Eine Ehe, vier Enkel, zwei Weltkriege - Bilanz eines 100-jährigen Lebens

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Käthe Esseling fühlt sich in ihrem neuen Zuhause, dem Wolfgang-Glaubitz-Seniorenzentrum in Hamm-Heessen, wohl. Die 100-jährige Walstedderin hat bis vor Kurzem noch in einer eigenen Wohnung gewohnt.

Walstedde/ Heessen - Das Ende des Ersten Weltkrieges jährt sich in diesem Jahr zum 100. Mal. Käthe Esseling feiert heute ihr eigenes Jubiläum: Sie wurde vor 100 Jahren in Walstedde geboren. Mit vier Geschwistern wuchs Käthe Ueter im Lambertusdorf auf. Jetzt wohnt sie im Wolfgang-Glaubitz-Seniorenzentrum.

Zwei Wochen nach der Hochzeit zog der Bräutigam als Soldat in den Krieg. Als ihre Tochter geboren wurde, war ihr Mann an der Front, erst 1945 kehrte er zurück. Später bekam das Paar noch einen Sohn. Heute ist die rüstige Seniorin vierfache Oma und zweifache Uroma. Zeit ihres Lebens war Käthe Esseling aktiv.

„Ich habe immer viel gearbeitet“, sagt sie. So versorgte sie nicht nur Haus und Garten, sondern steuerte durch ihre Tätigkeit als Bedienung bei Hochzeiten und Festivitäten in Walstedde und Ahlen Geld zum Lebensunterhalt dazu. Lebhaft in Erinnerung geblieben sind ihr die Fahrten mit dem Moped. Für Frauen damals unüblich fuhr sie regelmäßig mit ihrem Mann nach Vreden und erledigte sogar Einkäufe mit dem motorbetriebenen Zweirad, dabei verrät sie spitzbübisch: „Eigentlich wollte ich ja lieber ein Auto haben.“

Zeit fand die Jubilarin daneben für das gesellschaftliche Leben. „Ich war Mitglied im Kirchenchor und habe viele Jahre Lektorendienst in der Kirche übernommen“, erinnert sie sich. Mit viel Freude war sie in der damaligen Walstedder Laienschauspielschar aktiv und führte in der Gasstätte Kessebohm plattdeutsche Stücke auf. Die Jubilarin half, die Frauengemeinschaft wiederaufzubauen und war dort 38 Jahre als Helferin aktiv, seit Jahrzehnten besucht sie die Seniorengemeinschaft und ist seit einigen Jahren ältestes Mitglied.

Seit mehr als 30 Jahren spielt sie jede Woche mit vier Frauen Rommé. Bis vor wenigen Wochen wohnte Käthe Esseling noch im Haus von Sohn und Schwiegertochter in einer eigenen Wohnung, kochte sogar noch selber. Seit Kurzem lebt sie im Wolfgang-Glaubitz-Seniorenzentrum in Hamm-Heessen. Rommé wird dort nicht gespielt, aber regelmäßig Bingo und dabei ist die 100-Jährige aufmerksam dabei, hilft auch so manchem jüngeren Mitbewohner. „Es gefällt mir gut hier“, sagt Käthe Esseling zufrieden, „wir singen, hören Gedichte und ich habe schon viele nette Bewohner kennengelernt“, erzählt sie.

An die Zukunft hat die bescheidene Jubilarin, die ihr hohes Alter, wie sie glaubt, ihrem arbeitsreichen und geselligen Leben verdankt, wenig Ansprüche. „Für mich wünsche ich mir Ruhe und Frieden, für die Welt wenig Unfrieden und für die Menschen Zufriedenheit“, sagt sie weise. Gefeiert wird mit Familie und Freunden im Seniorenzentrum.

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