Präsenzunterricht startet am Montag

Zwischen Müssen und Dürfen: Vier Abiturienten und ihre Meinung zum Rückkehr an die Schule

Ab Montag sind die Türen des Gymnasiums wieder geöffnet für die Schüler der Oberstufe. Die sind aber teils noch skeptisch.
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Ab Montag sind die Türen des Gymnasiums wieder geöffnet für die Schüler der Oberstufe. Die sind aber teils noch skeptisch.

Ab Montag gehen einige Bönener Schüler wieder in ihre Schulen. Doch wie fühlen sich die Betroffenen dabei, dass sie mitten in der Pandemie mit strikten Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich wieder in Klassen- beziehungsweise Kursstärke in den Schulräumen zusammensitzen sollen? Ist das eher ein Dürfen oder ein Müssen? Vier angehende Abiturienten und ihre Meinungen.

Bönen – Für die Schüler der Abschlussklassen an Haupt- und Realschule, sowie die beiden Abiturjahrgänge am Gymnasium und die Grundschüler ist der Lockdown ab Montag beendet - zumindest was ihren „Arbeitsalltag“ angeht. Dann beginnt wieder der Präsenzunterricht. Die einen freuen sich darauf, die anderen würden lieber weiter zuhause lernen. Viele sind in ihrer Meinung sicherlich gespalten. Anna Rosenthal, Max Kalina, Lina Westhoff und Noemi Schimmel geben kurz vor dem Start Einblick in ihrer Gedanken, erzählen, wie der digitale Unterricht sie aufs Abi vorbereitet und überlegen, ob es ein freiwilliger Schulbesuch, wie er im Vorjahr möglich war, eine Lösung gewesen wäre?

„Ich freue mich, alle nochmal wiederzusehen“

Anna Rosenthal (Leistungskurse Englisch und Pädagogik): „Ich finde es ganz gut, wieder in die Schule gehen zu können. Es ist unser letztes Schuljahr und irgendwie freue ich mich, alle noch mal wiederzusehen, bevor es zu Ende ist. Aber ich finde es schon gefährlich, denn die Zahlen sind ja immer noch relativ hoch. Meine Meinung ist da gespalten. Durch den digitalen Unterricht sind wir relativ gut vorbereitet. Klar, wäre es persönlich noch besser. Aber wir bekommen die passenden Aufgaben und haben die Videokonferenzen. Aber in den Grundkursen, die auch mit ins Abi gehen, ist das etwas anders. Da gibt es nicht so viele Videokonferenzen, da ist es schwieriger zum Beispiel mit den mündlichen Noten.

Ich glaube, wenn es freiwillig wäre, wenn jeder selbst entscheiden könnte, ob er zur Schule geht oder nicht, würden viele eher nicht kommen. Ich finde es besser, dass es eine Schulpflicht gibt. Ich denke, sonst wäre es problematisch, weil viele im Unterricht fehlen würden.“

„Für mich ist das absurd“

Noemi Schimmel (Leistungskurse Deutsch und Pädagogik): „Für mich ist es eher ein Müssen. Ich bin überhaupt kein Fan davon. Und bei uns im Pädagogik-LK sind wir 30 Schülerinnen. Ich weiß nicht, ob wir alle in einen Raum sollen. Aber für mich ist das absurd. Es ergibt keinen Sinn, wenn wir im Alltag auf so viele Sachen verzichten müssen.

Die Zahlen gehen ein bisschen runter. Jetzt, wo es gerade besser wird, aber dafür die Mutationen da sind, beschließt NRW, dass wir wieder in die Schule sollen. Wir hatten in der Schule immer wieder Coronafälle in Klassen, und einer hatte es auch bei uns. Ich glaube, es dauert keine zwei, drei Wochen, dann müssen wir wieder wegen eines Coronafalls in Quarantäne.

Lina Westhoff, Noemi Schimmel und Anna Rosenthal (von links) sehen dem Präsenzunterricht mit gemischten Gefühlen entgegen.

Wir sind ungefähr 70 Leute in der Stufe, und ich habe mit fast allen Kurse. Zu sagen, wir bleiben in einer Gruppe wie die Zehner an der Realschule, geht bei uns nicht. Ich verstehe deshalb nicht, warum ich dann zum Beispiel drei Stunden Religion in der Schule haben muss. Je länger ich in der Schule bleibe, desto größer wird das Risiko. Auf freiwilliger Basis zur Schule zu gehen, fände ich aber auch nicht so gut. Da würden viele vielleicht doch zuhause bleiben. Entweder alle oder keiner.

Mit dem digitalen Unterricht habe ich keine Probleme. Ich weiß aber von anderen, bei denen es anders ist. Ich bin ein Mensch, der sich gut organisieren und selbstständig lernen kann. Eine Freundin von mir wohnt in Bramey. Da ist die Verbindung nicht so gut, deshalb kann sie nicht immer teilnehmen.“

„Ich glaube, dass das Konzept den Präsenzunterricht zulässt“

Max Kalina (Leistungskurse Erdkunde und Mathe): „An sich bin ich positiv eingestellt, dass die Schule wieder losgeht. Zum einen unter dem Aspekt, dass man seine Freunde wiedersehen kann. Durch die Beschränkungen hat man ja nicht so viel Kontakt, höchstens online. Zum anderen wegen des Abiturs. Der Präsenzunterricht ist effektiver als Vorbereitung auf das Abitur. Man kann direkt nachfragen und muss nicht erst eine E-Mail schreiben.

Sorgen mache ich mir aber schon, wenn man sieht, was momentan mit den Virusmutationen passiert, die um sich greifen. Ich glaube aber, dass das Konzept den Präsenzunterricht zulässt. Kurse können auf verschiedene Räume aufgeteilt werden, und es wird jetzt auf FFP2-Masken gesetzt und nicht mehr auf Alltagsmasken. Dadurch kann das Risiko reduziert werden, aber es ist natürlich wichtig, weiter vorsichtig zu sein.

Max Kalina lernt zuhause, freut sich aber, ab Montag wieder in der Schule sein zu können.

Die Vorbereitung auf den Digitalunterricht ist fächerabhängig. In meinen LK-Fächern Erdkunde und Mathe finde ich es schwierig, weil man viel Lernen muss. In Englisch oder Deutsch zum Beispiel finde ich es sehr gut machbar. Um mein Abitur mache ich mir nicht so viele Sorgen. Unsere Lehrer machen ihren Job gut, uns darauf vorzubereiten.“

„Normaler Unterricht ist viel besser als digitaler“

Lina Westhoff (Leistungskurse Mathe und Pädagogik): „Ich finde es sehr gut, dass wir wieder zur Schule gehen können. Normaler Unterricht ist viel besser als digitaler – vor allem für uns Abiturienten. Die Lehrer haben uns versprochen, dass wir alle Themen im Abitur noch einmal besprechen. Das geht online nicht so gut. Ich habe eine Freundin, die ist Mathelehrerin. Wenn ich die nicht hätte, würde ich nicht alles verstehen. Manche Themen sind echt schwer, sich selbst beizubringen.

Ich mache mir nicht so große Sorgen. Klar ist es zurzeit halt schlimm. Aber so viele Coronafälle hatten wir nicht an der Schule. Und jetzt kommen ja erstmal nur die Q1 und Q2, da kann man das gut regeln.

Der digitale Unterricht funktioniert in den Fächern sehr unterschiedlich. Dass wir nicht in allen Fächern Videokonferenzen haben wie ein Freund von mir an einer anderen Schule, fand ich erst nicht so gut. Doch jetzt finde ich es besser. Wo man kein Abifach hat, da reichen mir auch die Aufgaben. Das geht alles.“

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