heinz Töns wird künftig häufiger in seinem Garten anzutreffen sein.

Drensteinfurt – Aus den Ratssitzungen der Stadt ist Heinz Töns eigentlich nicht wegzudenken, und doch endet seine Amtszeit Ende Oktober.

54 Jahre seines Lebens war er in der CDU tätig: Mit 18 Jahren hat er die Junge Union in Drensteinfurt mitbegründet. 1978 trat er dem Ortsverein der CDU bei, 1979 wurde er in den Rat gewählt, 1983 wurde er stellvertretender Vorsitzender der Ortsunion und zwei Jahre später Erster Vorsitzender bis 2017.

1993 übernahm er für 27 Jahre das Amt des Fraktionsvorsitzenden. Jetzt, mit 73 Jahren, kann er sein Amt, wie er selber sagt, „in bewährte und sachkundige Hände“ abgeben. „Mein designierter Nachfolger Markus Wiewel wird es gut machen“, sagt er.

Politisches Engagement liegt inder Familie: 1945 wurde Sein Vater Wilhelm Töns von den Alliierten in den ersten Ausschuss von Drensteinfurt beordert. Bis 1975 war er im Rat von Drensteinfurt. „Ich war programmiert, politisch etwas für Drensteinfurt und die Menschen im Ort zu tun.“

Dass er die Junge Union mitgründete, habe egoistische Gründe gehabt: „Wir wollten eine Städtefreundschaft mit Frankreich gründen und brauchten einen Träger“, erinnerte er sich. Die Freundschaft kam leider nicht zustande, umso schöner, dass er noch während seiner aktiven politischen Zeit die Städte-Freundschaft mit Ingré miterleben durfte.

Sitzungen in der Kneipe

An die Anfänge seiner politischen Arbeit hat Töns viele lebhafte Erinnerungen. Noch vor der ersten Ratssitzung in der Alten Post, im September 1980, fanden die Sitzungen in Kneipen und auch mal im Pfarrheim statt. „Als dann die Alte Post Sitzungsort wurde, hatte ich einen kurzen Weg und konnte beim Ausklang bis zum Schluss bleiben.“

Eine der ersten Sitzungen in der damals noch nicht offiziell eröffneten Alten Post steht ihm noch vor Augen. Der Rat sollte aus 50 Modellen den passenden Stuhl für die Ratssitzungen aussuchen. Ein Unterfangen, das fast an den verschiedenen Meinungen gescheitert wäre und damals von der Presse in der Überschrift mit „Das war ein harter Stuhlgang“ tituliert wurde. 1.300 Mark kosteten die gewählten Lederstühle pro Stück, erinnert er sich.

Planungsstau in den 70er Jahren

Der damalige Bürgermeister Heinz Fels und einige andere Politiker hätten geglaubt, dass Drensteinfurt dank der Ansiedlung eines Teilchenbeschleunigers der Kernforschungsorganisation Cern eine mittlere Metropole mit 40.000 Einwohnern werden könnte. Auch die Idee eines Flughafens habe im Raum gestanden. Dadurch sei die Forderung aufgekommen ein Schulzentrum mit allen Schulformen für die erwarteten Chemiker und Physiker zu bauen. Die Folge war ein Planungsstau in den 70er Jahren.

Als Werner Wiewel 1978 nach Stewwert kam, habe es keine heile Straße, keine vernünftige Kläranlage und kein Jugendheim gegeben. „Nach zwei Jahren musste Wiewel erst einmal in Kur gehen“, so Töns. „Die Doppelspitze Albert Leifert als Bürgermeister und Werner Wiewel als Stadtdirektor war für mich was Besonderes.“ Unvergessen blieben auch seine Weggefährten Reinhold Uhlenbrock, sein Vorgänger, von dem er ebenso viel gelernt habe wie von Alfred Haase Senior.

Thema Schule immer hinterhergelaufen

Der Bau der Umgehungsstraße, bei dem der Radweg vergessen wurde; die Bahnüberführung, das Rathaus und die Einsegnungskapelle waren für ihn unvergessene Baumaßnahmen.

Dem Thema Schule sei man eigentlich immer hinterhergelaufen – bis heute. Als die Grundschule noch nicht fertig war, sei sie schon zu klein gewesen, ein Schulverbund scheiterte, die Realschule wurde nach Vorstellungen der CDU zwar gebaut, dann aber von der Sekundarschule abgelöst, nur die gymnasiale Oberstufe kam nicht. „Baustein Schule ist noch immer da“.

Zum Thema Schule gehört auch die größte Fehlentscheidung, die er mitgetragen habe: der Verkauf des städtischen Grundstücks an der Grundschule in Stewwert, der etliche Klagen des Käufers nach sich gezogen hatte. „Drensteinfurt kann nur existieren, wenn wir eine wachsende Stadt bleiben“, ist seine Erkenntnis aus vielen Jahren Politik.

Viele spannende Bauprojekte

Sein erstes Baugebiet sei das „Ahlener Baugebiet“ gewesen. In dem immer gleichen Stil wurden weitere Baugebiete entwickelt. „Bei der Kleiststraße ist mir der Kragen geplatzt“, so Töns. Wir wollten neue Erkenntnisse, so habe er für die CDU einen Workshop gefordert, damit auch weitere Ideen einfließen konnten. Jetzt sei er froh, das in den neuen Baugebieten unter anderem Klimaschutzziele verwirklicht werden.

Der Marktplatz ist eines der gelungenen Projekte seiner Amtszeit. Ein Höhepunkt für ihn wäre die Herrichtung der Schlossallee und die Renaturierung der Werse: „Das wäre ein absoluter Gewinn für Drensteinfurt.“ Rückblickend ist er besonders stolz darauf, dass die CDU nach der Niederlage ihres Bürgermeisterkandidaten und dem Verlust der absoluten Mehrheit bei der letzten Kommunalwahl die Kurve bekommen habe.

Zukünftig werde er die Kommunalpolitik weiter verfolgen, stehe mit Rat zur Seite, könne sich auch vorstellen stellvertretender sachkundiger Bürger im Schulausschuss zu werden. Aktiv bleiben wird er auch im Verein „StädteRfreundschaft“, da ihm der Europa-Gedanke am Herzen liege, denn der stehe für Frieden und Freiheit. Zeit bleibe ihm jetzt auch für seine täglichen Schwimmrunden im Erlbad und Fahrten mit dem Fahrrad. Und dann seien da ja noch seine drei Enkelkinder...

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